Börtlinger findet in Uganda seine Herzensaufgabe

„Leben und Arbeiten in Uganda/Kenia“. Der Börtlinger Jonas Wallisser engagiert sich für Jugendliche aus den Slums, organisiert Fußballturniere und kümmert sich um Startups.

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    Jonas Wallisser (26) und Rhiter „Rita“(29) haben letzten Herbst in Deutschland und in diesem Frühjahr in Uganda geheiratet. Foto: 
  • Rhiter „Rita“(29) und Jonas Wallisser (26) (linkes Bild) haben letzten Herbst in Deutschland und in diesem Frühjahr in Uganda geheiratet. Beim Turnier in Uganda freut sich die Mannschaft über den Pokal (rechtes Bild). 2/3
    Rhiter „Rita“(29) und Jonas Wallisser (26) (linkes Bild) haben letzten Herbst in Deutschland und in diesem Frühjahr in Uganda geheiratet. Beim Turnier in Uganda freut sich die Mannschaft über den Pokal (rechtes Bild). Foto: 
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Zwei Monate Heimaturlaub. Endlich wieder Familie und Freunde treffen, mit seiner Frau Rhiter „Rita“ mit Glück einen Schneemann bauen und reden. Und zu berichten hat Jonas Walliser auf seiner kleinen Vortrags-Tour jede Menge, der Start ist am kommenden Donnerstag in Heiningen. Land und Leute aus Uganda oder Kenia kennt der studierte Berufs- und Technikpädagoge schon lange. Gleich nach seinem Abitur 2010 an der Gewerblichen Schule zog es ihn als „Volunteer“ einer Hilfsorganisation nach Afrika, er sei gleichermaßen fasziniert und geschockt gewesen, berichtet er heute.

In der relativ kleinen Republik Uganda leben etwa 35 Millionen Einwohner. „Das Durchschnittsalter liegt bei 16 Jahren, es gibt unglaublich viele Kinder und Jugendliche“, erzählt er und ergänzt: „Meistens sind es die Mütter, die ihre Kinder durchbringen. Bei etwa 50 bis 60 Prozent der Familien gibt es keinen Vater, der ist abgehauen oder gestorben“.

Zahlreiche Kinder benötigen eine Schulpatenschaft, um das Schulgeld zu bezahlen. Am Anfang unterwegs mit einer ugandischen Sozialarbeiterin, wurde ihm schnell klar, die Heranwachsenden sind dankbar, wenn sie lernen dürfen. Auch die Jugendarbeitslosigkeit sei hoch, sie liege bei 60 bis 70 Prozent, weiß Jonas Walliser.

Dadurch werden viele kriminell. Haben es manche tatsächlich geschafft zu studieren, finden sie keine Arbeit, sind frustriert. „Die Regierung macht zu wenig, viele Studenten springen bewusst vom Regierungsgebäude in den Tod.“

Einsätze in den Semesterferien

All das ließ ihn nicht los. Nach einem halben Jahr war kein Geld mehr da. Der sozial engagierte Börtlinger jobbte zu Hause und machte dann in einem Heim, in dem 60 Kinder, vom Baby bis zum Teenager lebten, als „Mädchen für alles“ in Uganda weiter.

Anschließend studierte er, nutzte aber sämtliche Semesterferien für weitere Einsätze. Einer davon führte ihn zur Dürrekatastrophe nach Kenia, wo in all dem Elend die Idee geboren wurde. Bei 40 Grad kamen er und ein Kenianer auf Fußball, der Schwabe kickte früher als linker Verteidiger in Birenbach. „Könnte man da nicht was für Slumkinder in Nairobi machen?“, fragte sich Walliser. Gesagt, getan. Schon das erste Fußballturnier begeisterte gleichwohl die Spieler, als auch die Gäste: „Bisweilen sind es Hunderte die zuschauen“, freut sich der 26-Jährige und versichert: „Bei jedem Turnier werden es mehr“.

Durch den Sport lernen die Kinder und Jugendlichen, darunter sind auch einige Mädchen, Werte wie Disziplin, Fairness, Respekt sowie Toleranz und Solidarität – quasi spielerisch auf dem Fußballfeld. „Natürlich haben wir auch gelbe und rote Karten“, verrät Jonas Walliser schmunzelnd. Für die Teams sorgt der lokale Fußballverband, das ganze Drumherum wird von dem Deutschen organisiert. Mal sind es aus Rohren zusammengeschweißte Tore, Netze, Pokale oder das runde „Leder“, aber auch das technische Equipment wie Lautsprecher und Generator müssen gemietet und Schiedsrichter angeheuert werden. Anfangs spielten sie mit Bällen aus mehrfach zusammengelegten Plastiktüten. Durch den Pastor Dirk Glaser kam er im Herbst 2015 zur Hilfsorganisation „Volksmission Weltmission“, eine christliche Organisation, die Menschen in der Not unterstützt, weltweit hilft, Gemeinden zu bauen und sich in diakonischen und sozialen Aufgaben engagiert. Die Finanzen werden durch das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz kontrolliert. Ganz besonders wichtig ist es dem Schwaben, dass seine Wettbewerbsausschreibung für die beste Geschäftsidee unter den Teams sehr gut ankommt. Als Preis winkt das dafür benötigte Startkapital.

„Ganzheitlich helfen“

Damit wurden bereits ein Friseur- und Waschsalon, eine Hühnerfarm sowie ein kleiner Betrieb zur Ziegelherstellung gegründet, alles Geschäfte, die in Uganda ein Segen sind. „Ganzheitlich helfen ist unser Ziel. Man kann als Fußballer eine Niete sein, aber mit einer guten umsetzbaren Geschäftsidee, kann jeder ganzheitlich helfen“, sagt Jonas Walliser und bestätigt, dass dadurch Vorurteile abgebaut werden und bereits viele Freundschaften entstanden sind. „Wir als Verein unterstützen Jonas Wallisser ganz bewusst, sein soziales Engagement zu präsentieren“, betont Werner Vogl, Vorsitzender des Verwaltungsrates des FC Heiningen.

Info Jonas Wallisser erläutert seine Hilfsprojekte am 16. November um 19 Uhr im Clubhaus des FC Heiningen, Krautgarten 5. Näheres unter Tel. (07161) 51314. Wer ihn unterstützen will: Spendenkonto „Weltmission, BW Bank, IBAN DE88 6005 0101 0002 191254,
Verwendungszweck: AB 190 - Jonas Wallisser“.

Verbund Die (Weltmission) Volksmission ist als Gemeindeverbund ein eingetragener Verein und wird durch einen Vorstand geleitet. Die Ortsgemeinden bilden, als nicht rechtsfähige Vereine eine regionale Untergliederung der Volksmission.

Leitung Diese Orts­gemeinden werden eigenständig durch sogenannte „Älteste“ sowie hauptamtliche ­Pastorinnen und Pastoren geleitet. Die Gemeinden sind außerdem finanziell unabhängig und agieren steuerrechtlich eigenverantwortlich.

Versammlung Dreimal jährlich findet eine Delegiertenversammlung statt, auf der sich die Vertreter der Einzelgemeinden zu verschiedenen aktuellen Themen treffen, um sich auszutauschen und Entscheidungen zu treffen. Dabei auch solche, die die Volksmission als Gesamtverbund be­treffen. 

Regional Pastor Dirk Glaser aus Bietigheim-Bissingen ist Geschäftsführer und Leiter der Weltmission, Pastor Bernhard Röckle aus Geislingen ist Vorstand der Volksmission. ack

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