Für einen syrischen Flüchtling ist das Paradies in Süßen

Ein syrischer Flüchtling ist bei der evangelischen Kirchengemeinde als Hausmeister angestellt.

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Mit seiner Stelle als Hausmeister bei Süßener Kirchengemeinde ist für den Syrer George Baylouni ein Traum in Erfüllung gegangen.  Foto: 

Jetzt bin ich im Paradies.“ George Baylouni lächelt. Der 31-Jährige ist ein stiller, zurückhaltender Mann, „sehr engagiert, fleißig und interessiert“ bescheinigt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Süßen, Michaela Köger, ihrem Mitarbeiter. Dieser sorgt dafür, dass im Gemeindehaus und in zwei Kindergärten alles an seinem Platz ist, kümmert sich um die Heizungsanlage, macht Reparaturen und hält die Außenanlagen in Schuss – „alles, was mit der Gebäude-Instandhaltung zu tun hat“, sagt die Pfarrerin.

George Baylouni ist syrischer Christ und lebt erst seit zwei Jahren in Deutschland. Seine Geschichte klingt ein wenig wie ein Märchen – eines mit einem guten Ende. Schweren Herzens sei er im August 2015 aus seiner Heimatstadt Damaskus aufgebrochen, habe Frau und zwei kleine Söhne zurückgelassen. Der gelernte Goldschmied lebte mit seiner Familie im christlichen Viertel der syrischen Hauptstadt. Ständige Bedrohungen durch den IS (Islamischer Staat) und häufige Anschläge mit Autobomben:  Baylouni – er ist Angehöriger der Rum-Orthodoxen Kirche – sah keine Zukunft für seine Familie und fürchtete um Leib und Leben. Als traditionelle christliche Familie habe man es ohnehin nicht leicht in Syrien, erzählt er.

Zwei Wochen dauerte die aufreibende Flucht über den Libanon, mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland und die Balkanroute, teils motorisiert, teils zu Fuß, nach Österreich und Deutschland. Nach drei Monaten im Erstaufnahmelager Meßstetten landete der heute 31-Jährige in Ulm. Acht Monate lang hat er dort dem Hausmeister und Mesner der katholischen Kirche St. Michael zu den Wengen geholfen. „Ich arbeite gerne im Hause Gottes, denn mein Herz schlägt für die Kirche“, sagt er.

Weil sich in Ulm keine Wohnung fand, zog Baylouni schließlich nach Göppingen. Der Familienvater lernte fleißig Deutsch und absolvierte ein berufliches Förderprogramm bei einem Bildungsträger. Das öffnete ihm die Tür zu einem Praktikum in Süßen. Dann suchte die Kirchengemeinde einen Hausmeister, der 31-Jährige bewarb sich und bekam den Zuschlag. „Er wurde einstimmig gewählt“, berichtet Pfarrerin Köger. Nicht nur sein handwerkliches Geschick und Engagement seien ausschlaggeben gewesen für die Anstellung. Die Kirchengemeinde lege Wert darauf, dass der Hausmeister in der Dienstwohnung beim Gemeindehaus wohne, „das wollte nicht jeder Bewerber“, betont die Seelsorgerin.

Für George Baylouni jedoch war das so etwas wie ein Geschenk des Himmels. Seit Ende Februar nun auch seine Frau und seine fünf und drei Jahre alten Söhne wieder bei ihm sind, ist sein Glück perfekt. Die Zeit ohne seine Familie sei sehr schwierig gewesen, sagt er. „Ich habe mir immer Sorgen um sie gemacht.“ Das gelte nach wie vor für seine Eltern, die nach weiterhin in Damaskus leben.

Obwohl die Bilder von den Bombenangriffen in der Heimat immer wieder in den Träumen wiederkehren, blickt George Baylouni nach vorne. Seine Arbeit gefällt ihm sehr gut, die Familie lebe sich gut ein, aber was am wichtigsten ist: „Wir können hier spazieren gehen, wann wir wollen, wir leben in Freiheit und müssen keine Angst mehr haben.“

Kirche Die Rum-Orthodoxe Kirche bezeichnet das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Antiochien. Antiochien, heute Antakya in der Türkeri, ist einer der ältesten Bischofssitze der Welt. Die Bezeichnung „Rum“ steht für das alte Byzantinische Reich, also für Ost-Rom oder das Neue Rom, mit seiner damaligen Hauptstadt Konstantinopel, heute Istanbul.

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