"Mappus will Gentechnik"

Alb-Donau-Kreis / Stuttgart.  Ein Antrag der Landesregierung im Bundesrat hat die Gentechnikgegner aufgeschreckt: Sie befürchten, dass die Nulltoleranz für gentechnisch verändertes Saatgut gekippt werden soll. Das Land dementiert.

"Mappus will Gentechnik". Unter dieser Überschrift haben gut 20 Landwirte aus der Region am Montag eine Anzeige in der Zeitung veröffentlicht. Darin äußern sie ihre Befürchtung, dass Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Reinhaltung des Saatguts von Agrogen-Technik aufweichen und diese durch die Hintertüre einführen wolle. Er gefährde die Sicherheit von Landwirten und Verbrauchern und untergrabe die von Agrogen-Technik freie Landwirtschaft, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünscht werde.

Hintergrund ist ein Antrag der baden-württembergischen Landesregierung im Bundesrat, bundesweit einheitliche Regelungen zu finden, wie eventuell gentechnisch verändertes Saatgut labortechnisch nachgewiesen werden kann. Heute ist das Thema im Bundesrat. Gegner der Gentechnik befürchten, dass künftig Saatgut, das mit bis zu 0,1 Prozent gentechnisch verändertem Samen verunreinigt ist, auf die Felder ausgebracht werden darf. Bislang gilt, dass Saatgut schon dann aus dem Verkehr gezogen wird, wenn es minimalste Verunreinigungen aufweist. Alleine die Vorstellung, dass daran gedreht werden könnte, trieb die Gentechnikgegner auf die Barrikaden: Es gab Post- und Mail-Aktionen an Mappus, gestern demonstrierten die Gegner vor dem Landtag in Stuttgart.

Diese Aktionen führten dazu, dass das Landwirtschaftministerium am Dienstag eine Pressemitteilung herausgab. Darin wird betont, dass es bei dem Antrag nicht darum gehe, die Nulltoleranz aufzuheben. Das sei eine Falschinformation. Vielmehr gehe es um eine bundesweit einheitliche, gerichtsfeste Messmethode. Ministeriums-Pressesprecherin Denise Burgert bestätigt: "Es gilt weiter die Nulltoleranz."

So recht glauben mögen die Gentechnikgegner das noch immer nicht. "Wenn dem Land an der Nulltoleranz gelegen ist, dann könnte es alles lassen, wie es ist", sagt Gottfried May-Stürmer, Agrarreferent des BUND-Landesverbands. Auch lasse der Ausdruck "technischer Grenzwert" die Alarmglocken schrillen. "Das ist das, was der Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter, in dem alle großen Saatgut-Konzerne organisiert sind, seit Jahren fordert." Und das sei eben die Regelung, dass 0,1 Prozent Verunreinigung zugelassen werden sollen. Nicht zuletzt habe sich die Agrarminister-Konferenz bereits für eben diesen technischen Grenzwert ausgesprochen. Baden-Württemberg aber habe nicht dagegen gestimmt. Einzig Nordrhein-Westfalen tat dies. "Das macht uns hellhörig." Auch das Problem mit den Messungen sieht May-Stürmer nicht: "DNA-Sequenzen kann man nachweisen."Er rechnet vor: "Kommt die 0,1-Prozent-Grenze, heißt das, dass auf einem Hektar Mais 100 bis 120 gentechnisch veränderte Pflanzen stehen." Und die breiteten sich von Jahr zu Jahr aus: "Unkontrollierbar, in alle Richtungen."

Friedhelm Mickley-Gansloser aus Scharenstetten, einer der Landwirte, die die Anzeige unterschrieben haben, will "die Leute wachrütteln". Komme gentechnisch verändertes Saatgut auf die Äcker, sei das nie wieder rückgängig zu machen. "Wie in den USA." Und mit den gleichen Konsequenzen. Etwa, dass es Unkräuter gebe, die durch Kreuzung mit Genpflanzen Pestizid-Resistenzen entwickelt haben. "Damit sind bereits riesige Flächen zugewuchert, und kein Spritzmittel hilft mehr." Nicht zuletzt gehe es um die Gesundheit der Menschen. Denn auch das habe sich in den USA gezeigt: "Tiere, die mit Gentechnik-Futter ernährt wurden, trugen Gesundheitsschäden davon." Für Mickley-Gansloser ist es keine Frage, dass solche Gesundheitsschäden auch bei Menschen auftreten werden, wenn sie auf Dauer eine bestimmte Menge gentechnisch veränderter Organismen zu sich nehmen.

"Die grüne Gentechnik wird in Deutschland diskutiert wie die Atomkraft von Japan. Und auch hier können die Folgen ungeahnte Ausmaße annehmen", sagt der Landwirt. Die Politik solle endlich akzeptieren und respektieren, dass "85 Prozent der Bevölkerung die Gentechnik ablehnen".


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: HELGA MÄCKLE | 18.03.2011

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr