Laichingen: Drohbrief an Bürgermeister

Weil er sich an der Gedenkfeier für eine abgestürzte alliierte Bomber-Crew beteiligen will, wird der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann bedroht.

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In einem auf Schreibmaschine verfassten und mit handschriftlichen Korrekturen versehenen Brief bedrohen Unbekannte den Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann und andere Bürger, die sich an der Aufarbeitung eines Bomberabsturzes aus dem Jahr 1945 beteiligen. Weil sie keinen "Funken Anstand als Deutsche" zeigten, sind die Verfechter einer Gedenkfeier für die alliierten Soldaten an der Absturzstelle (wir berichteten) offenbar in den Fokus der rechten Schreiber geraten.

Statt der Bomberbesatzung solle man lieber der Opfer des Angriffs gedenken, der am 16. März 1945 in Nürnberg Tausende das Leben gekostet habe, fordern die unbekannten Autoren. Für den Fall, dass die Ende des Monats geplante Gedenkfeier im Wald bei Laichingen nicht abgesagt wird, drohen sie mit Gewalt. Sie hätten bereits genug "Euro" gesammelt, um "eine bestimmte Szene" zu beauftragen, welche dafür sorgen werde, dass die Macher der Gedenkfeier bald selbst aussehen würden wie "die Nürnberger Opfer der Bombermannschaft". Der Brief endet mit der Drohung "Ihr kommt nicht davon, die Kameraden finden euch."

Im Laichinger Rathaus nimmt man diese Provokation nicht auf die leichte Schulter. Um den rechten Verfassern "keine öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen", will Kaufmann, der Anzeige gegen unbekannt erstattet hat, den Brief nicht kommentieren. Nur so viel: "Wir werden die Veranstaltung machen." Nachfahren von vier der insgesamt sechs getöteten englischen und kanadischen Besatzungsmitglieder der abgestürzten Lancaster haben sich zur Gedenkfeier angesagt.

Derweil ermittelt die Ulmer Polizei gegen den oder die unbekannten Verfasser des Drohbriefes. Wegen des Verdachts der versuchten Nötigung, Beleidigung und Bedrohung. "Da es so aussieht, als habe das Schreiben einen rechtsorientierten Hintergrund, kümmert sich der Staatsschutz", erklärt Polizeisprecher Uwe Krause. Was die Bedrohung dann für die Polizeipräsenz bei der geplanten Gedenkveranstaltung im Bereich des Gemeindeverbindungswegs Richtung Hohenstadt bedeutet, konnte Krause zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. "Die Bewertung des Briefes wird sicher in die Einsatzüberlegungen mit einfließen", sagte Krause.

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