Feuerwehr-Kommandant gibt auf: Knobloch zieht Berufung zurück

Harald Knobloch zieht seine Berufung zurück und ist jetzt rechtskräftig verurteilt. 15 Bewerber wollen sein Nachfolger in Göppingen werden.

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Fast genau zwei Jahre ist es her, dass beim Göppinger Feuerwehrkommandanten Harald Knobloch Dienst- und Privaträume durchsucht wurden. Es folgte die Freistellung von seinem Amt, eine Anklage und ein Prozess. Gegen das Urteil ging Knobloch in Berufung, die Stadt musste ihm weiterhin seine – gekürzten – Bezüge bezahlen. Doch jetzt ist das Kapitel Knobloch für Göppingen beendet: Der Kurzzeit-Kommandant hat die Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Augsburg zurückgezogen, somit ist der Richterspruch rechtskräftig, sagte gestern der Pressesprecher des Landgerichts Augsburg, Vorsitzender Richter Claus Pätzel.

Wegen Untreue in 69 Fällen und Unterschlagung war Knobloch zu einem Jahr und sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte während seiner Zeit bei der Augsburger Feuerwehr über Jahre hinweg Waren auf Kosten der Feuerwehr für den Privatgebrauch bestellt, der Schaden betrug mehr als 10 000 Euro. Die letzte Bestellung datierte auf November 2014, einen Monat zuvor hatte ihn der Göppinger Gemeinderat zum neuen Kommandanten gewählt.

Am 1. März 2015 trat der Neue seinen Dienst in Göppingen an, im September 2015 dann die Hausdurchsuchungen durch Staatsanwaltschaft und Polizei  nach einer Anzeige der Stadt Augsburg. Um den Jahreswechsel wurde er dann von der Stadt freigestellt, seine Bezüge – er war in Besoldungsgruppe A13 – gekürzt.

Im Mai dieses Jahres handelte Knobloch in Augsburg mit Staatsanwaltschaft und Gericht einen Deal aus: Er gestand die Taten, bekam dafür eine vergleichsweise milde Bewährungsstrafe. Letztlich wurden es ein Jahr und sieben Monate, damit verlor Knobloch auch seinen Beamtenstatus. Trotz des Deals ging der Noch-Kommandant in Berufung, die Staatsanwaltschaft zog nach. Nachdem Knobloch nun seine Berufung zurückgezogen hat – warum, ist nicht bekannt –, tat es die Staatsanwaltschaft ihm gleich.

Nebeneffekt der Berufung war, dass die Stadt Göppingen weiterhin Gehalt an den freigestellten Kommandanten überweisen musste. Doch damit ist es nun vorbei: „Mit der Rechtskraft des Urteils ist der Fall zunächst abgeschlossen“, sagte gestern Oberbürgermeister Guido Till.

Er unterstreicht aber auch: „In der Angelegenheit Knobloch gibt es nichts zum Freuen. Es war für die Stadt Göppingen eine ganz bittere Erfahrung, dass zum Einstellungstermin der Vorgang uns von keiner Seite, weder von Herrn Knobloch noch von der Stadt Augsburg, mitgeteilt wurden ist, so dass wir Herrn Knobloch unter falschen Voraussetzungen zum Kommandanten ernannt haben.“ Deshalb prüft die Stadt nun Rechtsmittel, sagt Till: „Inwieweit wir die Ernennung rückgängig beziehungsweise wir einen Schadensersatzanspruch geltend machen können, wird im Augenblick geprüft.“

Unterdessen läuft die Suche nach einem Nachfolger. Die Ausschreibungsfrist ist beendet – 15 Interessenten haben sich laut Till auf die Stelle des Kommandanten beworben. „Wir werden uns die notwendige Zeit nehmen, um eine geeignete Führungskraft zu finden.“

Ein KOMMENTAR von Dirk Hülser: Reaktion ist verständlich

War das nun der Vorhang in einem Drama mit vier Akten? Zumindest sieht es so aus. Der Göppinger Feuerwehrkommandant hat aufgegeben, seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Augsburg wegen Untreue zurückgezogen. Damit ist er seinen Beamtenstatus los und die Stadt Göppingen muss ihm nun auch kein Gehalt mehr überweisen.

Im ersten Akt wurde der Neue eingestellt, die Freude war groß und die Hoffnung auf ruhige Zeiten bei der Feuerwehr ebenso. Im zweiten Akt dann Hausdurchsuchung und Ermittlungen, im dritten Akt der Prozess in Augsburg samt Urteil – dann quasi als Zugabe ein vierter Akt. Der Feuerwehrchef legt Rechtsmittel ein, geht in die Berufung. Der Akt endet sang- und klanglos: Der Verurteilte zieht die Berufung zurück, akzeptiert die Verurteilung.

Und nun?  Folgt doch noch ein fünfter Akt? Göppingens Oberbürgermeister jedenfalls ist empört über das Verhalten des Mannes und erwägt nun, Schadenersatz einzuklagen oder gleich die ganze Ernennung rückgängig zu machen. Die Reaktion ist verständlich und hat durchaus auch Aussicht auf Erfolg – zumindest mehr, als die Idee, die Stadt Augsburg zu verklagen. Im Sinne der Steuerzahler sollte die Stadt diesen Weg gehen. Vielleicht gibt es dann in der Causa Knobloch doch noch einen Schlussapplaus.

Amtsantritt Harald Knobloch trat die Stelle als Chef der Göppinger Feuerwehr am 1. März 2015 an. Damit endete für die Wehr ein Jahr ohne hauptamtlichen Kommandanten, in der der damalige Stellvertreter Peter Melzer die Aufgabe übernahm – er musste nicht zum ersten Mal einspringen.

Kommandanten Die Wehr hatte eine Phase mit mehreren Kommandantenwechseln und viel Unruhe hinter sich. Zuletzt hatte Armin Becker nach nur 20 Monaten einen anderen Job angenommen. Sein Vorgänger Guntram Vollmer hatte nach jahrelangen internen Querelen seinen Hut genommen, auch Vollmers Vorgänger war nur zwei Jahre im Amt gewesen. Knobloch war bis zu seiner Suspendierung etwa ein Dreivierteljahr im Amt.

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