Bierdeckel bringt die Wende

Wie entsteht ein Spiel? Eine Ausstellung im Ditzenbacher Haus des Gastes versucht diese Frage zu beantworten und dokumentiert den Entstehungsprozess von der ersten Spielidee bis zur fertigen Schachtel.

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Die Autoren seiner Lieblingsbücher kennt wahrscheinlich jeder Leser, aber nur enthusiastische Vielspieler kennen vermutlich die Autoren ihrer Lieblingsspiele. Denn das hat notwendigerweise nicht nur jedes Buch, sondern auch jedes Spiel: einen Autor. Eine Ausstellung im Haus des Gastes in Bad Ditzenbach beleuchtet die kreative Leistung der Spieleentwickler - von der Idee bis zum Endprodukt im Spieleregal dauert es oft mehrere Jahre. Am Donnerstagabend wurde die Ausstellung, die noch bis zum 2. Juli zu sehen ist, eröffnet. Ihr Titel ist Programm: "Wie entsteht ein Spiel - auch Spiele haben Autoren".

Organisator der Ausstellung ist der Gosbacher Spieleautor Günter Burkhardt, der schon 50 Spiele bei 19 verschiedenen Verlagen veröffentlicht hat. Bis in die späten 80er Jahre seien die Namen der Autoren von den Verlagen auf den Spieleschachteln überhaupt nicht genannt worden, erklärt Burkhardt. Die Autoren seien überhaupt nicht als kreative Urheber wahrgenommen worden. Dies habe sich erst 1988 geändert - mit einem Bierdeckel.

Bekannte Spielautoren hielten auf einem Bierdeckel ihren Beschluss fest, ihre Spiele in Zukunft nur noch dann an einen Verlag zu geben, wenn ihr Name "oben auf der Schachtel steht". In der Folgezeit nannten tatsächlich immer mehr Verlage auf der Schachtel und in den Spielregeln den Autorennamen.

Ein Teil der Ausstellung widmet sich der Entstehung von Spielen von der ersten Spielidee bis zur Schachtel, die im Regal eines Ladens auf einen Käufer wartet. Auf von der "Spiele-Autoren-Zunft" bereitgestellten "Rollups", mobilen Plakatwänden, illustrieren verschiedene Spieleautoren diesen langwierigen Prozess, der oft mehrere Jahre in Anspruch nimmt, exemplarisch an ihren eigenen Spielen.

Anschaulich wird dargestellt, wie sich eine Spielidee im Laufe der Entwicklung verändert, wie Thematik, Regelwerk, Spielmaterial und Design laufend angepasst werden müssen, damit zum Schluss ein "rundes" Spiel entsteht. "Spiele erfinden ist wie Forschen: manchmal enttäuschend - aber immer spannend", fasst der Spieleautor Gerhard Junker seine Arbeit auf einem Rollup zusammen. Einen kleinen Einblick gibt es auch in die redaktionelle Arbeit der Spieleverlage und in die Entstehung eines perfekten Covers für die Spieleschachtel.

Im zweiten Teil der Ausstellung veranschaulicht Günter Burkhardt anhand von Skizzen und Prototypen, wie einige seiner Spiele entstanden sind. Auch Prototypen, die es nie zur Veröffentlichung geschafft haben, sind zu sehen.

Bei der Ausstellungseröffnung an Fronleichnam hatten die Besucher auch Gelegenheit, die eine oder andere Partie mit Burkhardt zu spielen und sich die Regeln vom Spieleautor höchstpersönlich erklären zu lassen.

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