Geislinger Frauenleben erkundet

Unterböhringen. 

Vor Kurzem haben die Landfrauen Unterböhringen eine besondere Stadtführung mit Heide Rigl erlebt. Beim Stadtrundgang durch eine eigentlich bekannte Altstadt wurde den Landfrauen eindrucksvoll das Frauenleben in Geislingen näher gebracht.

Die Frauen staunten, dass das heutige evangelische Pfarrhaus neben der Geislinger Stadtkirche ein Beginenhof war und auf dem Platz vor der Stadtkirche Hexenverbrennungen durchgeführt wurden.

Durch die heutige Fußgängerzone führte einst eine der bedeutendsten Handelsstraßen Europas. Im 16. Jahrhundert lebte jede fünfte Familie in Geislingen von der Elfenbeinschnitzerei. Heute noch bekannt ist die filigran geschnitzte Rose oder der Elefant, das Wappen der Helfensteiner.

Weiter ging es zum "Alten Zollhaus", dem Geburtshaus von Helene Bühler. Die Tochter des Geislinger Zollmeisters wurde die Ehefrau von Christian Friedrich Daniel Schubart. Die Landfrauen erfuhren, dass das Leben mit dem bekannten Dichter und Lehrer alles andere als harmonisch war und Helene Bühler nur durch die Unterstützung der eigenen Familie und des Herzogs Karl Eugen mit ihren Kindern überleben konnte.

Am Denkmal von Daniel Straub, Mitbegründer der heutigen WMF, erführen die Landfrauen, dass die Frauen, obwohl eine gute soziale Versorgung vorhanden, Anfang des 20. Jahrhunderts in den Streik traten. Sie erkämpften eine Lohnerhöhung um zehn Pfennige in der Stunde und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Kinder.

Am Ende der Stadtführung berichtete Heide Rigl über das Schicksal von über 600 jungen jüdischen Frauen, die Munition in der WMF herstellen mussten. Überlebende Frauen besuchten nach Ende des Zweiten Weltkriegs Geislingen. Sie hegten aber keinen Groll, da sie durch die Arbeit in Geislingen der Vernichtung im KZ Auschwitz entgangen waren und in Geislingen korrekt behandelt worden seien, erklärte die Stadtführerin.

Viel zu schnell war der Stadtrundgang zu Ende. Der Ausklang des gelungenen Nachmittags fand im Mühlencafé bei der Straub-Mühle statt.


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Autor: MARTINA GRUPP | 26.01.2012

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