Neuregelung zur Finanzierung der Tierheime steht

Eine neue Kooperative ohne Göppingen und eine Pro-Kopf-Pauschale: Das sind Kernpunkte der neu geregelten Finanzierung der Tierheime im Kreis Göppingen.

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Blick ins Katzenhaus des Geislinger Tierheims bei Türkheim. Künftig wird sich die Finanzierung für die Aufnahme von Fundtieren durch die Kommunen ändern. Grundlage ist nun eine Pro-Kopf-Regelung, die die alte Pauschale ablöst.  Foto: 

Anderthalb Jahre lang war offen, wie künftig kommunale Mittel für die Aufnahme von Fundtieren an die zuständigen Tierheime im Kreis Göppingen verteilt werden. Nun greift ab Januar eine neue Regelung: Bislang warfen 38 Gemeinden und Städte zehn Prozent ihrer Einnahmen aus der Hundesteuer in einen großen Topf, aus dem dann der Tierschutzverein Göppingen und der Katzenschutz Göppingen-Donzdorf jeweils 45 Prozent sowie der Tierschutzverein Geislingen zehn Prozent erhielten. Nun füllt sich dieser Topf auf Grundlage von Pro-Kopf-­Beiträgen, welche die Gemeinden abführen.

Allerdings ist nicht nur der Modus neu, sondern auch die Zusammensetzung der Partner: Im Juli 2016 hatten die Göppinger, die mehr Geld wollten, die seit 2002 bestehende Kooperation aufgekündigt, um die Finanzierung neu zu regeln. Nun sind sie ihr eigener Herr und wollen einen separaten Vertrag mit der Stadt Göppingen abschließen. Die Zuständigkeit beschränkt sich damit auf das Stadtgebiet, sollten sich nicht weitere Kommunen anschließen.

Wonach es jedoch nicht aussieht: Die neue Kooperative, der nun als dritter Partner die Tierherberge Donzdorf angehört, hat sich schon mit 31 Kommunen über eine Zusammenarbeit geeinigt. Bei vier weiteren dürfte es nur Formsache sein, „dort geht das Thema aber erst im kommenden Jahr in den Gemeinderat“, sagt Hans-Georg Hoffmann, Vorsitzender des Geislinger Tierschutzvereins. Im neuen, auf zehn Jahre angelegten Vertrag ist geregelt, dass die Gemeinden erstmalig 77 Cent je Einwohner in den großen Topf einzahlen. Für die Stadt Geislingen bedeutet dies, dass sie zum Jahresbeginn nun knapp 21 000 Euro abführt. Macht im Vergleich zur alten Regelung ein Mehr von 8000 Euro. Der Pro-Kopf-Betrag wird dann jährlich um einen Cent erhöht.

Erwünschter Vorteil des Ganzen: Den Vereinen steht durch diese Neuregelung künftig mehr Geld zur Verfügung. Der Geislinger Tierschutzverein beispielsweise erhielt bislang pro Jahr rund 10 000 Euro. „Das hat aber gerade mal ausgereicht, um die Tierarztkosten für die Fundtiere zu decken“, sagt Hoffmann. Der laufende Betrieb und Unterhalt des Tierheims bei Türkheim kostet den Verein rund 50 000 Euro pro Jahr. Was also  bedeutet, dass er den Rest selbst finanzieren muss, vornehmlich über Spenden. Das aber wird laut Hoffmann immer schwieriger, weil diese Spenden immer spärlicher fließen. Erschwerend sei bei der alten Regelung hinzugekommen, dass sie nie den Preissteigerungen angepasst wurde, „dabei lag der Kaufkraftverlust seit 2002 etwa bei 20 Prozent“, erläutert Hoffmann.

Wie nun genau der Verteilerschlüssel in der neuen Kooperative aussieht, steht laut Hoffmann noch nicht fest, „wird sind im Moment dabei, das zu regeln“, sagt Hoffmann. Ziel der Geislinger sei es aber, den bisherigen Anteil soweit zu erhöhen, dass 30 Prozent der Kosten gedeckt sind.

Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl, der für die Kommunen die Gespräche mit den Tierschutzvereinen geführt hatte, ist mit der neuen Lösung zufrieden. „Ich denke, damit können die Tierheime gut leben – vor allem mit der Anpassung der Pro-Kopf-Pauschale. Was auch aus meiner Sicht der gerechtere Weg ist“, sagt Kohl. „Für uns war wichtig, dass es ausreichend Kapazitäten für die Unterbringung von Fundtieren gibt. Dass dem so ist, haben uns die drei Vereine nachdrücklich versichert.“

Damit ist aber auch klar, dass es weiterhin im Kreis Göppingen kein Tierheim gibt, das ausgesetzte Exoten aufnimmt. „Spezielle Regelungen, die Exoten betreffen, wurden nicht in den Vertrag aufgenommen“, sagt Kohl, „das heißt, die Vereine müssen nach einer Folgeunterkunft schauen.“ Was laut Hoffmann kein Problem darstellt, da man inzwischen ein Netzwerk mit entsprechenden Einrichtungen aufgebaut habe. Bei den Verhandlungen hatte Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer deshalb den Weilerner Zoofachhändler Michael Geier ins Gespräch gebracht, der auf Exoten spezialisiert ist, aber auch eine behördliche Genehmigung für ein Tierheim besitzt. Geier hatte immer wieder auf eigene Kosten solche ausgesetzten Tiere aufgenommen und versorgt. Weil das auf die Dauer viel Geld kostet, gut 10 000 Euro pro Jahr, hatte er darauf gedrängt, in den (neuen) Kooperationsvetrag mitaufgenommen zu werden.

Womit Hoffmann auch keine Probleme gehabt hätte, wie er versichert, „aber Herr Geier  hat sich nie bei uns vorgestellt. Wer etwas möchte, der muss an den Sitzungen teilnehmen, sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen“. Geier jedoch widerspricht diesem Vorwurf: Er habe sehr wohl den Kontakt gesucht, aber nie eine Rückmeldung bekommen. „Ich bin offenbar von den anderen Tierheimen nicht erwünscht.“ Er habe zwischenzeitlich alle vermittelbaren Fundtiere vermittelt, „neue nehme ich nicht mehr auf“. Für ihn sei das Thema damit erledigt, „ich kämpfe keine weiteren fünf Jahre“.

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