Neue Synagoge am Weinhof: Wer baut?
Ulm. Neun teils sehr renommierte Architekturbüros beteiligen sich am Wettbewerb für eine neue Synagoge. Ergebnispräsentation: heute in zwei Wochen.
Der 22. Januar 2010 könnte in die jüngere Geschichtsschreibung der Stadt Ulm eingehen. Heute in zwei Wochen präsentieren die Israelitische Religionsgemeinschaft in Württemberg und die Stadt Ulm die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbes, zu dem sie gemeinsam neun Büros eingeladen hatten. Die Aufgabe war es, für den nördlichen Weinhof eine Synagoge zu entwerfen; an der Stelle also, die jener gegenüber liegt, an der bis zu ihrer Zerstörung 1938 durch die Nazis die alte Ulmer Synagoge stand.
Mehr als sieben Jahrzehnte später soll das Gebetshaus für die im Hitler-Deutschland schließlich ausgelöschte, inzwischen aber wieder auf 450 Mitglieder angewachsene jüdische Gemeinde also nahe am alten Ort wieder entstehen. Diese Idee kommt von der Stadtspitze, allen voran favorisieren Oberbürgermeister Ivo Gönner und vor allem Ulms Baubürgermeister Alexander Wetzig diese Stätte. Zu ihren Gunsten wurde ein ins Auge gefasster Synagogenstandort an der Wildstraße aufgegeben. Wetzig sieht in einer Synagoge am Weinhof ein "Zeichen, wie eine Stadt sich mit einem Teil ihrer Geschichte auseinandersetzt - Ulmer Geschichte ist auch jüdische Geschichte". Nebenbei, so findet Wetzig, lasse sich mit einem Synagogenbau das städtebauliche Problem lösen, "dass der Weinhof an dieser Stelle ausfranst".
Wer die Szene kennt, liest an den Namen der zur Teilnahme aufgeforderten Architekten Wetzigs Handschrift ab. Er hat Wert darauf gelegt, dass einige bekannte Büros mitmachen, allen voran Stephan Braunfels, der mit zwei Gebäuden in der Neuen Mitte bereits Spuren in Ulm hinterlassen hat; aber auch das Büro Allmann, Sattler, Wappner (München), das bereits mit diversen Architektenpreisen ausgezeichnet wurde, etwa für die Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen; oder das Kölner Büro Kister, Scheithauer, Gross, das die Maria Magdalena gewidmete Betonkirche in Freiburg gebaut hat und die Pauluskirche in Köln-Porz.
Erfahrungen im Sakral- oder Synagogenbau haben auch Alfred Jacoby (Frankfurt a. M.), Joseph Abiry (Stuttgart), Manuel Herz (Köln), Nathan Schächter (Münster) und Büro Schwarz, Jacobi (Stuttgart). Bleibt ein Name, den die Ulmer kennen: Mühlich, Fink und Partner nehmen als Lokalmatadore teil.
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Autor: HANS-ULI THIERER | 08.01.2010
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