Maschinenschuppen soll in Gewerbegebiet

Böhmenkirch.  Bei Bauvorhaben gelten für landwirtschaftliche Lohnunternehmer andere Regeln als für Landwirte, wie jetzt ein Fall in Böhmenkirch zeigt.

Bauanträge für Maschinenschuppen auf freier Flur werden von Gemeinderäten meist kommentarlos abgehakt. In der Regel sind die Antragsteller Landwirte und ihre "Bauvorhaben im Außenbereich damit privilegiert", wie es in Amtsdeutsch heißt. Anders in der Sitzung des Böhmenkircher Gemeinderates am Mittwoch: Dort verweigerte das Gremium die Zustimmung zur Bauvoranfrage hinsichtlich einer 20 mal 60 Meter großen Mehrzweckhalle für land- und forstwirtschaftliche Geräte und Maschinen bei den Heidhöfen. Begründung: Der Bauherr sei zwar in der Landwirtschaft tätig, als "Lohnunternehmer" aber kein Landwirt, sondern Gewerbetreibender.

Und als solcher gehöre er auch in ein Gewerbegebiet - und zwar ein bestehendes, betonten gleich mehrere Gemeinderäte. Sie widersprachen damit Bürgermeister Matthias Nägele. Der wollte dem Antragsteller eine Brücke bauen und das vom Bauherren ausersehene Gebiet am nordwestlichen Ortsrand sogar eigens als Gewerbegebiet ausweisen. Ohne diese Änderung werde das Landratsamt das Bauvorhaben nie genehmigen, eben weil es nicht privilegiert sei, sagte Nägele. Die auf den Heidhöfen wohnende Rätin Ilona Heinzmann gab zu bedenken, dass mit dem neuen Gewerbegebiet "der letzte noch intakte Bereich in den Heidhöfen" zerstört werde. Da der Lohnunternehmer in der Hochsaison bis in die Nacht hinein fahre, fürchtete Heinzmann auch Konflikte mit den Anliegern. Das nächste Wohnhaus wäre 60 Meter vom Schuppen entfernt. Nägeles Einschätzung, der Lohnunternehmer passe nicht in übliche Gewerbegebiete, weil "er viel Gülle fährt und das riecht auch entsprechend", kam gar nicht gut an: "Ins Gewerbegebiet soll der Lohnunternehmer nicht, aber den Anliegern in den Wohnhäusern mutet man den Gestank zu", schimpfte Raimund Bühler.

Nach langer Diskussion wurde die Bauvoranfrage mit 10:5 Stimmen abgelehnt. Dafür einigte man sich mit knapper Mehrheit von 9:7 Stimmen darauf, dem Lohnunternehmer in bestehenden Gewerbegebieten Flächen anzubieten. Ein möglicher Platz wäre Bürgermeister Nägele zufolge hinter der Hackschnitzel-Heizanlage der Firma Binder am Rand des großen Gewerbegebietes in den Heidhöfen.


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Autor: THOMAS HEHN | 10.02.2012

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