Neubau in Ulm nimmt Gestalt an

Das Kölner Architekturbüro JSWD wird den Erweiterungsbau des Landratsamtes Alb-Donau planen. Dessen Vorentwurf gefiel den Kreisräten sehr - bis auf die Gestaltung der Fassade. Zu viel Glas, lautet die Kritik.

|
So soll der Erweiterungsbau beim Landratsamt Alb-Donau in der Hauffstraße in Ulm aussehen. Auf Wunsch des Kreistags wird die Fassade allerdings überarbeitet - hin zu weniger Fensterflächen. Grafik: JSWD Architekten  Foto: 

"Eigenständig. Klar strukturierte Fassade. Nimmt die historischen Baufluchten auf. Setzt das Nutzungskonzept sehr gut um." So lauten die Meinungen des Bewertungsgremiums über den Entwurf des Kölner Architekturbüros JSWD für die Erweiterung des Landratsamtes Alb-Donau an der Hauffstraße in Ulm. Wie berichtet, soll das ehemalige Verwaltungsgebäude der Sparkasse, das leersteht, abgerissen und auf der bestehenden Tiefgarage ein sechsgeschossiger Neubau für die Kreisverwaltung erstellt werden. Dort soll vor allem Platz für das Sozialdezernat geschaffen werden, das noch in der Wilhelmstraße ausgegliedert ist. Nach der ersten Kostenschätzung wird das Projekt knapp 18 Millionen Euro kosten.

Das Bewertungsgremium, besetzt unter anderem mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags, dem Ulmer Baubürgermeister Tim von Winning und Vertretern der Kreisverwaltung, hatte sieben Vorentwürfe von Architekten für den Neubau vorliegen. Das Kölner Büro ging als Favorit hervor. "Wir waren uns aber einig, dass die Fassade ein Stück weit ergänzt und verbessert werden sollte", sagte Landrat Heinz Seiffert am Montag im Kreistag. Das Gremium stimmte einstimmig dafür, das Büro JSWD mit der weiteren Planung zu beauftragen.

"Wir teilen die Bewertung - und zwar trotz der Fassade", sagte Jens Kaiser, CDU-Fraktionsvorsitzender. Vor allem das Nutzungskonzept des Erstplatzierten habe überzeugt. Ähnlich argumentierte Wolfgang Mangold für die Freien Wähler: Für die Bedürfnisse der Mitarbeiter und Kunden sei das Gebäude "sehr gut", aber der hohe Glasanteil in der Fassade sei ein Problem: Zum einen wegen der Klimatisierung der Räume, zum anderen, weil sie zu viele Einblicke in die Büros zulasse. Positiv sei, dass der U-förmige Neubau die Möglichkeit offen lasse, das Gebäude später zu erweitern. Auch Klara Dorner, Vorsitzende der SPD-Fraktion, forderte "weniger Glas". Die Fenster sollten nicht bodentief sein, denn das Sozialdezernat umfasse sensible Bereiche, für die "ein geschützter Raum" nötig sei, sagte Roland Riedlinger von den Grünen.

Konstantin Jaspert von JSWD erläuterte den Vorentwurf seines Büros: "Das Gebäude sollte nach außen offen und freundlich sein." Nicht zuletzt bilde es aus städtebaulicher Sicht den "Kopfbau" eines Platzes. Dem müsse man Rechnung tragen. Da der Neubau als reines Bürogebäude genutzt werde, sei es als "Stapelung von Zellenbüros" konzipiert. Das sei auch der Grund, warum das Erdgeschoss nicht klar als Sockelgeschoss abgesetzt und die Fassade durch Fenster so klar strukturiert sei. Zumal der "Öffnungsanteil" durch die Fenster mit 50 Prozent "nicht so viel" sei, wie es offenbar erscheine, sagte Jaspert. Diese seien in allen Büros zu öffnen, "was bei den Mitarbeitern erfahrungsgemäß zu einer sehr hohen Akzeptanz führt". Auch habe sein Büro keine Lüftungsanlage eingeplant, weil dies in dem "hoch-wärmegedämmten Haus" schlicht nicht nötig sei. Das sei ein "Low-Tech-Gebäude", das technisch verhältnismäßig einfach gehalten sei. Jaspert betonte, dass die - viel kritisierte - Fassade durchaus veränderbar sei: "Alles ist möglich".

Bis zur Kreistagssitzung am 11. April will sein Büro neue Vorschläge vorlegen. In seiner Sitzung hat der Kreistag auch Aufträge für die weitere Fachplanung des Neubaus vergeben, unter anderem für die Haus- und die Elektrotechnik - insgesamt 950 000 Euro - sowie die Projektsteuerung für 240 000 Euro. Ebenfalls vergeben wurden die Abbrucharbeiten für das Sparkassengebäude. Kosten: 190 000 Euro. Die Arbeiten beginnen demnächst: Im April wird das Gebäude entkernt, bereits im Mai wird es, bis auf die zwei Untergeschosse, abgetragen. Dann ist Platz: Mit dem Neubau wird kommendes Jahr begonnen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neunjährige Laila ist wieder bei ihrer Familie

Nach eineinhalb Jahren ist die neunjährige Laila endlich bei ihrer Familie. Das Kind war während der Flucht aus dem Irak verschwunden. weiter lesen