Höchstrafe im Donzdorfer Mordprozess

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Spurensicherung am Tag der Tat vor der Metzgerei in Donzdorf.   Foto: 

Die Urteilsverkündung nimmt der 37-jährige Angeklagte mit gesenktem Blick und ohne emotionale Regung auf. Nach monatelangem Psychoterror, Drohungen sowie körperlicher Gewalt gegen seine 13 Jahre jüngere Ex-Freundin eskalierte das Beziehungsdrama im April in einer Donzdorfer Metzgerei: Vor den drei gemeinsamen Kindern erstach er das Opfer mit 21 Messerstichen und  mit „unbedingtem Tötungswillen“, resümierte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan bei der gestrigen Urteilsverkündung.

Die oberste Strafkammer des Landgerichts Ulm folgte in ihrem Urteil dem Plädoyer des Staatsanwaltes sowie der Nebenkläger und verurteilte den Mann zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes in Tateinheit mit Schwangerschaftsabbruch. Ein Freikommen nach 15 Jahren ist ausgeschlossen  – denn die Strafkammer stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Der Angeklagte habe sich laut Gugenhan als „Herr über Leben und Tod“ aufgeworfen und nicht ertragen, dass sich seine Ex-Partnerin einem neuen Mann zugewandt hatte und von diesem in der 13. Woche schwanger war. Die Tötung des ungeborenen Lebens habe er mindestens billigend in Kauf genommen. Die Pflichtverteidigerin des Angeklagten hatte auf Totschlag plädiert und zwölf Jahre Haft gefordert. Gugenhan berief sich in der Urteilsverkündung auch darauf, „wie vielen Menschen der Angeklagte Leid zugefügt hat. Allen voran den drei gemeinsamen Kindern, die traumatisiert davon sind, die Tötung ihrer Mutter miterlebt zu haben.“ Die drei, fünf und sechs Jahre alten Söhne sind in einem Pflegeheim untergebracht und werden psychologisch betreut.

Nach der Verhandlung liegen sich Familie und Freunde des Opfers in den Armen. Der Vater der Getöteten, der sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen hat, könne nach dem Urteil möglicherweise Ruhe finden, berichtet dessen Anwalt Rüdiger Holthausen. „Er hatte zwei Erwartungen: Erstens die Aufklärung über den Hintergrund der Tat und zweitens eine gerechte Strafe. Beide sind erfüllt.“

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Prozess im Mordfall Donzdorf

Geschockt blickten die Menschen im Landkreis Göppingen im April nach Donzdorf, als eine Frau in einer Metzgerei brutal niedergestochen wurde. Derzeit läuft der Prozess am Ulmer Landgericht.

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