Fusion der Volksbanken ist geplatzt

Der geplante Zusammenschluss zwischen den Volksbanken Göppingen und Stuttgart ist gescheitert. Beide Institute wollen aber künftig intensiver zusammenarbeiten.

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Die Göppinger Volksbank bleibt Göppingerin: Die Fusionsverhandlungen mit Stuttgart sind gescheitert. Beide Institute wollen aber künftig enger zusammenarbeiten.   Foto: 

Der geplante Deal ist geplatzt: Nach mehrmonatigen Verhandlungen beenden die Volksbank Göppingen und die Volksbank Stuttgart ihre Fusionsgespräche. Das teilte gestern Nachmittag das Göppinger Vorstandsduo Dr. Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein mit. Die Ursachen für das Scheitern bleiben für die Öffentlichkeit unklar. Beide Seiten hätten „kein abschließendes, gemeinsames Zielbild“ finden können, nannten die Banker als Grund für das Aus der geplanten Hochzeit. Weitere Angaben machten sie nicht.

Die Institute hätten jedoch vereinbart, künftig in mehreren Geschäftsfeldern wie dem Kreditgeschäft intensiver zusammenzuarbeiten. Die Vorstände beider Banken machen  deutlich, dass noch nicht aller Tage Abend ist: „Vor dem Hintergrund der mittelfristig zu erwartenden strukturellen Veränderungen in der genossenschaftlichen Gruppe halten wir es unverändert für sinnvoll, die Türen gegenseitig offen zu halten.“

Die Verbindung der Volksbank Göppingen und der Volksbank Stuttgart sollte ursprünglich dieser Tage besiegelt werden. Die außerordentlichen Vertreterversammlungen mit der Abstimmung waren am 15. November in Göppingen und am 20. in Stuttgart geplant. Der Flirt zwischen beiden Banken hatte im Frühjahr dieses Jahres begonnen, im Juli gaben die Führungsriegen beider Häuser – im Einvernehmen mit den Aufsichtsräten – bei einer Pressekonferenz erste Details der geplanten Fusion bekannt und betonten, dass es sich nicht um die Übernahme eines schwächeren durch einen stärkeren Partner handle. Am 1. Januar 2018 sollte die neue Bank starten, bis zum Juni die Konten aller Kunden zusammengeführt werden.

Die euphorische Ankündigung sorgte jedoch von Anfang an für jede Menge Unruhe. Vor allem die Mitarbeiter der Göppinger Volksbank machten sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Für Aufsehen sorgte auch ein Brandbrief des Ex-Vorstandssprechers Dr. Peter Aubin, der scharfe Kritik an den Plänen  – und an den beiden Vorständen Kuhn und Sonnenschein  – übte. Auch so mancher Vertreter sah keine Vorteile für die Göppinger Volksbank.

Kuhn und Sonnenschein betonen in der aktuellen Pressemitteilung, dass die Fusionsverhandlungen „äußerst vertrauensvoll, zielführend und – trotz der unterschiedlichen Institutsgrößen – stets auf Augenhöhe“ verlaufen seien. Anfangs habe man mögliche Chancen und Synergien schnell herausarbeiten können, doch dann habe sich gezeigt, dass der Zeitplan nicht zu halten sei. Die Abstimmung in den Vertreterversammlungen wurde auf Frühjahr 2018 verschoben. Nun ist alles Makulatur. In einem Schreiben an die Vertreter, das der NWZ vorliegt, machen Kuhn und Sonnenschein deutlich: „Wir sehen eine Fusion ganz sicher nicht als Mittel zum Zweck. Aber angesichts der vielfältigen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, halten wir es weiterhin für sehr wichtig, diese Alternative ernsthaft ins Auge fassen zu können.“ Die Vorstände betonen, dass sowohl die Volksbank Göppingen als auch die Volksbank Stuttgart wirtschaftlich gesund seien und unter keinem Fusionsdruck stünden. Dennoch seien die Verantwortlichen beider Banken von der „grundsätzlichen Notwendigkeit“ überzeugt, die genossenschaftlichen Kräfte zu bündeln. „Aus diesem Grund schließen wir eine weitergehende Zusammenarbeit in Zukunft auch nicht aus“, so die beiden Göppinger Vorstände.

