Bösewicht in Raupenform

Der Buchsbaumzünsler ist in diesem Jahr in aller Munde. Wo er herkommt und was man gegen ihn machen kann, erklären zwei Experten.

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Frank Bächtle zeigt einen erkrankten Buchsbaum.  Foto: 

Kaum zu glauben, dass so ein kleines Tierchen wie die Raupe des Buchsbaumzünslers so viel Schaden anrichten kann.

Eigentlich sieht sie ja ganz niedlich aus: ein bis zu fünf Zentimeter langer grüner Körper mit schwarzen Punkten und schwarzem Köpfchen. Trotz ihrer geringen Größe frisst sich die Raupe durch die Gärten Deutschlands und hinterlässt ein wahres Schlachtfeld.

Niemand möchte seinen Buchsbaum, der als Zierpflanze dient, mit braun verfärbten oder kahl gefressenen Blättern im Garten stehen lassen. „Viele Gartenbesitzer geben die Hoffnung und ihren Buchs auf, reißen ihn aus und verbrennen ihn“, sagt Rainer Klingler vom Landwirtschaftsamt Göppingen. Es sei auch erlaubt, die befallenen Pflanzen auf den Grünmassesammelplatz zu bringen, informiert er.

Frank Bächtle, Gärtnermeister der Gärtnerei  Ströhle in Geislingen, mahnt aber, kranke Buchse zu verbrennen, um weiteres Ausbreiten zu verhindern. Wer sich den Stress mit dem Buchs ersparen möchte, kann auf die japanische Stechpalme zurückgreifen. Die sieht dem Liebling des Buchsbaumzünslers ähnlich, kann auch gut zurechtgeschnitten und geformt werden, ist aber nicht anfällig für diesen Schädling.

Nach einem Befall durch Buchsbaumzünsler stirbt der Buchs meist nicht und treibt im nächsten Jahr wieder aus. Mit einem biologischen Pflanzenmittel, dessen Wirkstoff bacillus thuringiensis ist, rücken viele Geislinger den gefräßigen Raupen nun zu Leibe. Gartenbesitzer müssen Schädlingsbekämpfer knapp viermal im Jahr einsetzen, da jede Generation schlüpfender Raupen mehrmals bekämpft werden muss. Das Mittel verteilt sich in der Pflanze, sodass der Buchsbaumzünsler das Gift mit der Nahrung aufnimmt und daran stirbt.

Von der Wirksamkeit begeistert ist Gärtnermeister Bächtle. „Schon nach wenigen Stunden habe ich tote Raupen in meinem Buchs entdeckt, obwohl der Wirkstoff laut Verpackung zwei bis drei Tage braucht“, sagt er erfreut. Der Schädling hat keine natürlichen Fressfeinde. Einzelne Sperlingsarten und Wespen würden die Raupen zwar fressen, kommen aber nur schwer an sie heran, da diese im Inneren des  Buchsbaums leben und Schaden anrichten.

Birgit Knoblauch aus Böhmenkirch hatte den ungebetenen Gast auch im eigenen Garten. Man erkennt ihn erst von nahem, erklärt sie. Außenrum sei der Buchs schön und grün, erst innen sieht man die zerfressenen Blätter. „Samstagmorgens war ich im Garten, und habe auch einige meiner Nachbarn darauf hingewiesen, dass der Zünsler bei ihnen sein Unwesen treibt“, erzählt Knoblauch. „In der Gärtnerei Ströhle habe ich mir dann ein Pflanzenmittel geholt und gefragt, ob es sich überhaupt lohnt, um den Buchs zu kämpfen.“ Es würde sich lohnen, war die Antwort, und so hofft die Böhmenkircherin, dass ihren Garten im nächsten Jahr wieder ein grüner Buchs schmückt.

Die Experten vom Landwirtschaftsamt und der Gärtnerei sind sich einig: Der Befall ist in diesem Jahr ausgeprägter als in den vergangenen Jahren. Das liege daran, dass der Zünsler wegen dem Kahlfraß, den er verursacht, ständig auf Nahrungssuche ist und sein Verbreitungsgebiet ausdehnt, erklärt Rainer Klingler vom Landwirtschaftsamt. Denn der Buchsbaumzünsler ist kein gebürtiger Deutscher; seine Heimat liegt weit entfernt in Ost­asien. Seit knapp zehn Jahren ist der Schädling in Deutschland auf dem Vormarsch. Aber wie kann so ein kleines Lebewesen  einen so weiten Weg zurücklegen? Schadorganismen wie der Buchsbaumzünsler kommen meist über den Handelsverkehr auf dem Rhein oder dem Neckar nach Deutschland, erklärt Klingler.

Für ausführlichere Informationen verweist er auf ein Merkblatt des landeswirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg auf dessen Webseite unter www.ltz-bw.de.

Zyklus Im Frühjahr fallen die überwinterten Jungraupen ausgehungert über den Buchs her. Nach einer erneuten Verpuppung verwandeln sie sich in Schmetterlinge, die ihre Eier auf die Blattunterseite legen und danach sterben. Diese zweite Generation schlüpft noch im selben Jahr.

Schaden Während der im Frühling entstehende Fraßschaden weniger schlimm ist, beklagen sich Gartenbesitzer im Sommer über Buchse, die innerhalb von ein oder zwei Tagen von den Raupen kahlgefressen werden.

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