Oldtimertreffen in Sinabronn

Einmal im Jahr verwandelt sich das 130-Seelen-Dorf Sinabronn zum Mekka für Liebhaber von zwei- und vierrädrigen Raritäten - dem Oldtimer-Treffen.

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  • Der 1913 gebaute Ford Speedster zieht beim Sinabronner Oldtimertreffen die neugierigen Blicke auf sich. Fotos: Jochen Horndasch 1/2
    Der 1913 gebaute Ford Speedster zieht beim Sinabronner Oldtimertreffen die neugierigen Blicke auf sich. Fotos: Jochen Horndasch Foto: 
  • Das Fachsimpeln gehört beim Treffen der Oldtimerfreunde dazu. 2/2
    Das Fachsimpeln gehört beim Treffen der Oldtimerfreunde dazu. Foto: 
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Selbst das Wetter machte den Mitgliedern der Oldtimer- und Technikfreunde Sinabronn am Sonntag keinen allzu dicken Strich durch die Rechnung. Trotz gelegentlich heftiger Schauer kamen 300 Fahrzeuge und knapp 2000 Besucher zum 9. Oldtimertreffen in den beschaulichen Teilort von Lonsee. Und darauf können die Vereinsmitglieder als Veranstalter zu Recht stolz sein. Denn die Besitzer automobiler Raritäten, die ihre Fahrzeuge liebevoll hegen und pflegen, scheuen Regen mindestens genau so wie der Teufel das Weihwasser. Nur bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sind sie normalerweise mit ihren Fahrzeugen unterwegs. Dass sie sich dennoch mit ihren aufwendig restaurierten Autos, Motorrädern, Traktoren, Unimogs und Nutzfahrzeugen auf den Weg nach Sinabronn machten, spricht für das gelungene Gesamtkonzept der Veranstaltung. Das ganze Dorf, alle Straßen, Wege, Plätze und Hofeinfahrten sind quasi Showbühne, auf der sich die automobile Vergangenheit zeigt.

Auch Jakob Junginger hat sich zusammen mit Ehefrau und Sohn Markus in seinem top restaurierten 63 Jahre alten schwarzen Mercedes-Benz 170 DS schon früh am Morgen von Altheim auf den Weg nach Sinabronn gemacht. 1976 hat er den alten Benz gekauft. Er sei in einem jämmerlichen Zustand gewesen, stand jahrelang in einem Garten und wurde als Hühnerstall missbraucht, erzählt Junginger. Technisch war er weitgehend in Ordnung, der Motor lief, Getriebe und Achsen waren noch brauchbar. Doch der Rost hatte deutliche Spuren hinterlassen und die Optik war eine Katastrophe. Vier Jahre harte Arbeit und eine Menge Geld investierte der gelernte Landmaschinenmechaniker in den Benz, von dem von Januar 1952 bis August 1953 insgesamt 13 000 Autos vom Band liefen. Etwa 6,5 Liter Diesel schluckt der 40 PS starke Motor mit seinen 1,7 Liter Hubraum, der den 1300 Kilogramm schweren Wagen immerhin auf eine Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometer beschleunigt. Je nach Erhaltungszustand kostet der Typ etwa 30 000 Euro, wobei es nach oben keine Grenzen gibt.

Regen, Wind und Wetter zum Trotz war eine neun Mann starke Gruppe aus dem benachbarten Ettlenschieß mit ihren Bikes nach Sinabronn gekommen. Allen voran Jürgen Seitz, passionierter Sammler von Zweirädern, der mit seiner NSU OSL 251 Baujahr 1951 anreiste. Vor fünf Jahren hat er die Maschine gekauft, nachdem sie über 35 Jahre rumstand. Kolben, Zylinder und Dichtungen wurden gerichtet und seither läuft der Motor wie geschmiert. Vor acht Jahren hat Seitz die Liebe zum Zweirad entdeckt. Sieben Motorräder, acht Mopeds und 20 Mofas zählt mittlerweile sein Bestand, wobei alle top in Schuss sind und jedes Zweirad mindestens 30 Jahre auf dem Buckel hat. Roller gehören nicht zur Sammlung und werden nicht nur von dem gelernten Kfz-Elektriker verschmäht. Die gesamte Ettlenschießer Dorf-Jugend ab 15 Jahren sei ausschließlich mit Mofas unterwegs und halte nichts von Vespa und Co, berichtet Seitz.

Das wohl älteste Fahrzeug in Sinabronn, einen Ford T Speedster Baujahr 1913, präsentierte Jörg Kallweit aus Ettlenschieß. Der Oldtimer wurde im amerikanischen Detroit von Hand gefertigt und ist mit einem 2,9 Liter-Vierzylinder Motor mit 20 PS ausgestattet. Das Fahren mit dem 103 Jahre alten Vehikel ist abenteuerlich. Am Lenkrad wird Gas gegeben und der Zündzeitpunkt eingestellt. Bremsen ist nur vorausschauend möglich. Denn der 650 Kilogramm schwere Oldtimer besitzt lediglich an den Hinterrädern zwei kleine Trommelbremsen. Und Nachtfahrten werden zum Blindflug. Eine Gasflasche versorgt die beiden vorderen Gaslampen, in den Rücklichtern brennt ein Petroleumflämmchen.

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