Wenn das Geld auf der Straße liegt

Geldscheine liegen auf der Straße – die Versuchung ist groß, sie einzustecken. Aber ist das erlaubt? Und was passiert, wenn jemand am Geldautomat seine Scheine vergisst? Die Rechtslage ist dabei eindeutig.

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Wer fremdes Geld aus dem Bankautomaten nimmt, begeht Diebstahl.  Foto: 

Wenn Geld auf der Straße liegt, dann darf ein Finder es nicht einfach einstecken, erklärt Sprecher Uwe Krause vom Polizeipräsidium Ulm. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Fundunterschlagung und die ist strafbar. Wer Geld im öffentlichen Raum, also zum Beispiel auf der Straße, im Park oder auf Plätzen findet, der kann es bei der Polizei oder dem Fundbüro der Stadt oder Gemeinde abgeben. Findet jemand Geld auf dem Boden eines Geschäftes oder in einer Umkleidekabine, dann macht es Sinn, das Geld beim Betreiber oder Inhaber abzugeben. „Denn dort würde der Besitzer auch am ehesten suchen und nachfragen“, erklärt Krause. Nach einer angemessenen Wartezeit müsse aber auch der Ladenbesitzer das Geld abgeben.

Im vergangenen Jahr wurde 13 Mal Bargeld beim Göppinger Fundbüro abgegeben, im laufenden Jahr bisher 15 Mal. Zusätzlich wurde in beiden Jahren noch 8 Mal Bargeld in anderen Fundsachen, wie Taschen oder Jacken abgegeben. Die bisher größte abgegebene Summe betrug 500 Euro. Abgeben müssen Finder nur Summen ab 10 Euro. Das Gleiche gilt auch für Fundsachen an sich, diese müssen auch einen Warenwert von 10 Euro erfüllen, ansonsten nimmt das Fundbüro sie gar nicht an.

Sechs Monate Aufbewahrungsfrist

Die Aufbewahrungspflicht beträgt sechs Monate, danach geht das Eigentum an den Finder – oder wenn dieser keine Ansprüche geltend macht – an die Stadt Göppingen über. Etwa die Hälfte der Finder beansprucht nach Ablauf der Frist das Geld, als Belohnung für die Ehrlichkeit, sagt ein Mitarbeiter des Fundbüros auf Nachfrage. Die andere Hälfte verzichtet. In dem Fall fließt das Geld in den allgemeinen Haushalt der Stadt Göppingen.

Wenn der Finder das Geld behalten möchte, dann bekommt er die Summe abzüglich der Verwaltungsgebühr. Bei Summen von 5 bis 500 Euro fallen 5 Prozent des Wertes als Gebühr an, oder mindestens 3 Euro. Statt 50 Euro bekommt der Finder also nach der Wartefrist 47 Euro. Bei Fundsummen über 500 Euro beträgt die Gebühr auf den Mehrwert 3 Prozent. Bei einer Summe von 600 Euro entfallen zum Beispiel auf die ersten 500 Euro wie gehabt 5 Prozent und auf die 100 Euro 3 Prozent Gebühr.

Nur selten melden sich im Göppinger Fundbüro hingegen die ursprünglichen Besitzer des Geldes. Es gebe zwar immer wieder Anfragen, die passten aber nicht zu den abgegebenen Fundsummen, so das Fundbüro. Wer den Verlust eines Geldbetrags geltend macht, muss angeben, wann und wo er vermutlich das Geld verloren hat, in welcher Stückelung und zum Beispiel in welcher „Verpackung“.

Bisher kein Fall vor Gericht

Aber was passiert, wenn Finder das Geld nicht abgeben? Es ist zwar gesetzlich verboten, aber „wo kein Zeuge, da kein Täter“, erklärt der vorsitzende Richter am Landgericht Ulm, Wolfgang Tresenreiter. Es müsste dafür ein Zeuge den Finder beim Einstecken ertappen und ansprechen. „Der könnte dann natürlich immer sagen, sich gerade auf dem Weg zum Fundbüro zu befinden“, gibt Tresenreiter zu bedenken. Der Zeuge könne dabei nur schwer prüfen, ob der Finder wirklich vorhatte, das Geld zu unterschlagen. Von daher gestaltet sich auch eine Anzeige bei der Polizei schwierig.

Vor das Göppinger Amtsgericht hat es ein solcher Fall jedenfalls noch nie geschafft, erklärt die Strafabteilung auf Nachfrage. Eine Geldstrafe für die Unterschlagung von Fundgeld kann aber nur ein Gericht für den Einzelfall festlegen, nicht die Polizei.

Banken unterstützen die Polizei

Anders sieht es aus, wenn ein Kunde am Geldautomaten einer Bank vergisst, die Scheine einzustecken. Wenn da jemand zugreift, bevor das Geld nach 30 Sekunden wieder eingezogen wird, dann handelt es sich ganz klar um Diebstahl, sagt der Polizeisprecher. Der betroffene Kunde kann diesen Diebstahl später bei der Polizei anzeigen. Im Zuge der Ermittlungen kann die Polizei dann bei der Bank zum Beispiel Bilder aus der Videoüberwachung anfordern, um den Täter zu finden. Von sich aus werde das Geldinstitut nicht tätig, aber „wenn die Polizei Material anfordert, dann stellen wir das zur Verfügung“, sagt Pressesprecher Thomas Wolf von der Kreissparkasse Göppingen.

Sobald das Geld vom Automaten ausgegeben wurde, liegt die Verantwortung dafür beim Kunden. Das gilt auch dann, wenn der Kunde sein Bargeld im Vorraum der Bank verliert. „Letztendlich spielt es keine Rolle, ob er das Geld in der Bank oder auf der Straße verliert“, erklärt die Sprecherin der Göppinger Volksbank, Simone Stuhler. „In der Regel geben andere Kunden aber Fundgeld bei der Bank ab – das ist das Schöne“, sagt Thomas Wolf.

Wenn ein Bankkunde bloß vergisst, sein Bargeld aus dem Automaten mitzunehmen, dann bekommt er sein Geld auf jeden Fall zurück. Sowohl bei der Göppinger Volksbank, als auch bei der Kreissparkasse wird das Geld vom Automaten wieder eingezogen und in einem Extrafach aufbewahrt. Zunächst ist das Geld dann vom Konto abgebucht, nach einer Prüfung wird es aber wieder gut geschrieben. Bei der Volksbank erfolgt diese Prüfung automatisch durch die Mitarbeiter. Der Kunde braucht sich nicht aktiv darum zu kümmern. Die Rückbuchung löse im SB-Gerät einen "Alert" aus und generiere eine Meldung beim zuständigen Mitarbeiter – das werde täglich kontrolliert, erklärt Stuhler. Bei der Kreissparkasse sollte sich der Kunde laut Wolf kurz in der Filiale melden. Hat diese geschlossen, reiche ein Anruf oder eine Mail an den Sachbearbeiter. Auch der Beraterchat auf der Homepage könne digital genutzt werden.

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