Ulm/Neu-Ulm, die Schrägstrichstadt
Ulm/Neu-Ulm. Ulm und Neu-Ulm sind ein Kuriosum an der Donau, durch eine Landesgrenze geteilt. Kann zusammenwachsen, was zusammengehört?
Man kennt zum Beispiel Baden-Baden. Oder Garmisch-Partenkirchen. Durchaus auch Idar-Oberstein, Wanne-Eickel, Aix-les-Bains. Lauter Städte mit Bindestrich mittendrin. Wie Neu-Ulm, das seinerseits nach dem Empfinden der Einwohner praktisch eine Stadt mit Ulm ist. Von Ulm-Neu-Ulm nun aber kann in absehbarer Zukunft keine Rede sein. Das ergibt eine Expertise zur Zusammenarbeit beider Städte, die die Haushaltsstrukturkommission in Ulm bei der Stadtverwaltung bestellt hat.
Haushaltsstrukturkommission? Das verrät natürlich gleich, woher der Wind dabei weht, also daher: Kann man nicht vielleicht über eine engere Zusammenarbeit von Ulm und Neu-Ulm lustig Personal einsparen? Nö. Geht so einfach nicht, wie der Ulmer Kämmerer Christopher Eh und seine Leute festgestellt haben. So steht einem gemeinsamen Personalpool schon mal das Tarif- und Beamtenrecht zweier verschiedener Länder entgegen - ganz zu schweigen von der ja immer misstrauischen Personalvertretung . . .
Die Landesgrenze haut weitere Pflöcke ein. Beispiel Stadtarchive: Zusammenlegung gesetzlich unzulässig. Beispiel Lernmittelbeschaffung: Zusammenarbeit bei verschiedenen Lehrplänen nicht sinnvoll, geschweige denn wirtschaftlich. Und für so was wie ihren gemeinsamen Donaudialog haben die Städte selbst die Mittel auf Eis gelegt.
Immerhin rühmt die Stadtverwaltung die Multifunktionshalle Ulm/Neu-Ulm als "Meilenstein der Zusammenarbeit". Und auch sonst sei die Kooperation "außergewöhnlich gut, partnerschaftlich, bewährt und sehr umfänglich" sowie schon im Vorfeld politischer Entscheidungen meist konsensgeprägt. Was auch anderen Organisationen, Verbänden und Einrichtungen als grenzüberschreitendes Vorbild dienen möge.
Es ist wie im zwischenmenschlichen Leben: Vielleicht hat die Partnerschaft stärkere Reize und funktioniert besser als die Ehe. So lautet der württembergisch/bayerische Doppelname weiter Ulm/Neu-Ulm. Immer noch besser als VS-Villingen und VS-Schwenningen, womit die baden-württembergische Doppelstadt Villingen-Schwenningen ihre ambivalente Identität offenbart. Oder was, bitteschön, sollte UN-Ulm und UN-Neu-Ulm bedeuten?
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Autor: JAKOB RESCH | 30.07.2010
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Kerle wie mir! Die Oberbürgermeister verkörpern das gute Verhältnis zwischen Ulm und Neu-Ulm. Foto: Archiv
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