Plädoyer für eine gerechte Wirtschaft

|

Seit 1980 steigt die weltweite Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen. „Ein Prozent der Menschen besitzt so viel wie 99“, betonte Christian Kreiß, der an der Hochschule Aalen Finanzierung und Wirtschaftspolitik lehrt. Er referierte am Göppinger Mörike-Gymnasium über die Wege in eine menschengerechte Wirtschaft. Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe „Querdenken“, die seit drei Jahren von den Gesellschaftswissenschaften der Schule in Kooperation mit der Volkshochschule Göppingen, der Evangelischen und Katholischen Erwachsenenbildung Göppingen, sowie dem Weltladen Göppingen veranstaltet wird. „Viele Schüler aus den Wirtschaftskursen sind hier“, berichtet Lehrer Ralf Engel, der sich zusammen mit zwei Kollegen um die Veranstaltungsreihe kümmert. Ein buntgemischtes Publikum aus Schülern, Eltern und Interessierten von jung bis alt füllte die Mensa der Schule.

Christian Kreiß vertritt die These, dass leistungslose Einkommen unsere Wirtschaft „krebskrank“ machen. Es sind die Einnahmen, für die man nicht arbeiten muss: Dividenden, Zinsen, Mieten und Pachten. Etwa ein Drittel des Volkseinkommens besteht daraus. Würde das leistungslose Geld zu den leistungslosen Menschen wie Kinder, Schüler oder Senioren fließen, wäre unser Wirtschaftssystem gesund, so Kreiß’ These. „Es wäre so einfach“, bekräftigt er. Stattdessen fließe es auf die Konten privater Vermögensbesitzer, deren Geld und Vermögen sich selbst immer weiter vermehre, tumorartig wie Krebs.

Woran vermutlich keiner beim Kauf eines Cappuccinos für einen Euro denkt: „Jedes Mal fließen davon etwa 20 Cent an die oberen 20 Prozent, 10 Cent an das obere eine Prozent. Wir haben die perfekte Reichensteuer in Deutschland“, weiß Kreiß, „alle zahlen an die Reichen“.

Zudem werde ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, meinte der Referent. Die dazugehörige Nachfrage werde künstlich generiert. So wurden Glühbirnen in ihrer Brenndauer schon in den Zwanzigerjahren halbiert, Drucker in ihrer Druckkapazität künstlich beschränkt. Außerdem werde jeder Mensch täglich von einer wahren Werbeflut überrollt. Jeder verbringe durchschnittlich sechs Jahre seines Lebens damit, sich Werbung anzuschauen. Das beeinflusse nicht nur die freie Entscheidungskraft, sondern bringe uns dazu, mehr Dinge zu kaufen, als wir benötigen. Kreiß hält die Menschen dazu an, genau zu überlegen, „was brauche ich wirklich und wo kann ich auf Unnötiges verzichten?“ Nur so könne ein Umdenken stattfinden und die Wirtschaft umgelenkt werden, weg von einem egoistischen Verhalten hin zu einer „Gemeinwohlökonomie“.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Weltspieltag in der Fuzo: Hitze hält vom Spielen nicht ab

Geislinger Familien haben ihren Sonntag beim Weltspieltag verbracht. Sie spielten Tischkicker, Tischtennis und machten Seifenblasen. weiter lesen