Turbinen heulen auf, der Jet hebt ab

Das Airlinertreffen auf dem Flugplatz in Oppingen lockte am Wochenende Besuchermassen zu der europaweit einmaligen Veranstaltung mit originalgetreuen motor- und turbinengetriebenen Großmodellen.

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Die Strahltriebwerke haben gezündet. Unter einem zischenden Geräusch rollt die McDonnell Douglas MD-11 der holländischen KLM Royal Dutch Airlines auf die Startbahn. Dann das Signal: "Ready for Take Off." Die Turbinen heulen auf, behäbig setzt sich der Airliner in Bewegung. Nach wenigen Metern hebt der blau-weiße, dreistrahlige Passagierjet ab. Im Steigflug gehts steil nach oben. Und das auf dem Flugplatz in Oppingen?

Bei diesen Airlinern handelt es sich um Modellflugzeuge - aber um solche mit schon wieder gewaltigen Ausmaßen. Und sie sind den Originalen täuschend echt nachgebaut. Nach ein paar Flugplatzrunden bringt der Pilot das aus Balsaholz und Styropor bestehende, 20 Kilogramm schwere Flugzeug wieder sicher zurück auf die grüne Wiese.

Normalerweise starten auf dem Flugplatz in Oppingen Segel- und kleinere Motorflugzeuge. Doch am Wochenende gehörte das Fluggelände der Elite der Großmodell-Besitzer. 30 Piloten aus der Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland kamen, um ihre bis zu 100 Kilogramm schweren und zum Teil weit über 10 000 Euro teuren Modelle vor großem Publikum zu präsentieren. Zwischendurch gabs Showflugprogramme, hier hatten Hubschrauber, Segler, Jets und Kunstflugmodelle ihren luftigen Auftritt.

Wie Mitorganisator Adi Pitz sagt, der bereits vor zwei Jahren mit seinem Team vom MSV Langenau und der Fliegergruppe Giengen das erste Airlinertreffen in Oppingen auf die Beine gestellt hat, sind die Modellbauer eine verschworene Gemeinschaft und man kennt sich. Deshalb sei es kein Problem gewesen, genügend Teilnehmer zu finden, die ihre handgemachten, fliegenden Kunstwerke vorführen.

Nahezu alle Großmodelle sind in eigener Regie entstanden. Es gibt keine Bausätze, nur Konstruktionspläne als Anhaltspunkte. Manchen Exoten der Luftfahrt gibt es nur noch als Modell, weil die Originale längst auf dem Schrottplatz gelandet sind. Dazu gehört die Handley Page 42, ein englischer Doppeldecker aus Metall, von dem nur acht Exemplare Ende der 20er Jahre gebaut wurden. Mit vier Sternmotoren und einer Spannweite von 40 Metern bot er über 20 Passagieren Platz. Ein originalgetreues Modell mit vier Metern Spannweite, in zweijähriger Bauzeit entstanden, drehte nun unter dem Applaus der Gäste am wolkenlosen Himmel über dem Fluggelände seine Runden.

Beim Streifzug durch die Geschichte der zivilen Luftfahrt präsentierten sich in Oppingen auch zwei viermotorige Super Constellation der Firma Lockheed im Maßstab 1:10. Die Super Constellation war das erste Langstreckenflugzeug in den 50er Jahren und mit vier Kolbenmotoren ausgestattet.

Es folgte das Zeitalter der Düsenjets, von denen in Oppingen alles vertreten war, was Rang und Namen hat. Das legendäre Überschallpassagierflugzeug Concorde, das in nur drei Stunden den Atlantik überquerte und am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start vom Flughafen Paris-Charles de Gaulle verunglückte, hob als Modell ebenso ab, wie ein originalgetreuer Nachbau der vierstrahligen A 340-300 des europäischen Herstellers Airbus, die mit vier Metern Länge und einer Spannweite von 3,77 Metern 15-mal kleiner ist als das Original. Das Modell wird im Gegensatz zum großen Bruder nur mit zwei Turbinen mit jeweils zwölf Kilogramm Schubkraft angetrieben, die in zehn Minuten fünf Liter Kerosin schlucken.

Ein noch im Bau befindliches Supermodell präsentierte sich im Hangar: Eine Boeing 747 mit 5,50 Metern Länge und einer Spannweite von 4,95 Metern. Sie bringt nach der Fertigstellung im nächsten Jahr 70 Kilogramm auf die Waage. Aufgrund des Gewichts braucht der Großraumjet im Miniformat für seinen Jungfernflug eine behördliche Zulassung wie normale Flugzeuge; und der Pilot am Boden muss seine Befähigung zum Fliegen des Modells durch einen amtlichen Modellpilotenschein unter Beweis stellen.

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