Einmal Mittelalter und zurück

Hoch hinauf zur Hiltenburg geht es in der letzten Folge der GZ-Serie "Grillplatz-Check". Die Ruine ist ein Musterbeispiel für die sanfte Bestandssicherung solcher Anlagen - und ein perfektes Ausflugsziel.

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    An historischem Ort: Der Grillplatz auf der Hiltenburg. Foto: Markus Sontheimer
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Allmählich werden die Tage rar, die sich zu einem Grillausflug nutzen lassen. Darum endet mit der heutigen Folge die GZ-Serie "Grillplatz-Check". Die letzte Station ist aber noch einmal ein echtes Highlight, es geht zur Hiltenburg hoch über Bad Ditzenbach. Allein schon die Grillstelle ist ein außergewöhnlicher Ort: Sie liegt in einer Mulde, die früher Teil des Grabens war, der die südwestliche Vor- von der nordöstlichen Hauptburg getrennt hatte. Man steigt also im wahrsten Wortsinne hinab in die Vergangenheit der Hiltenburg, die nachweislich schon im 10. Jahrhundert als Höhenburg bestand.

Die Anlage selbst hat in den vergangenen Jahren gewaltig ihr Gesicht verändert. 2005 begann dort eine umfangreiche Sanierung - in Form einer "sanften Bestandssicherung", wie Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher erläutert: "Dabei wird bewusst auf Rekonstruktionen verzichtet, es soll vielmehr der historische Ist-Zustand erhalten werden. Wir haben sozusagen den Schlossberg als Natur- und die Hiltenburg als Kulturdenkmal."

Bei der Sanierung wurden unter anderem drei verschüttete Gewölbekeller freigelegt und begehbar gemacht, "zum Restaurieren wurden Mörtelmischungen verwendet, die dem originalen Mörtel sehr nahe kommen", erkärt Rademacher, "Beton ist dafür untauglich, weil so das Wasser nicht mehr aus dem Mauerwerk raus kann, es kommt dann zu Frostsprengungen." Außerdem ist seit 2011 im Bergfried der ehemaligen Vorburg eine Dauerausstellung zur Geschichte der Hiltenburg eingerichtet (vom 1. April bis 31. Oktober an Sonntagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet), dort zu sehen ist auch eine Rekonstruktion eines Kachelofens aus dem 13. Jahrhundert.

Mit ihren zwei Bergfrieden - der ältere steht in der Hauptburg, dort befindet sich eine Aussichtsplattform mit grandiosem Ausblick ins Filstal - ist die Hiltenburg übrigens eine Besonderheit: "Ende des 13. Jahrhunderts kam die Burg in helfensteinischen Besitz, ab Ende des 14. Jahrhunderts war sie Hauptresidenz der Grafen", sagt Rademacher, "durch eine Urkunde aus dem Jahr 1441 wissen wir, dass die Burg zwischen drei gräflichen Familien aufgeteilt wurde. In der Teilungsurkunde ist der zweite, jüngere Bergfried bereits erwähnt. Wir vermuten, dass er errichtet wurde, als die Vor- zur Wohnburg ausgebaut wurde."

Zuletzt legten die Archäologen die Reste zweier Vorwerke frei, errichtet im 14. Jahrhundert im Zuge des Ausbaus der Wehranlage mit einer Zwingermauer, einem vorgelagerten Verteidigungsring. "Damals kamen die Feuerwaffen auf, die Burgen mussten verstärkt werden", erklärt Rademacher. Was die Hiltenburg dennoch nicht vor der Zerstörung bewahrte: 1516 ließ sie Herzog Ulrich von Württemberg plündern und niederbrennen, nachdem sie kampflos in seine Hände gefallen war. Für die Helfensteiner war der Wiederaufbau zu teuer, sie verlegten ihre Residenz nach Wiesensteig.

Derzeit laufen an den Resten der nordöstlichen Ringmauer noch Konservierungsarbeiten. Der Schutt unterhalb wie überhaupt der gesamten Anlage, erwies sich dabei als wahre archäologische Fundgrube: Von Tafelgeschirr über Werkzeuge bis hin zu Teilen von Rüstungen und Armbrustbolzen sowie Tierknochen war alles da, was Rückschlüsse auf das Leben auf der Hiltenburg gibt.

Viel Historie, doch für Serien-Juror Daniel Moldaschel von den Geislinger Grillfreunden macht das die Hiltenburg "erst recht spannend. Hier ist Geschichte wirklich erlebbar. Ganz nebenbei ist der Grillplatz erste Sahne. Schwenkbarer Rost, Sitzgelegenheiten auch mit Tisch, das ist einfach perfekt."

Für einen Ausflug zur Hiltenburg bietet sich übrigens eine Gruppenführung an, die bei der Gemeinde Bad Ditzenbach gebucht werden kann (Infos unter www.badditzenbach.de). Rademacher: "Bislang war dafür die Kreisarchäologie zuständig. Im Winterhalbjahr werden nun Guides ausgebildet, weil die Nachfrage immer mehr steigt. Aber das ist ja eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit."

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