Von 99 auf noch 9 Mitglieder geschrumpft

Gussenstadt. 

An einem denkwürdigen Tag beging der Viehversicherungsverein Gussenstadt seine Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag im "Lamm": Vor exakt 85 Jahren hatten die Altvorderen den Verein aus der Taufe gehoben und mit diesem Werk gegenseitiger Hilfe Unglücksfälle im Stall mildern können. Der Verlust einer Kuh konnte damals für manchen Kleinlandwirt zur Schicksalsfrage werden. Wie Vorsitzender Rainer Häcker anhand alter Protokolle belegte, hatte noch 1960 ein bäuerlicher Betrieb in Gussenstadt im Schnitt nur 4,6 Milchkühe. Dafür gab es umso mehr Milchviehhalter: Von den einst 99 Mitgliedern haben, wie es am Freitag scherzhaft hieß, neun "überlebt".

Sie tragen das Risiko angesichts der hohen Zahl ihrer gehaltenen Tieren inzwischen selbst. Aktuell verfügt der Verein aber noch über einen Klauenpflegekippstand, einen Hebestand und über ein Erdbohrgerät - Hilfen, die gegen eine geringe Gebühr den Mitgliedern zur Verfügung stehen. Dass die Geräte unentgeltlich verwahrt und gepflegt werden, lobte Häcker ausdrücklich.

Auch etwas Geld gibt es in der gemeinsamen Kasse. Heinz-Georg Jäger listete als Rechner die Kontobewegungen auf, die von HansDieter Prinzing und Georg Staudenmaier geprüft und für "sauber geführt und ordentlich verbucht" befunden worden waren. Auch die Wahlen verliefen reibungslos. Für weitere drei Jahre wurden "Kirchbauer" Rainer Häcker als erster Vorsitzender und Karl-Heinz Bosch als Stellvertreter gewählt.

Nur verhohlen wurde die Frage gehandelt, ob an eine Auflösung des Vereins zu denken wäre. Ortsvorsteher Werner Häcker sprach sich entschieden dagegen aus. Für ihn sind die Versammlungen des Vereins wichtige Gesprächsforen, zumal Ortsobmann Thomas Ruoff nächstens zur Unterhaltung der Feldwege Stellung beziehen muss und seine Kollegen um Vorschläge bat. Engagiert wurden außerdem die Folgen der Insolvenz der Firma Landhandel Zirn für Gussenstadter Landwirte diskutiert. Manche Bauern haben ihren Bedarf an Handelsdünger per Vorkasse geordert. Auch die miesen Milchpreise kamen zur Sprache. Klar war für Rainer Häcker, dass die Preise "nicht mehr passen", wenngleich er das vom Wetter begünstigte Jahr 2009 als "einen großen Segen" empfand. (bi)


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20.03.2010

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