Ulmer Mietspiegel in der Kritik
Ulm / Neu-Ulm. Seit 1. Januar gibt es den neuen Mietspiegel für Ulm /Neu-Ulm. Stadt, Mieterverein und Wohnungsgesellschaften sind mit ihm zufrieden. Der Haus- und Grundeigentümerverein dagegen übt Kritik.
Der Mietspiegel ist ein Gemeinschaftswerk. An ihm arbeiten Mieter- und Vermietervereine sowie Wohnungsgesellschaften mit, UWS und Heimstätte auf Ulmer-, Nuwog und Baugenossenschaft auf Neu-Ulmer Seite. Sie melden Daten an die Stadtverwaltung Ulm, die federführend den Mietspiegel erstellt. Er bildet ab, wie sich die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen im Vergleich zum letzten Mietspiegel aus dem Jahr 2008 entwickelt haben. In diesen vier Jahren sind die Mieten in Ulm und Neu-Ulm um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen.
Alle Mitwirkenden sind froh, einen Mietspiegel zu haben. Er bietet Mietern und Eigentümern Orientierung, er dient in Streitfällen der Befriedung. Dennoch könnte der neue Mietspiegel der letzte dieser Art sein: Der Haus- und Grundeigentümerverein hat angekündigt, in dieser Form nicht mehr mitzuarbeiten.
Dem Verein ist der Mietspiegel zu ungenau. Zwar werden die Mieten nach Größe, Baujahr und Zustand der Wohnung aufgelistet, eine Einteilung in Stadtviertel oder gar Straßen fehlt jedoch. Die Lage sei ein erhebliches Kriterium für den Wert einer Wohnung und die Höhe der Miete, sagt Haus- und Grund-Vorsitzender Reiner Veith. "Die Rasenmähermethode ist nicht trennscharf."
In einem sogenannten qualifizierten Mietspiegel werden solche Kriterien berücksichtigt. Ulm sei außer Karlsruhe die einzige Großstadt in Baden-Württemberg, die sich dem verweigere, bemängelt Veith. Er kritisiert auch, wie der Mietspiegel zustande kommt, "eine Methodik wie im letzten Jahrhundert". Die Daten müssten wissenschaftlich ausgewertet werden. "Wir werden beim nächsten Mal massiv auf einen qualifizierten Mietspiegel drängen", kündigt Veith an und verweist auf einen Mitgliederbeschluss.
Die anderen Partner halten dagegen einen qualifizierten Mietspiegel für unnötig, wie sie kürzlich in einem Pressegespräch sagten. Lediglich der Zeitraum von vier Jahren zwischen zwei Mietspiegeln sei zu lang, zwei Jahre wären besser. Ansonsten aber heißt es etwa bei Heimstätte und UWS: "Wir sind bisher gut gefahren, wir kommen gut klar." Auch der Mietervereinsvorsitzende Martin Rivoir sagt: "Wir sehen keinen Grund, etwas zu ändern."
Die Stadt Ulm sieht das genauso. Vor allem aus finanziellen Gründen. Bisher läuft die Erstellung des einfachen Mietspiegels nebenher, ein qualifizierter würde einen deutlichen sechsstelligen Betrag kosten, sagt Baubürgermeister Alexander Wetzig. Wer soll das bezahlen? "Wir jedenfalls nicht", betont Rivoir vom Mieterverein.
Wetzig hat Zweifel, ob Aufwand und Kosten in einem angemessenen Verhältnis zum Ergebnis stehen würden. Zumal auch ein qualifizierter Mietspiegel nichts aussagen würde über Neuvermietungen, sagt Wetzig. Mieten erhöhten sich häufig gerade dann, wenn eine Wohnung neu vergeben wird.
Der Haus- und Grundeigentümerverein denkt derweil darüber nach, künftig keine Daten mehr zur Verfügung zu stellen. Veith: "Dann wäre das, was zustande kommt, kein Mietspiegel mehr."
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Autor: CHIRIN KOLB | 03.02.2012
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Innenstadtnahe Hanglagen wie der Eselsberg sind sehr gefragt. Ob das Auswirkungen auf die Mieten hat, erfasst der Mietspiegel aber nicht.
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