„Angesichts der vielen positiven, aber auch kritischen Anmerkungen“ zu den Fusionsgesprächen wollen Kuhn und Sonnenschein die Vertreter nicht nur mit einem Schreiben, sondern zusätzlich mit einer Veranstaltung am 12. Dezember in der Göppinger Volksbank-Zentrale rund um das  Thema Zusammenschluss und die künftige strategische Ausrichtung der Volksbank informieren.

Einer, der sich gestern über das Aus für die Fusionsgespräche mit Stuttgart freute, war der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till: „Ich kenne die Hintergründe nicht. Aber ich begrüße es sehr, dass die Volksbank Göppingen eine Göppinger Bank bleibt“, sagte der Rathauschef, der sich von Anfang an kritisch zu den Plänen geäußert hatte. Das Institut habe von der Größe her das Zeug, als eigenständige Bank für die Kunden vor Ort tätig zu sein.

Ein KOMMENTAR von Susann Schönfelder

Bei vielen Mitarbeitern, Kunden und Vertretern in Göppingen werden die Sektkorken knallen: Die geplante Fusion mit der Volksbank Stuttgart ist vorerst vom Tisch. Vorbei die berechtigte Sorge, dass ein Juniorpartner bei solch einem Zusammenschluss immer den Kürzeren zieht. Aufatmen, weil mit einer solchen Hochzeit Regionalität, eigene Kultur und Identität verloren gehen.

Man muss dem Vorstandsduo Dr. Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein zugute halten, dass sie rechtzeitig die Reißleine gezogen haben, weil die Vorteile einer Fusion mit Stuttgart offenbar nicht überwogen. Doch die zwei Verantwortlichen haben in dem ganzen Prozess keine gute Figur abgegeben: Erst wurde der geplante Zusammenschluss mit vielen Worten
öffentlich angepriesen, an der Machbarkeit kein Zweifel gelassen. Später, als sich abzeichnete, dass die Gespräche doch nicht so rund laufen, wurden die Verhandlungen zur geheimen Kommandosache, was in der Belegschaft für viel unnötige Unruhe sorgte. Die Vorstände ruderten zurück und haben dabei viel Porzellan zerschlagen. Zu  den konkreten Gründen für das Scheitern schwiegen sie auch gestern – das ist kein Ruhmesblatt für eine genossenschaftliche Bank. Ob sie bei einem
neuerlichen Fusionsversuch den Segen der Vertreter bekämen, ist unwahrscheinlich.

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Kommentare

14.11.2017 17:08 Uhr

Purer Egoismus

Wer so eigennützig eine Bank an die Wand fahren wollte wie die beiden- noch Vorstände - hat nichts anderes verdient als öffentliche Häme und Spott. So etwas unprofessionelles und rücksichtsloses muss man erst mal hinkriegen. Und das alles nur um die eigenen Bezüge nochmal kräftig aufzubessern.
Ich hoffe meine Herren Sonnenschein und Kuhn sie haben noch soviel Anstand und nehmen noch vor Weihnachten ihren Hut.

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14.11.2017 12:45 Uhr

Gut so !!

Mehr als Gut So gibts dazu nicht zu sagen - für mich ein Grund meine Anteile weiter zu halten deren Verkauf fest beschlossen, war währe die Fusion zustande gekommen, denn was da teils in den Führungsetagen der Banken beschlossen wird, geht weit an den Interessen der Kunden, Mitarbeiter und besonders hier bei den Volksbanken, die ja genossenschaftlich organisiert sind, an den Interessen der Anteilseigner vorbei. Sicher müssen die Banken schlau rechnen in Zeiten des allgegenwärtigen Niedrigzinses der viele gute Einnahmequellen hat versiegen lassen. Mit immer höheren Gebühren, immer unpersönlicherem Service, Filialschließungen und ähnlichen Dingen wie hier einer unnötigen Fusion handeln Sie gegen die Interessen Ihrer Kunden / Mitarbeiter und Anteilseigner.

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