Bunt, schräg und gruselig
Gosbach. Zwei Stunden lang hat sich am Samstag ein Riesenwurm aus Hästrägern, Musikgruppen und Narren durch die Straßen von Gosbach gewälzt. Tausende Besucher fanden Gefallen an dem farbenprächtigen Nachtumzug.
Ob es nun mehr Faschingsnarren waren als Zuschauer - so genau weiß das keiner. Sicher ist nur: Am Samstagabend sind wieder gewaltige Menschenmassen nach Gosbach geströmt, um aktiv am bekannten Nachtumzug der Gosbacher Breithutgilde teilzunehmen oder vom Straßenrand aus dem spektakulären Treiben zuzuschauen. Die Zuschauer kamen aus der gesamten Region, und die Häsgruppen vertraten die schwäbischen und oberschwäbischen Narrenzünfte - sogar aus der Schweiz und aus dem Kreis Bodensee waren einige von ihnen ins Filstal gekommen.
Insgesamt mischten am Gosbacher Nachtumzug 71 Narrenzünfte mit. Die Gruppen präsentierten sich farbenprächtig, gruselig und auch abenteuerlich. Originell waren zum Beispiel die marschierenden Lampenschirme, das sieben Meter lange Urwald-Fahrrad vom Gorilla Club Russenried, das Hexenbiermobil aus Böblingen und auch die fahrbare, lautstarke Rätsch aus Ranzenburg. Die vielen Hexen zeigten ihr Können nicht nur bei einem Tanz auf dem Besen, sondern auch bei akrobatischen Pyramiden.
Unter den Umzugsteilnehmern befanden sich auch 18 Musikgruppen, die beim Marsch durch den Ort mit ihren oftmals schrägen Tönen für Stimmung sorgten. Mit Partyhits und Ballermann-Ohrwürmern gelang es den verkleideten Musikern, den Schaulustigen ein pulsierendes Zucken (Tanzen) und rhythmisches Klatschen zu entlocken.
Entlang der Strecke waren drei Ansagepunkte aufgebaut, an denen ganz besonders der sprichwörtliche Punk abging: Fachkundige Moderatoren animierten zum lautstarken Narrenruf der einzelnen Zünfte. In der Ortsmitte beim Narrenbaum übertrumpften sich Rudi und Marcel buchstäblich mit ihren zum Teil verrückten Kommentaren. Weil Marcel eben auch mal auf die "Pipibox" musste, entstand von ihm kurzerhand der neue, dreifache Narrenschlachtruf: "Soicha - muas i".
An vielen Stellen des Umzugs wurde das Publikum von den Hästrägern ins Treiben mit einbezogen. Deren "Beute" waren dabei an erster Stelle junge weibliche Geschöpfe. Diese wurden mit Vorliebe mit Konfetti eingeseift und kurzerhand ihrer Schuhe entledigt. Einen Glückstag hatten die kleinen Umzugsbesucher erwischt. Gleich händeweise bekamen sie Bonbons und andere Leckereien geschenkt. Die Erwachsenen wurden dagegen im Gesicht abgestempelt oder mit Farbe geschminkt. Für Stimmungsergänzer in Form von Bier, Glühwein und Punsch war an mehreren Stellen gesorgt und für den kleinen Hunger zwischendurch gab es Essensstände der Breithutgilde, des Sängerbundes und der FTSV-Tennisabteilung. Auch so manche private Garage wurde zur genussvollen "Mini-Partymeile" umfunktioniert.
Begonnen hatte das bunte Treiben in Gosbach bereits am Nachmittag mit dem traditionellen Zunftmeisterempfang. Eine Stunde vor dem Umzug heizte bereits ein Monsterkonzert der Schalmeien und Guggenmusiker den Besuchern ein. Und nach dem Umzug ging die Sause in der Turnhalle, dem Festzelt, der Stadlbar sowie an allen Ecken und Enden Gosbachs bis weit nach Mitternacht weiter.
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Autor: GÜNTER HOFER | 30.01.2012
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Die Hexen haben das Kommando übernommen. Foto: SchwabenPress
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