Duftende Welt der Kräuter
Bad Überkingen. Die duftende Welt der Kräuter haben rund 30 Teilnehmer beim "Sommer der Ver-Führungen" in Bad Überkingen entdeckt. Erwin Eger, Vorsitzender des homöopathischen Vereins Geislingen, führte die Gruppe.
Am Wegesrand wächst so manches Kräutlein, das zu Unrecht als Unkraut verschrien ist. Denn zahlreiche Kräuter sind nicht nur schmackhaft, sondern entfalten im menschlichen Körper eine heilsame Wirkung. Von "Chrut und Unchrut" handelt schon der Klassiker der Kräuterheilkunde von Kräuterpfarrer Johann Künzle. Erwin Eger hat ihn natürlich gelesen, und die Teilnehmer der alljährlichen Heilkräuterwanderungen rund um Bad Überkingen hängen dem Vorsitzenden des homöopathischen Vereins Geislingen dementsprechend an den Lippen.
Der "Sommer der Ver-Führungen" führte dieses Jahr rund 30 Teilnehmer in den Kräutergarten der Natur. Bei der zweistündigen Wanderung lernten die Besucher die gängigsten Heil- und Verzehrkräuter kennen. Außerdem gab Eger Tipps zum Sammeln.
Die Sonne blinzelte durch die Wolken, als der Bad Überkinger Kräuterexperte mit der Wandergruppe an der Alten Linde in Richtung des Panoramawegs und der Wacholderheide in Halbhöhenlage aufbrach. Bereits nach wenigen Schritten war eine Streuobstwiese erreicht, wo jetzt frische Äpfel heranreifen. Die Frucht sei verdauungsfördernd und blutreinigend, klärte Eger auf. Morgens auf den nüchternen Magen und gründlich gekaut, helfe der Apfel gegen Stuhlträgheit. Fein zerrieben wirke er gegen Durchfall. Wilder Majoran, den die Gruppe wenig später entdeckte, ist dagegen sehr würzig und erinnert im Geschmack an den italienischen Oregano. "Er eignet sich daher für ein Salat-Dressing und auch als Gewürz in der Wurst." Seine medizinische Eigenschaft macht sich Eger zufolge bei Husten (Schleim lösend) sowie Magen-Darm-Erkrankungen (Krampf lösend) positiv bemerkbar.
Wer den Spitzwegerich kennt, erkennt ihn im Frühjahr an seinen langen schmalen Blättern, die wie Lanzen aus dem Boden schießen. "Wegen seinen antibakteriellen Inhaltstoffen ist er in fast allen Hustensäften enthalten", weiß Eger. Äußerliche Anwendung findet der Spitzwegerich bei kleineren Wunden und Insektenstichen. "Wer weder Pflaster noch Desinfektionsmittel bei einer Wanderung dabei hat, kann sich des Spitzwegerichs bedienen; indem man das Blatt zerreibt oder zerkaut und auf die Wunde auflegt."
Zwischendurch fesselte Eger die Teilnehmer mit seinen Kenntnissen über die Geschichte der Heilkräuter, und die hat schon eine sehr lange Tradition. Schon die Steinzeitmenschen machten sich die Wirkung der Heilkräuter durch Versuch und Irrtum zunutze oder beobachteten kranke Tiere bei der Nahrungsaufnahme. Mittelalterliche Klöster brauten nicht nur Bier, sondern legten auch stets einen Kräutergarten an. Auch kluge Frauen wie Hildegard von Bingen hüteten das Wissen. Sprichwörtlich verbrannt wurden die Kenntnisse in der Zeit der Hexenverbrennung, als viele heilkundige Frauen den Weg zum Scheiterhaufen antreten mussten. Lehrgrundlagen schufen dann wieder Paracelsus und später der Homöopathiebegründer Samuel Hahnemann, der auch mit dem Unsinn des Aderlasses aufräumte, mit dem schwer kranke Menschen nur noch mehr geschwächt wurden.
Die Teilnehmer kannten sich in Großmutters Hausapotheke schon recht gut aus. Dass 100 Gramm Hagebutten ebenso viel Vitamin C enthalten wie ein Kilo Zitronen, verblüffte die Runde dann doch etwas. Wer selbst Kräuter pflückt, sollte beim Sammeln auf einige Punkte achten. "Pflücken Sie nur Pflanzen, die Sie auch kennen, und achten Sie auf Schädlings- oder Pilzbefall", warnte Eger. Zur Ausrüstung gehören Küchenschere und Korb, den man am besten mit feuchtem Zeitungspapier auslegt. Ernten sollte man immer nur den Jahresbedarf, "sonst verlieren die Kräuter ihre Wirkung". Nach der Ernte sollten die Pflanzen rasch getrocknet werden, aber nie in der prallen Sonne.
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Autor: BORIS-MARC MÜNCH | 06.09.2010
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Am Wegesrand wächst so manches Kräutlein, das zu Unrecht als Unkraut verschrien ist. Beim "Sommer der Ver-Führungen" erfuhren die Teilnehmer, dass zahlreiche Pflanzen nicht nur schmackhaft, sondern auch heilsam sind. Foto: privat
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