Mit dem alten Traumauto ans Nordkap

Zwei Freunde aus Kuchen starten im Juni zu einer Rallye in Europas äußersten Norden. Während ihres großen Abenteuers sammeln sie Spenden für den MPS-Verein.

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  • Der Motor des 28 Jahre alten VW wird während der 14-tägigen Rallye durch Nordeuropa auf eine harte Probe gestellt:  Für den Notfall haben sich Steffen Reichart (rechts) und Rainer Rapp eine kurze Alternativroute zurechtgelegt.  1/2
    Der Motor des 28 Jahre alten VW wird während der 14-tägigen Rallye durch Nordeuropa auf eine harte Probe gestellt:  Für den Notfall haben sich Steffen Reichart (rechts) und Rainer Rapp eine kurze Alternativroute zurechtgelegt. Foto: 
  • Das Rallye-Auto war 20 Jahre lang im Forstbetrieb im Einsatz: Für ihre große Reise haben die Kuchener den VW ordentlich aufgerüstet. 2/2
    Das Rallye-Auto war 20 Jahre lang im Forstbetrieb im Einsatz: Für ihre große Reise haben die Kuchener den VW ordentlich aufgerüstet. Foto: 
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Mit einem alten VW T3 Synchro  Baujahr 1989  in nur 16 Tagen durch zehn Länder bis zum Nordkap und wieder zurück: Für die meisten hört sich das nach einer großen Herausforderung an. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man dabei keine Navigationssysteme benutzen darf. Die Jugendfreunde Steffen Reichart und Rainer Rapp – beide 38 Jahre alt – stellen sich diesem Abenteuer. Die beiden gebürtigen Kuchener kennen sich schon lange und haben sich vorgenommen, noch bevor sie „gescheit“ werden – als Schwabe üblicherweise mit 40 –  sich einem solchen Abenteuer zu stellen. Da kam ihnen die Baltic Sea Circle Rallye 2017 (siehe Infokasten) gerade recht.

Die Idee entstand vor etwa drei Jahren, als sich die Freunde zu einem Männerabend in einer Bar getroffen hatten. Rainer Rapp hatte kurz zuvor in einer Fernsehsendung von der Aktion gehört und war sofort begeistert. Sein Freund Steffen Reichart ließ sich schnell anstecken und so begannen sie noch am selben Abend mit der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug. „Zuerst haben wir uns nach einem Polo umgeschaut, aber letzten Endes haben wir uns dann für einen VW T3 entschieden, da es sich dabei um einen Jugendtraum von mir handelt und ich das Auto auch noch nach dem Projekt privat nutzen werde“, so Reichart.

Der Zustand des Wagens war bisher vermutlich die größte Herausforderung für die beiden. Das Auto war zirka 20 Jahre lang im Forstbetrieb im Einsatz und in einem sehr schlechten Zustand. Die letzten zwei Jahre, bevor sie es erworben hatten, war es nicht einmal mehr im Betrieb und besaß demnach auch keinen TÜV. Da das vorgegebene Budget jedoch so gering war, mussten die beiden sich für ein Fahrzeug entscheiden, an dem noch viel repariert werden musste. Es waren Schweiß- und Lackierarbeiten sowie der Austausch einiger Teile am Fahrwerk und Motor notwendig. Im Nachhinein betrachtet nahm die Arbeit am Auto mehr Zeit und Geld in Anspruch als zuvor erwartet wurde.

„Eigentlich wollten wir im letzten Jahr schon an der Rallye teilnehmen, aber das wäre dann doch zu kurzfristig gewesen“, so Rainer Rapp. „Das Auto wäre zwar theoretisch im Mai letzten Jahres soweit restauriert gewesen, dass es für die Tour bereit gewesen wäre. Aber mit der Routenplanung, der Spendensammlung und anderen Vorbereitungen wäre es dann doch sehr knapp geworden.“

Seitdem haben die beiden trotzdem noch einiges am VW-Bus gearbeitet, damit das Fahrzeug nicht nur zur Fortbewegung dient, sondern auch einen gewissen Komfort bietet. Jetzt müssen nur noch die Bremsen und Sitze erneuert, der Auspuff  überprüft und die Innenverkleidung des Autos überarbeitet werden. Außerdem müssen die Globetrotter noch ein Dachzelt organisieren, in dem die beiden während der Reise übernachten können.

