Ortsvorsteherin Birgit Fetzer hat bis zum Schluss mit sich gerungen

Birgit Fetzer ist keine, die Herausforderungen sucht. Aber eine, die offen ist für Neues. Sie mag den Kontakt zu Menschen und hängt an "ihrem" Dorf. Deshalb hat sie das Amt der Ortsvorsteherin angenommen.

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Jeden zweiten Freitagabend macht Birgit Fetzer zusammen mit ihrer Familie den Hirsch in Urspring auf. Früher traf sie sich dort mit Gleichaltrigen.  Foto: 

"Ich hab bis zum Schluss mit mir gerungen", gibt Birgit Fetzer auf die Frage, warum sie Ortsvorsteherin in Urspring geworden ist, zu. "Unstimmigkeiten, Unfrieden - das sind Dinge, die ich viel zu sehr an mich ranlass. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob ich als Ortsvorsteherin geeignet bin."

Birgit Fetzer hat die Herausforderung trotzdem angenommen, nachdem die Urspringer Ortschaftsräte sie im September einstimmig in das Amt gewählt hatten. Sie wusste, was auf sie zukommt. Immerhin ist sie bereits in der zweiten Periode sowohl Ortschaftsrätin in Urspring als auch Gemeinderätin im Hauptort Lonsee. "Es ist eine große Verantwortung", ist der 44-Jährigen klar. Dieser Verantwortung will sie nun auf jeden Fall gerecht werden.

"Es klappt ganz gut", lautet ihr Fazit nach dem ersten halben Jahr als Ortsvorsteherin. Es sei schön, wenn man die anderen von dem überzeugen könne, was einem wichtig ist. Und auch die ersten Hürden wie etwa die Rede zur Hauptversammlung der Feuerwehr habe sie schon genommen. "Man läuft ganz anders durchs Dorf", hat sie festgestellt und schmunzelt dabei: "Mir fallen plötzlich Dinge auf, die ich vorher nicht gesehen habe - Schlaglöcher, eine kaputte Straßenlampe oder ein Baum, der aussieht, als ob er marode sei!"

Dass sie in die Ratsgremien gewählt wurde, erklärt sich die zweifache Mutter mit den kurzen rotblonden Haaren damit, dass "man mich hier halt kennt". Zum einen, weil sie "immer in einem der Ortsteile von Lonsee gewohnt hat, außer während einer kurzen Zeit in Reutti. Und auch, weil sie und ihre Familie in zahlreichen Vereinen aktiv mitarbeiten, wie etwa dem SC (Ski- und Sportclub) Urspring, wo Uli Fetzer Vorsitzender ist, beim Musikverein Lonsee, wo Sohn Paul Tuba spielt, oder im Frauenchor der Kirche, wo Birgit Fetzer seit neun Jahren mit Freude mitsingt.

Zum anderen wegen des "Hirschs". Das ist die Gaststätte in der Ortsmitte, direkt an der B 10, die aus dem Ortsbild von Urspring nicht wegzudenken ist. Dort hat sie als junge Erwachsene jahrelang bedient, dort war damals der Treffpunkt der Gleichaltrigen. Dieser "gemütlichen, schönen alten Wirtschaft" haben Birgit Fetzer und ihr Mann Uli seit 2012 wieder richtig Leben eingehaucht. Jedenfalls jeden zweiten Freitagabend. "Dann ist es dort knackevoll. Alle treffen sich wieder hier", erzählt sie und man merkt an der Art, wie sie davon erzählt, dass ihr das Spaß macht. Ihre beiden Söhne helfen dann mit, immer wieder auch die Nichte ihres Mannes. "Es ist ein richtiges Familienprojekt", sagt sie. Schon immer liebt die aufgeschlossene Frau den Kontakt zu den Menschen, hört gern zu, weiß, wo was los ist.

"Obwohl ich an den Freitagen lang in der Küche stehe", wie sie einschränkt. Dann kocht sie schwäbische Spezialitäten wie Linsen und Spätzle oder Bratwurst mit Kartoffelsalat, macht knackige Salate, kocht eine Suppe und richtet einen leckeren Nachtisch an. Eine Karte gibt es nicht. "Ich hab ganz viele Leute in einem Mailverteiler - und denen schreibe ich am Dienstag vorher immer, was am Freitag angesagt ist", erzählt die Hobby-Köchin. Eine gelernte Köchin ist sie nicht, sondern Einzelhandelskauffrau im Textilbereich. Da hat sie es bis zur Filialleiterin gebracht.

"Nach der Scheidung meiner Eltern, da war ich elf, hab ich mit drei Brüdern bei meinem Vater in Ettlenschieß gelebt. Meine Oma hat da gekocht und mir nach und nach alles beigebracht. Wie zum Beispiel auch das Brotbacken im Backhaus."

Um das, was sie tut, richtig zu machen, nahm sich Birgit Fetzer die Zeit, ein Praktikum in einer Großküche zu absolvieren. Hier sammelte sie Tipps und Anregungen für sich. "Das war im Ochsen in Merklingen. Mit hat das so gefallen, dass ich dort hängengeblieben bin und bis vor Kurzem immer wieder ausgeholfen habe", erzählt sie, aber auch, dass ihr die oft kurzfristigen Einsätze dort zu viel wurden, weil sie dann "nicht mehr planen und strukturiert arbeiten" konnte, und das sei ihr immer wichtig gewesen. Vor allem, weil Birgit Fetzer - wie sie zugibt - ein Problem damit hat, "Nein" zu sagen. "Da bleiben doch viele Aufgaben an einem hängen, die sich harmlos anhören, sich aber letztlich summieren."

So ist sie etwa diejenige, die bei den Ortschaftsratssitzungen das Protokoll führt. Zum Amt der Ortsvorsteherin gehöre es beispielsweise aber auch, Bürger zu ihren Geburtstagen ab 80 Jahren zu besuchen oder zu den "runden" Hochzeiten ab der goldenen. "Wenn man das einteilt, ist es kein Stress", findet die Ortsvorsteherin.

Was sie ärgert, sind eher Kleinigkeiten: dass manche Leute lieber schimpfen als sachlich miteinander zu reden. "Oder dass selbst heute noch, über 40 Jahre nach der Eingemeindung, manche Leute zurück zum Einzelort wollen und sich als Teilort grundsätzlich benachteiligt fühlen. So klein-klein denke ich nicht. Wir sind doch alle eine Gemeinde!"

Ganz persönlich

Meine Hobbys sind Kochen, Singen, Skifahren, Wandern ...

Mein Lieblingsbuch ist kein Bestimmtes. Vor allem aber mag ich Kochbücher.

Ich schätze Menschen, die sich für andere einsetzen.

Ich habe Angst vor Krankheiten und Krieg.

Mein Lieblingsgericht Zwiebelrostbraten.

Mich ärgert, dass manche Menschen den Hals nicht vollkriegen.

Als Kind wollte ich einen Bauernhof mit vielen Tieren.

Ich bewundere unsere Erde und alles was sie hervorbringt, weil wir viel zu selbstverständlich und unbedacht damit umgehen.

Wenn ich im Lotto gewinne, schnappe ich meine Familie und wir sehen uns die Welt an.

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