Erheblich mehr Mittellose im Frauenhaus
Ulm. Mutter sein und finanziell abhängig vom Partner oder vom Staat - da bleibt als Zuflucht vor häuslicher Gewalt oft nur das Frauenhaus. Zunehmend.
89 Prozent der Frauen, die im Frauenhaus Schutz gesucht haben, leben von Arbeitslosengeld I oder II. So viele wie nie zuvor in den Vorjahren, berichtet Angelika Glaschick, die Geschäftsführerin des Trägervereins Frauen helfen Frauen. Den "erheblichen Anstieg" begründet sie mit der schlechten Arbeitsmarktlage im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass viele Frauen (64 Prozent) mit Kindern ins Frauenhaus kamen. Für Frauen ohne eigenes Einkommen ist diese anonyme Einrichtung oft die einzige Möglichkeit, der häuslichen Gewalt zu entkommen.
Der Anteil der Bewohnerinnen mit ausländischem Pass ist auch 2009 weiter zurückgegangen. Sie machen mittlerweile nur noch die Hälfte aus. Allerdings hatten viele der Frauen mit deutschem Pass einen Migrationshintergrund.
Durchschnittlich blieben die Frauen 61 Tage im Frauenhaus - deutlich kürzer als in den Jahren zuvor. Die Hälfte der Bewohnerinnen war nach weniger als einem Monat bereits wieder ausgezogen: in eine eigene Wohnung, zurück zum Partner, zu Eltern oder Freunden. Der rasche Wechsel verlangt den Mitarbeiterinnen einiges ab, denn gerade in der ersten Zeit ist der Beratungsbedarf in psychosozialer und rechtlicher Hinsicht besonders hoch.
Der Verein Frauen helfen Frauen betreibt auch die Frauenberatungsstelle. 176 Frauen nutzten diese Beratung wegen häuslicher oder sexueller Gewalt. Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, suchen hauptsächlich psychosoziale Hilfe: Missbrauchserfahrungen, Grenzverletzungen und Erniedrigung haben körperliche und seelische Auswirkungen. Auch Angehörige, Partner und Freundinnen nutzen die Beratungsstelle, um für die betroffene Frau und für sich selbst Unterstützung zu holen. Zusätzlich bietet der Verein Gruppen an für Frauen, die sexuell missbraucht wurden.
Viele Frauen wollten Informationen über das Gewaltschutzgesetz oder über das Strafgesetz. 30 Prozent der Ratsuchenden hatten Anzeige wegen sexueller Gewalt erstattet. Die Mitarbeiterinnen des Vereins unterstützen auch im Strafverfahren: Sie informieren über das, was die Frau erwartet, begleiten sie zur Polizei, zu Anwälten, zu Ärzten, zum Prozess. "Dieser Arbeitsschwerpunkt ist seit Mitte 2010 finanziell nicht mehr abgesichert", sagt Glaschick. Denn der Zuschuss der Landesstiftung Opferschutz ist weggefallen. Das bedeutet, dass der Verein für diesen Bereich vermehrt auf Spenden angewiesen ist.
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Autor: CHIRIN KOLB | 03.09.2010
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