Grün, so weit das Auge reicht
Neu-Ulm. Die Sträucher haben Knospen bekommen. Im Wiley grünt der Sportrasen. Und im Glacis-Ost blüht der Huflattich auf der Erschließungsbaustelle: Bestandsaufnahme zwei Jahre nach der Landesgartenschau Neu-Ulm.
"Ich bin hier immer noch daheim", sagt die einstige Dauerkartenbesitzerin Hedwig Mehr und zeigt um sich auf das ehemalige Landesgartenschaugelände im Neu-Ulmer Stadtteil Vorfeld. An einigen Stellen blühen Narzissen. Die Tulpen sind bald soweit, und die groß gewordenen Sträucher haben dicke Knospen. Fast jeden Tag dreht die 83-Jährige dort vom Friedhof kommend mit Hilfe eines Gehwagens ihre Runde. "Ich entdecke immer wieder Neues", sagt die alte Dame freudig zu Waltraud Oßwald, der Vorsitzenden des Freundeskreises der Landesgartenschau (LGS) Neu-Ulm. Dieser Förderverein mit seinen inzwischen 88 Mitgliedern, davon einigen aktiven, kniet sich derzeit buchstäblich wieder kräftig rein, um Überbleibsel der Landesgartenschau 2008 zu erhalten.
Gerade im Bereich Vorfeld werden die früheren Beete nach dem langen Winter gepflegt, nachdem der Verein bereits im vergangenen Jahr mehrere tausend Euro für Pflanzen ausgegeben hatte. Anreiz zum Jäten und Hacken ist nun wieder das Frühlingsfest im Mai (siehe Infokasten). An die 4000 Besucher waren 2009 zum ersten Fest gekommen, um im Vorfeld für zwei Tage eine kleine Gartenschau zu erleben.
Während die ehrenamtlichen Helfer beispielsweise auch die Rosen vor der früheren Blumenschauhalle pflegen, kümmern sich Gärtner im Auftrag der Stadt Neu-Ulm um die extra für die Gartenschau in Wellenform angelegten Staudenbeete. Im vergangenen Jahr habe die Stadt auch einige Sommerblüher abgegeben, Privatleute spendeten Geld, und die Neu-Ulmer Volksbank sponserte Blumen für den großen "Vorgarten" der Vorfeldbewohner. Viel mehr wird dort nicht investiert, denn dieses Stadtgrün soll spätestens im Jahr 2015 in ein Wohngebiet umgewidmet werden. Daran möchte Waltraud Oßwald noch gar nicht denken. "Jetzt schon alles verkommen zu lassen, wäre eine Schande."
Denn vor allem am Wochenende würden Bürger auf dem für alle zugänglichen Gelände spazieren gehen oder auf den Bänken sitzen, berichtet sie. Nur der Bereich um die Holzremisen - zu Zeiten der LGS von Gastronomie und Gartenmarkt genutzt - ist noch eingezäunt, um die Gebäude vor Vandalismus zu schützen. Außerhalb des Zaunes würden leider Jugendliche mit ihren Fahrrädern über die Beete fahren, Unbekannte zerstörten Blumenkübel. Dabei ist die grüne Insel gar nicht so abgelegen: In der Nachbarschaft sind die Imker und die Senioren in ihren Schau-Gärten noch rege, und auf dem einstigen Abenteuer-Grundstück des BUND werden Kleingärten neu angelegt.
Grün, so weit das Auge reicht, ist es bereits im ehemaligen Gartenschauabschnitt Wiley im Sport- und Freizeitpark. Er ist jedoch nicht allein der Gartenschau zu verdanken, denn auf Sportflächen und Baumalleen hatte schon die US-Armee auf ihrem weitläufigen Kasernengelände Wert gelegt. Die heutigen Flächen wie Picknickwiese und Rasenspielfeld werden vom städtischen Betriebshof gepflegt. Genauso kümmern sich die Männer, dass die "Stars-and-Stripes-Beete" wieder rot-weiß blühen. Sobald es die Temperaturen erlauben, können die Kinder auf dem Wasserspielplatz toben, sagt der Neu-Ulmer Hauptamtsleiter Anton Bullinger. Und für Jugendliche, beziehungsweise Erwachsene gibt es im Bereich des Allwetter-Sportplatzes mit grüner Liegewiese zwei Großveranstaltungen: eine Feuerwerker-Champions-League und ein Rockkonzert (wir berichteten).
Auf dem dritten Geländeteil der ehemaligen LGS, dem Glacis-Ost in der Nähe des Bahnhofs, endet die Grüne Brücke mit dem alten Baumbestand des Glacis-Waldgürtels und Rasensenken samt Ritterspielplatz. Diese grüne Lunge bleibt, wenn dort das Projekt "Wohnen am Glacis-Park II" beendet ist. Im Moment laufen die Erschließungsarbeiten, sagt Bullinger. Von den insgesamt vier Baufeldern hat Wohnbau-Unternehmer Inhofer zwei gekauft. Dort sollen ein Studentenwohnheim, Seniorenwohnungen sowie sonstige Wohnungen entstehen. Die beiden anderen Baufelder kämen erst 2013/2014 auf den Markt. Bis es soweit ist, wird auf der freien Fläche ein Beachvolleyballplatz angelegt. Eröffnung ist im Juni mit einem Turnier.
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Autor: CAROLIN STÜWE | 16.04.2010
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In ihrer Freizeit bepflanzen Mitglieder des Landesgartenschau-Freundeskreises die früheren Beete der Landesgartenschau. Foto: Maria Müssig
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