Neuer Feuerwehrchef in Göppingen gesucht

Nach der Verurteilung des Kommandanten macht sich die Stadt auf die Suche nach einem Nachfolger. OB Guido Till will eine „herausragende Persönlichkeit“. Die Stelle soll bald ausgeschrieben werden.

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Die Göppinger Feuerwehr braucht einen neuen Kommandanten.  Foto: 

Für die Stadt Göppingen ist am Mittwoch eine lange Hängepartie zu Ende gegangen: Nach der Verurteilung des Feuerwehrchefs Harald Knobloch wegen Untreue zu 19 Monaten Haft auf Bewährung soll nun ein Nachfolger gesucht werden. Der Kommandant war seit Dezember 2015 vom Dienst freigestellt, die Geschäfte führte sein ehrenamtlicher Stellvertreter.

„Sobald die Rechtskraft des Urteils eingetreten ist – und wir gehen davon aus, dass dies in Kürze erfolgen wird –, werden wir die Stelle ausschreiben“, sagte am Donnerstag Oberbürgermeister Guido Till. Nach der Freistellung Knoblochs hatte es Kritik aus Reihen des Gemeinderats an der Entscheidung gegeben.  Klaus Rollmann (FDP/FW) befürchtete negative Auswirkungen für Knobloch persönlich und dessen Arbeit. Christoph Weber (Grüne) bewertete eine weitere Zeit ohne Kommandant kritisch. Christian Stähle (Die Linke) schaltete gar den Landesinnenminister ein.

Die Stadtverwaltung hatte bereits kurz nach der Freistellung betont, bei der Entscheidung habe es „keinen Ermessensspielraum“ gegeben. Sie sei eine „beamtenrechtlich zwangsläufige Folge des Ermittlungsverfahrens“. Deshalb meinte Till: „Die Höhe des Urteils zeigt, dass unsere Einschätzung des zu erwartenden Strafmaßes rechtens war. Wir werden in dem Urteil darin bestätigt, dass damals keine andere Entscheidung als Dienstvorgesetzter möglich war, als den Kommandanten zu suspendieren.“

Till unterstrich auch, dass die Anforderungen an den Kommandanten „besonders hoch“ seien. Er habe neben zehn Hauptamtlichen rund 450 ehrenamtliche Feuerwehr-Angehörige zu führen. Diplom-Ingenieur Knobloch ist in die Besoldungsgruppe A13 eingestuft. Vor dem Schöffengericht in Augsburg gab es seinen Nettoverdienst mit 3663 Euro an, bei derzeit eingeschränkten Bezügen.

Im Oktober 2014 hatte der Gemeinderat Knobloch zum Kommandanten gewählt, am 1. März 2015 trat er das Amt an. Laut der Anklageschrift der Augsburger Staatsanwaltschaft hörten die Bestellungen bei diversen Händlern am 13. November 2014 auf – die Liste weist als letzte Order eine Aufbewahrungsbox für 134,79 Euro auf. Insgesamt 69 derartige Privat-Bestellungen auf Kosten der Feuerwehr hatten die Ermittler festgestellt, sie zogen sich über vier Jahre hin. Zudem unterschlug Knobloch in seiner Zeit als Sachgebietsleiter bei der Augsburger Wehr eine Digitalkamera.

Im Prozess wurde deutlich, dass für den Kommandanten die Sache nach seinem Wechsel ins Filstal eigentlich ausgestanden schien. Er hatte, nachdem die Untreue aufgeflogen war, mit der Stadt Augsburg eine zivilrechtliche Vereinbarung geschlossen und die Wiedergutmachung des Schadens zugesagt, die Hälfte des Geldes auch rasch überwiesen. „Er dachte, nach der Vereinbarung mit der Stadt sei die Sache aus der Welt“, berichtete Rechtsanwältin Ulrike Paul  in ihrem Plädoyer. Aber es kam anders: „Er war doch sehr überrascht, als dann eines schönen Morgens bei ihm durchsucht wurde.“ Dieser „schöne Morgen“ war im September 2015, die Staatsanwaltschaft ließ sowohl das Privathaus als auch Knoblochs Büro bei der Feuerwehr durchsuchen. Dem vorausgegangen war eine Strafanzeige der Stadt Augsburg im März 2015 – just in dem Monat, in dem Knobloch seinen Dienst in  Göppingen antrat.

Durch die am Mittwoch vom Gericht verhängte Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten – zustande gekommen nach einem Deal mit Gericht und Staatsanwaltschaft und ausgesetzt zur Bewährung – verliert der Kommandant auch seinen Beamtenstatus. Bereits die Suspendierung sei für ihn hart gewesen, sagte Anwältin Paul: „Er wurde freigestellt, was ihn sehr getroffen hat. Er ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft.“

Nun wird die Stadt sich auf die Suche nach einem Nachfolger begeben, OB Till glaubt, dass dies bald geschieht: „Wir gehen davon aus, dass wir in absehbarer Zeit mit einem neuen Kommandanten die Feuerwehr wieder in sicheres Fahrwasser bringen.“ Der oder die Neue müsse „die Bereitschaft haben, an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für den Ernstfall bereit zu stehen“ und benötige „fast schon die Qualifikation eines Bürgermeisters“. Unterm Strich, bringt es Till auf den Punkt, „suchen wir eine herausragende Persönlichkeit“.

Kommandant Harald Knobloch trat die Stelle als Chef der Göppinger Feuerwehr am 1. März 2015 an. Damit endete für die Wehr ein Jahr ohne hauptamtlichen Kommandanten, in der der damalige Stellvertreter Peter Melzer die Aufgabe übernahm – er musste nicht zum ersten Mal einspringen.

Wechsel Die Wehr hatte eine Phase mit mehreren Kommandantenwechseln und viel Unruhe hinter sich. Zuletzt hatte Armin Becker nach nur 20 Monaten einen anderen Job angenommen. Sein Vorgänger Guntram Vollmer hatte nach jahrelangen internen Querelen seinen Hut genommen, auch Vollmers Vorgänger war nur zwei Jahre im Amt gewesen. Knobloch war bis zu seiner Suspendierung etwa ein Dreivierteljahr im Amt.

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