Mit dem Motorrad an den Polarkreis

Drei Freunde aus Kuchen und Treffelhausen fahren seit 20 Jahren gemeinsam in den Norden: Es sind Reisen ohne Nasszellen und sonstigem Komfort.

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  • Ralf Zimmat, Charly Konrad und Alfred Wolf (von links) studieren die Landkarte und machen sich mit dem Streckenverlauf ihrer Skandinavien-Reise vertraut. 1/2
    Ralf Zimmat, Charly Konrad und Alfred Wolf (von links) studieren die Landkarte und machen sich mit dem Streckenverlauf ihrer Skandinavien-Reise vertraut. Foto: 
  • Am Samstag sind die drei Freunde aus Kuchen und Treffelhausen mit ihren Reiseenduros nach Skandinavien aufgebrochen. 2/2
    Am Samstag sind die drei Freunde aus Kuchen und Treffelhausen mit ihren Reiseenduros nach Skandinavien aufgebrochen. Foto: 
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Die drei Abenteurer Ralf Zimmat (51 Jahre), Charly Konrad (52) und Alfred Wolf (48) sind mal wieder auf Tour. Seit 20 Jahren reisen die Freunde, die aus Kuchen und Treffelhausen kommen, einmal im Jahr auf ihren Motorrädern ins Abenteuer – meist nach Skandinavien.  Sie waren aber auch schon in Schottland und auf dem Balkan. Am vergangenen Samstag sind sie wieder gestartet – zu einer dreiwöchigen Reise ohne Luxus nach Skandinavien.

Die Vorbereitungen beginnen bereits drei Monate vor Abfahrt. Neben der gewöhnlichen Route wird zudem auch jedes Jahr eine Alternativstrecke geplant. Diese wird dann gefahren, wenn das Wetter sich von seiner schlechten Seite zeigt und ein dauerhaftes Tief vorliegt. „Dieses Jahr liegt unser Fokus auf dem Polarkreis und Lappland“, erzählt Ralf Zimmat. Er plant jedes Jahr die Routen, da er sich in dieser Gegend sehr gut auskennt. Bereits vor 30 Jahren hat er schon Touren in diesem Gebiet unternommen. Da er seinen Freunde begeistert von diesen faszinierenden Touren in der schönen, ruhigen Landschaft berichtete, waren auch diese schnell Feuer und Flamme.

Im Jahr 1997 machten sie sich erstmals – damals noch mit Harleys und großen Tourenmaschinen – auf die gemeinsame Fahrt. Nach dieser besonderen Art den Urlaub zu verbringen, waren sie sich einig, dass sie das im nächsten Jahr wiederholen müssen. Bis jetzt gab es 20 Wiederholungen. Mittlerweile haben die Freunde ihre Fahrzeuge aber der Route angepasst. „Da wir gerne auf Schotterpisten fahren, brauchen wir andere Fahrzeuge. Und zwar solche, die einerseits geländetauglich sind, andererseits auch schnelle Etappen bewältigen können. Deshalb fahren wir auf diesen Strecken alle vergleichbare Reiseenduros“, erklärt Konrad. Bei der Vorbereitung auf eine solche Reise muss man auf einiges achten. Zum einen muss das Motorrad im Topzustand sein. Für den Fall, dass vor Ort dann doch mal ein technisches Problem auftritt, packen die Motorradliebhaber einiges an Werkzeug und Ersatzteilen ein. Außerdem müssen im Gepäck einige Dinge für die Allgemeinheit Platz finden. Dazu gehören ein Grill, eine Plane, Kocher und Soundboxen. Zudem nimmt jeder ein eigenes Zelt mit feingliedrigem Moskitonetz mit, da besagte Moskitos in diesen Gegenden sehr aggressiv sein können. Wenn all dies verstaut ist, bleibt der verbliebene Platz für persönliches Gepäck, wie Kleidung und Hygieneartikel. „Deshalb bietet unsere Reise wenig Komfort und ist somit auch kein Wellnessurlaub“, sagt Wolf. „Wir übernachten nur sehr selten auf Campingplätzen, sondern betreiben Wildcamping. Es gibt also keine Toiletten und Nasszellen.“

Ein Tagesablauf sieht folgendermaßen aus: Gegen 9 Uhr werden die Zelte zusammengepackt und es geht sofort aufs Motorrad. Für ein Frühstück bleibt da keine Zeit. Trotzdem lassen die Freunde es sich nicht nehmen, auf der Strecke mal einen  Kaffee zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Den restlichen Tag verbringen die Freunde dann meist auf dem Motorrad. Zwischendurch werden  Pausen eingelegt, um die Aussicht zu genießen oder – selten –  auch mal eine Touristen-Attraktionen zu besichtigen. Größere Städte meiden die drei.  Zudem ist es wichtig, einmal am Tag Lebensmittel für das Abendessen zu kaufen. Je nördlicher man sich befindet, umso geringer sind die Einkaufsmöglichkeiten. Für Engpässe ist immer eine große Portion Spaghetti, Öl und Knoblauch vorhanden. Eine Tagesetappe ist je nach Streckenbeschaffenheit und Wetter zwischen 400 bis 600 Kilometer lang.

Geschlafen wird im Zelt

Gegen abends schauen sie sich dann nach einem geeigneten Platz zum Zelten um. Nur in Ausnahmefällen mieten sich die Motorradfahrer eine Campingplatz-Hütte – etwa bei starkem Gewitter. Alfred Wolf: „Einmal mussten wir für eine Nacht eine Hütte mieten, da es schon eine ganze Woche durchgehend stark geregnet hat und wir unsere Kleidung und unsere Schlafutensilien mal wieder trocknen mussten.“

Bisher gab es auf den Routen nur  kleine Stürze – mit einer Ausnahme. „Nur einmal mussten wir einen schlimmeren Unfall miterleben“, berichtet Konrad. Ein gemeinsamer Freund, der sich den drei Bikern angeschlossen hat, hat sich bei einem Sturz in einer Kurve einen komplizierten Schlüsselbeinbruch zugezogen. Dieser ereignete sich auf dem „Snovegen“, einer Straße, die sich oberhalb des längsten befahrbaren Tunnels weltweit befindet. Der Verletzte musste als Sozius zu einem Provinzkrankenhaus transportiert werden. Dort fand die Erstversorgung statt. Anschließend musste er mit einem Bus nach Oslo fahren und von dort aus zurück nach Deutschland fliegen. Erst in Deutschland konnte er dann operiert werden. Sein Motorrad kam einige Wochen später ebenfalls nach Deutschland. Aufgrund dieses Unfalls musste erstmals die Reise umgeplant werden, da die Versorgung des Freundes das ganze Team zwei Tage kostete.

Vor allem die Gemeinschaft schätzen die Freunde bei diesen Touren sehr. Während der Tour werden alle anfallenden Kosten aus einer gemeinsamen Kasse beglichen. Dafür bekommt einer der Teilnehmer den Job des „Finanzministers“. Am Ende der Tour werden dann alle Kosten zusammengerechnet und jeder zahlt einen gleich großen Anteil.

Während dem Urlaub entstehen viele Fotos und Filme, die mit einer Action-Kamera direkt während der Fahrt und einer normalen Kamera am Abend und in den Pausen aufgenommen werden. Aus diesen Videos schneiden die Freunde dann einen Film in Spielfilmlänge zusammen, der dann am Ende des Jahres im Clubhaus der Geislinger Motorradfreunde intern vorgeführt wird.

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