Am 17. Juni geht die zweiwöchige Fahrt ins Abenteuer los. Doch im Moment sind Reichart und Rapp noch mit der Routenplanung beschäftigt. Der Start in Hamburg steht bereits fest.  Ob es danach über Kiel oder Fehmarn nach Norwegen geht ist noch nicht sicher. Notfalls würde nichts anderes übrig bleiben als quer durch Dänemark zu fahren. Dort angekommen, geht es dann über Norwegen und Schweden zum Nordkap. Zurück verläuft die Reise  vermutlich durch Finnland bis nach Sankt Petersburg  und von dort aus über Estland, Lettland und Litauen und Polen zurück nach Hamburg. „Wo wir die Route frei gestalten dürfen und uns an keine Eckpunkte halten müssen,  steuern wir natürlich Gegenden an, die uns kulturell interessieren – für uns ist es ja auch ein Urlaub“, sagt Steffen Reichart.

Für den Fall, dass es in einem der Länder Verständigungsschwierigkeiten geben sollte, fertigen Reichart und Rapp eine Liste mit Freunden an, die die jeweilige Landessprache sprechen und notfalls telefonisch erreichbar wären, um schwierige Sachverhalte zu klären und zu vermitteln. Falls das Auto Probleme macht, legen sie sich eine möglichst kurze Alternativstrecke bereit.

Da es nur noch wenige Monate bis zur Abfahrt sind, steigt die Vorfreude von Rapp und Reichart von Tag zu Tag. „Wir haben früher ab und zu Segeltouren unternommen und irgendeine Kleinigkeit ging immer schief, deswegen befürchte ich, dass auch auf dieser Tour eine ungeplante Herausforderung auf uns zukommen könnte. Wir sind aber optimistisch, auch diese zu meistern.“, ergänzt Rapp freudig.

Info Wer die Freunde mit  einer Geldspende für den MPS-Verein oder eine Sachspende für die Fahrt unterstützen möchte, darf gerne  mit ihnen in Kontakt treten, per Email (dokacabana@gmail.com) oder über Facebook (https://www.facebook.com/Dokacabana).

Vorgaben Man kann sich nur mit einem Auto qualifizieren, das mindestens 20 Jahre alt ist und nicht mehr als 2500 Euro gekostet hat, aber kein Wohnmobil ist. Man fährt eine selbstgewählte Strecke von Hamburg aus über Norwegen zum Nordkap und über Russland zurück nach Hamburg. Es gibt einige Länder und Städte, an die man sich bei der Routenplanung halten muss, die restliche Route ist frei wählbar. Aber die Autobahn ist tabu.

Spenden Jedes Team muss mindestens 750 Euro an Spenden sammeln, dabei geht die Hälfte an den Veranstalter, der diesen Betrag an eine gemeinnützige Organisation weiterleitet. Der Rest der gesammelten Spenden fließt vollständig an einen guten Zweck, den das jeweilige Team aussucht.

MPS-Verein Steffen Reichart und Rainer Rapp haben sich für den lokalen Förderverein für die Gesellschaft für Mukopolysaccharidosen  (MPS) entschieden.  Die Kosten, die bei der Aktion anfallen, tragen die Teilnehmer vollständig aus eigener Kasse. „Dass es sich dabei um keine kleine Summe handelt, war uns von Anfang an klar“, sagt Rainer Rapp. „Aber uns geht es dabei um das Abenteuer und auch darum, den MPS-Verein bekannter zu machen.“

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