Ohne französischen Esprit und Konzept

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Besondere Unterhaltung bot eine Französischstunde mit Schauspieler Étienne Gillig im Alten E-Werk.  Foto: 

Mit allen äußeren Attributen in den klassischen Farben des scheinbar typischen Franzosen versehen, spazierte Étienne Gillig im Alten E-Werk durch die Tücken der französischen und deutschen Sprache, wusste von vielem Verbindendem zu berichten und machte sich über manch auffällige Eigenart der Deutschen und Franzosen lustig.

Wer jedoch sprühenden französischen Esprit erwartet hatte, wurde enttäuscht. So manch ein Besucher mag sich vielmehr an seinen Französisch-Unterricht erinnert haben: Zeitweise floss die Zeit zäh dahin, immer wieder wanderte der Blick diskret zur Uhr. Der freundlicher Beifall am Ende der „Französischstunde“ konnte deshalb auch nicht darüber hinwegtäuschen: Étienne Gillig war es nicht wie angekündigt gelungen, den Besuchern seine Muttersprache „mit höchstem Unterhaltungswert“ zu vermitteln. Eher erinnerte er an jene Pädagogen, denen der roten Faden fehlte, die sprunghaft von einem Thema zum nächsten wechselten, und so verwunderte es schon gar nicht mehr, als sich der Künstler am Ende selbst überrascht zeigte, dass er mit seinem Programm durch war.

Dabei waren weit mehr Frankophile ins Alte E-Werk gekommen, als die Veranstalter zunächst erwartet hatten. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen hatten die Integrationsbeauftragte, die Volkshochschule und der Freundeskreis Göppingen-Pessac, zu der Französischstunde eingeladen, und letztere sorgten mit einem Apéro und einem Glas Wein am Ende wenigstens noch für ein bisschen französisches Lebensgefühl und Leichtigkeit.

„Schade, dass der Künstler so gar kein Konzept zu haben schien“, stellte dann auch eine enttäuschte Besucherin fest. Denn tatsächlich gibt es viel Verbindendes zwischen den Nachbarn, das indes, lose aneinander gereiht, nur aufgezähltes Wissen war. Offensichtlich hatte sich der Künstler intensiv mit den Gemeinsamkeiten beschäftigt, und so kam am Ende doch Einiges Neues bei den Besuchern an. Neues eher aus der Sparte Allgemeinbildung als der französischen Sprache – und dies, obwohl Gillig angetreten war, sie in nur einer Stunde seinen Gästen nahezubringen. Sie erfuhren, dass „Die Drei von der Tankstelle“ aus dem Jahr 1930 die erste deutsch-französische Filmproduktion war. Überraschend harmonisch klangen – gleichzeitig gespielt – die beiden Nationalhymnen. „Wäre es einem Künstler vor 100 Jahren eingefallen, das zu spielen, wäre uns viel erspart geblieben.“ Ganz witzig auch die lautmalerische Umsetzung des berühmten „Frère Jacques“ in die jeweils andere Sprache.

Ja, und dann schlich sich noch ein grober Fehler ein: Karl der Große, den beide Nationen als einen der Ihren reklamieren, ist nicht in Reims, sondern in Rom zum Kaiser gekrönt worden. Das spielte dann aber keine große Rolle mehr. Ach ja, ein Cello stand auch auf der Bühne. Musikalischer Hochgenuss? Leider auch da Fehlanzeige!

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