Ein neues System für den Rettungsdienst im Kreis Göppingen

Das Rettungswesen im Landkreis Göppingen wird bis Jahresende umstrukturiert. Für Notfalleinsätze und Krankentransporte gibt es künftig unterschiedliche Fahrzeuge. Für Patienten ändere sich nichts, versichert das Rote Kreuz.

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  • Die Fahrzeugflotte des DRK-Kreisverbandes Göppingen: vorne der Notarzteinsatzwagen, in der Mitte der neue, kleinere Krankentransportwagen und hinten der große Rettungstransportwagen für Notfalleinsätze. 1/3
    Die Fahrzeugflotte des DRK-Kreisverbandes Göppingen: vorne der Notarzteinsatzwagen, in der Mitte der neue, kleinere Krankentransportwagen und hinten der große Rettungstransportwagen für Notfalleinsätze. Foto: 
  • Geschäftsführer ­Alexander Sparhuber. 2/3
    Geschäftsführer ­Alexander Sparhuber. Foto: 
  • Rettungsdienstleiter Jochen Haible. 3/3
    Rettungsdienstleiter Jochen Haible. Foto: 
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Die weißen Kastenfahrzeuge mit den orange-roten Markierungen kennt im Landkreis Göppingen jeder: Es sind die Einsatzfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes. Bisher hat der DRK-Kreisverband Göppingen sämtliche Wagen als Mehrzweckfahrzeuge genutzt, das heißt, sie waren ebenso beim Transport von Patienten zum Krankenhaus oder Pflegeheim und zurück im Einsatz wie bei der Notfallversorgung von Verletzten und Kranken.

Dieses Mehrzwecksystem ist demnächst Geschichte; für beide Bereiche gibt es eigene Fahrzeuge: Kleinere Krankentransportwagen (KTW) für die meist im Voraus geplanten ­Patientenfahrten sowie Rettungstransportwagen (RTW) für die Notfalleinsätze. Die Fahrzeuge werden seit Januar nach und nach umgestellt, bis zum kommenden Jahr beide Flotten komplett sind.

Der Kreisverband Göppingen war der letzte mit einem Mehrzweckfahrzeugsystem – ein Gutachter hatte dem zuständigen Bereichsausschuss für den Rettungsdienst im Kreis Göppingen 2008 dazu geraten.

Dass jetzt umgestellt wird, war keine freiwillige Entscheidung: Man reagiere damit auf den Personalmangel im Rettungsdienstbereich, erklärt Jochen Haible, der Leiter des Göppinger Rettungsdienstes. Denn es gebe viel zu wenig Rettungsassistenten und Notfallsanitäter, von denen einer zwingend zur Besatzung eines RTW gehören muss. Im Krankentransport reicht die mehrwöchige Ausbildung zum Rettungssanitäter beziehungsweise – beim Fahrer – zum Rettungshelfer.

Zur prekären Lage führte eine Änderung im Rettungsdienst­gesetz des Landes: 2014 löste der Beruf des Notfallsanitäters den des Rettungsassistenten als höchste nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst ab – und die Ausbildung verlängerte sich von zwei auf drei Jahre.

Der Übergang sei „ganz schlecht gemanagt“ worden, kritisiert DRK-Kreisgeschäftsführer Alexander Sparhuber. Statt parallel ausbilden zu lassen, habe man die Ausbildung der Rettungsassistenten „Knall auf Fall“ beendet. Ein ganzer Ausbildungsjahrgang habe einfach gefehlt. Die Lage habe sich durch die mit den Jahren erhöhte Anzahl vorgehaltener Rettungsfahrzeuge zusätzlich verschärft, erklärt er. Der Grund dafür sei der demografische Wandel, aber auch eine gestiegene Sensibilität für Rettungsfristen – und mehr Fahrzeuge bedeuteten mehr Mitarbeiter, so Sparhuber.

Im DRK-Kreisverband hat man nun die Zahl der Ausbildungsplätze verdreifacht: Statt zwei wie noch 2014 werden nun sechs Notfallsanitäter pro Jahr ausgebildet. Mehr sei leider nicht möglich, so Sparhuber, weil ein Teil der Ausbildung am RTW erfolge, „und wir haben nur sieben“. Zudem müssten sich die bereits im Dienst stehenden Rettungsassistenten bis 2020 weiterqualifizieren. Sparhuber kann sich immerhin über eine „enorm hohe Nachfrage“ freuen: „Wir hatten 80 Bewerber auf die sechs Lehrstellen. Durch die Verlängerung der Ausbildung auf drei Jahre ist der Beruf attraktiver geworden, weil damit eine höhere medizinische Kompetenz erworben wird.“

Für den Krankentransport hat der Kreisverband bereits Anfang des Jahres 15 Mitarbeiter angestellt und zu Rettungssanitätern ausgebildet. Weitere 15 Personen ließen sich im Rahmen von Freiwilligendiensten zu Rettungshelfern schulen. Es sei ein „Wahnsinns-Personaldurchlauf“, erklärt Sparhuber. Weil zusätzliche Umkleide- und Sanitärräume nötig wurden, habe man die Rettungswache am Göppinger DRK-Zen­trum ausbauen müssen, ergänzt Jochen Haible.

Für die Menschen im Landkreis Göppingen bedeute die Umstellung des Fahrzeugsystems keinen Unterschied in der Versorgung, betont der Rettungsdienstleiter. Die Zahl der eingesetzten RTW für Notfalleinsätze sei in einem Gutachten so bemessen worden, dass es ausreiche. Das Rote Kreuz wird einen Teil der mit allen notwendigen Geräten ausgestatteten Mehrzweckfahrzeuge weiterhin für die Notfallrettung nutzen; sechs neue KTW habe man bereits angeschafft. Alexander Sparhuber: „Die Zahl der vorgehaltenen Fahrzeuge nimmt zu, ebenso die Zahl der Mitarbeiter – ich gehe davon aus, dass die Kosten steigen werden.“

Standorte Der DRK-­Kreisverband Göppingen übernimmt den größten Teil der rettungsdienstlichen Aufgaben im Kreis; dazu kommen die Johanniter und Malteser:
■ DRK-Rettungswache Göppingen: derzeit zwei RTW im 24-Stunden-­Dienst, ab 1.1.2018: plus ein RTW täglich von 8-20 Uhr; ein Notarzt­einsatzfahrzeug NEF im 24-Stunden-Dienst, ein NEF täglich von 8-18 Uhr
■ DRK-Rettungswache Geislingen: ein RTW im 24-Stunden-Dienst, einer ­Mo-Fr von 8-18 Uhr; ein NEF im 24-Stunden-Dienst
■ DRK-Rettungswache Süßen: zwei RTW im 24-Stunden-Dienst;
seit 1.7. ein NEF im 24-Stunden-­Dienst
■ Malteser in Uhingen: ein RTW im 24-Stunden-Dienst (seit 1.7.), ein weiterer folgt Mo-Fr von 8-17 Uhr
■ Johanniter in ­Reichenbach im Täle:
ein RTW im 24-Stunden-Dienst (seit 1.3.)

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