Die Mischung macht den Reiz

Spiele sind ein Klassiker bei den Weihnachtsgeschenken. Doch was macht ein gutes Spiel aus? Der Spieleautor Günter Burkhardt aus Gosbach gibt im GZ-Interview Einblicke in die Mechanismen des Markts.

|

Spiele gehören zu den klassischen Weihnachtsgeschenken. Welches Spiel steht bei Ihnen unter dem Christbaum?

GÜNTER BURKHARDT: Bei uns eigentlich keines. Spiele, die aktuell herauskommen, kaufe ich mir sofort und warte nicht bis Weihnachten. Wir verschenken aber Spiele, in erster Linie meine eigenen. Allgemein sind natürlich die Spiele des Jahres sehr gefragt. Schließlich werden zwei Drittel des Geschäfts an Weihnachten gemacht.

Ist es pädagogisch sinnvoll, wenn es bei Spielen nur um Sieg oder Niederlage geht?

BURKHARDT: Es geht nicht nur um das Siegen. Derzeit kommen wieder kooperative Spiele in Mode, in denen man gemeinsam spielt und gemeinsam gewinnt oder verliert. Auch gibt es viele Untersuchungen darüber, ob Spiele pädagogisch sinnvoll sind. Ich selbst biete eine Spielewerkstatt in der Grundschule Gosbach an. Dabei weiß ich nach fünf Minuten, ob bei einem Kind zu Hause gespielt wird oder nicht. Die einen halten es nach dieser Zeit schon nicht mehr aus, die anderen hören meinen Erklärungen geduldig zu. Das Entscheidende ist, dass Letztere es ganz eindeutig in der Schule leichter haben, sie sind konzentrierter und ziehen einfacher logische Schlüsse. Und nicht zuletzt ist das Verlieren können, die Frustrationstoleranz also, auch etwas, was ganz wichtig ist.

Soll man die Kinder beim Spielen auch verlieren lassen? Oft ist es doch so, dass man sie gewinnen lässt.

BURKHARDT: (lacht) Das ist so ein Streitpunkt. Deswegen spiele ich mit Kindern ungern Spiele, bei denen man absichtlich verlieren muss. Es gibt auch Spiele wie Memory-Spiele, bei denen die Erwachsenen in der Regel automatisch den Kürzeren ziehen.

Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Spiel aus?

BURKHARDT: Ein gutes Spiel muss Spaß machen. Man muss es immer wieder spielen wollen. Es gibt tausend Dinge wie den Spielablauf, den Mechanismus und vieles mehr. Das alles spielt im Grunde aber keine Rolle. Das Entscheidende ist der Spielspaß. Der ist aber nicht messbar, und deshalb ist es auch schwierig zu sagen, was ein gutes Spiel ausmacht. Wenn es ein Schema dafür gäbe, würden nur noch Spiele danach entwickelt werden.

Was sind Ihre Lieblingsspiele, von Ihren eigenen mal abgesehen?

BURKHARDT: Schwierig zu sagen. "Puerto Rico" ist unter den anspruchsvolleren Spielen eines, das mir sehr gut gefällt. Von den Familienspielen spielen wir zu Hause öfters "Zug um Zug". Das war 2004 das Spiel des Jahres. Und bei Kartenspielen muss ich unbedingt Wizard Extreme nennen.

Es gibt viele Spiele-Klassiker. Warum muss man dann immer neue Spiele erfinden?

BURKHARDT: Fahren Sie noch ein Auto aus den 50er Jahren? Im Vergleich zu einem modernen Spiel ist zum Beispiel "Mensch ärgere Dich nicht" ein richtig schlechtes Spiel. Es dauert ziemlich lang und ist ein reines Glücksspiel. Die meisten Familienspiele, die heutzutage herauskommen, sind mit Sicherheit in allen Kriterien besser - außer, dass sie nicht so bekannt sind. Auch bei Spielen ist eine Entwicklung da. Man muss nur mal die Ausstattung vergleichen. Da hat sich in den vergangenen 20 oder 30 Jahren sehr viel getan. Auch der Spielmechanismus hat sich weiter entwickelt. Es wird nicht mehr gewürfelt, man kann vorplanen, was man will. Es kommt heute nicht mehr nur auf den Glücksfaktor an, sondern auf eine Mischung aus Strategie und Überraschung. Das macht den Reiz aus.

Wie beurteilen Sie die Computerspiele?

BURKHARDT: Ich bin kein Freund davon. Beim klassischen Brettspiel spielt man gemeinsam, sitzt dabei zusammen und bekommt die Reaktionen seiner Mitspieler mit. Am Computer spielt man meist für sich und verbessert seinen Highscore. Das ist äußerst fragwürdig, vor allem, wenn man sich auch noch für echtes Geld Bonusfähigkeiten kaufen muss. Es gibt aber mittlerweile auch Plattformen für Brettspiele. Dort kann man mit Leuten spielen, die man kennt, die aber weiter weg wohnen. Das ist in Ordnung.

Ihr Spiel "Finden Sie Minden" wird derzeit bei einem Discounter als Mitbringsel angeboten. Welchen Einfluss haben Sie als Spieleautor auf den Vertriebsschienen Ihrer Spiele?

BURKHARDT: Ich habe gar keinen Einfluss darauf und war selbst überrascht, als ich das Spiel im Prospekt entdeckt habe. Es ist allein Sache des Verlags, was er macht und wie er das Spiel vermarktet. Das steht alles im Vertrag, der in der Regel auch weltweit gilt. Nur bei Sonderausgaben wird man gefragt.

Info Günter Burkhardt aus Gosbach hat 1997 mit "Manitou" sein erstes Spiel auf den Markt gebracht. Seither sind rund 65 weitere hinzugekommen. Der 52-Jährige ist Realschullehrer, hat sich aber schon vor Jahren beurlauben lassen und sein Hobby zum Beruf gemacht. In seiner Freizeit ist er ehrenamtlich als Vorsitzender und Abteilungsleiter im FTSV Bad Ditzenbach-Gosbach und als Gemeinderat tätig.

Spieleempfehlungen für Kinder der Klassenstufen eins bis vier

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Projekt: Mit dem Fahrrad um die Welt

Drei junge Franzosen klingeln am Pfarrhaus neben der Geislinger Stadtkirche und fragen nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Dahinter steht ein spannendes Projekt. weiter lesen