In einer losen Serie werden Exponate der Ausstellung „Die Zerstörung der Hiltenburg“ vorgestellt

Gab’s auf der Hiltenburg früher schon Brezeln zum Essen? Zumindest eine Bäckerei war da. In einer Ausstellung sind Exponate aus dem Burgalltag zu sehen.

|

Zwischen 2005 und 2012 wurden die Mauern der Hiltenburg bei Bad Ditzenbach renoviert. In dieser Zeit führte die Kreisarchäologie Göppingen zahlreiche Untersuchungen im Burgareal durch. Im Bereich der ehemaligen Vorburg wurde nahe des Haupteingangs der Grundriss eines kleinen Gebäudes freigelegt. Es schloss direkt an die Begrenzungsmauer des mittelalterlichen Wehrgrabens an. Das Erdgeschoss bestand aus zwei Räumen mit einem Durchgang. Die noch gut erhaltenen Fußböden bestanden aus quadratischen Tonfliesen. In einem der Räume waren interessante Details erhalten, die uns Hinweise zu deren Funktion geben. Die zum Wehrgraben ausgerichtete Mauer hatte man mit einem breiten Rauchabzug versehen. An die Trennwand zum Nachbarraum schloss sich ein rechteckiges Steinfundament an. Schon bei der Freilegung lag der Verdacht nahe, dass es sich bei diesem Sockel um den Unterbau für einen Backofen handeln könnte.

Eine inzwischen neu entdeckte Urkunde vom 23. April 1441 bestätigte diese Vermutung. In der Teilungsurkunde wurde die Hiltenburg unter den drei Grafenbrüdern Ulrich, Friedrich und Ludwig von Helfenstein aufgeteilt. Wir erfahren, dass die alte Burganlage zu dieser Zeit grundlegend umgestaltet wurde. Die alte Kernburg wurde zum „Hinteren Schloss“. Hier residierte Graf Ulrich. In der ehemaligen Vorburg entstand das „Vordere Schloss“. Dieses teilten sich die Grafen Friedrich und Ludwig. Zur Wohnstatt des Grafen Friedrich gehörte „das vorderst Huß und och der vorder Turm“. Graf Ludwig erhielt das „groß alt Huß“. Spannend für die Interpretation des freigelegten Gebäudes ist aber eine weitere Passage in der Urkunde. Dort ist nämlich noch vermerkt, dass sich die beiden Brüder im „Vorderen Schloss“ ein Gebäude teilen sollen, in dessen Erdgeschoss die „Pfistrey“, also die Burgbäckerei untergebracht war. Es wird erwähnt dass dort die „Pfister in der undren Stuben und in dem undren Gemache“ arbeiten. Somit haben wir die Bestätigung, dass die Bäcker zwei Räume zu ihrer Verfügung hatten. Darüber hinaus gibt die Schriftquelle sogar noch Auskunft über die Nutzung des Obergeschosses. Hier befand sich das Quartier der Torwachen der Hiltenburg.

Die Burgbäckerei versorgte die gräflichen Haushalte, das Gesinde und die militärische Besatzung mit Backwaren. Im Alltag wurde auf der Hiltenburg einfaches Brot aus Dinkelmehl gebacken. Ob man den Burgherren auch Brezeln kredenzte, entzieht sich unserer Kenntnis. Im 12. Jahrhundert wurde erstmals im Elsass eine Brezel bildlich dargestellt. In mittelalterlichen Quellen tauchen verschiedentlich die Bezeichnungen „Brezza“, „Brezta“ oder „Brezin“ auf. Die älteste Brezel der Welt stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde von Archäologen in Regensburg zusammen mit verkohlten Semmeln und Hörnchen gefunden.

Info In loser Folge veröffentlichen wir an dieser Stelle „Appetithäppchen“ aus der Ausstellung „Wutherey – Die Zerstörung der Hiltenburg 1516“, die zurzeit im Haus des Gastes in Bad Ditzenbach zu sehen ist.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Sonnwendfeuer: Jung und Alt schichten neue Holzpyramide auf

Die Hilfsbereitschaft ist groß in Reichenbach und darüber hinaus: Seit Dienstagabend steht wieder eine Holzpyramide auf dem Hexensattel. weiter lesen