Dem "Sky-Eye" entgeht nichts

Amstetten.  Ein UFO schwebt derzeit über Amstetten: Doch in der fliegenden Untertasse sitzen keine Außerirdischen. Mit dem "Sky-Eye" werden Luftaufnahmen für die gesplittete Abwassergebühr gemacht.

Langsam schiebt Thomas Schönbucher den Gasknüppel an seiner Fernsteuerung nach vorne, und schon beginnen sich die sechs Rotoren am "Sky-Eye" zu drehen. Immer schneller. Dann hebt das zwei Kilogramm schwere Fluggerät mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern ab. Einem UFO ähnelnd schraubt sich der Mikrokopter in die Höhe - Schönbucher kann seine Finger wieder von der Steueranlage nehmen. "Ich bin eigentlich nur zum Starten und zum Landen da", erklärt der Modellpilot. Alles andere übernimmt nun ein GPS-gestütztes Flugprogramm.

Zusammen mit Moritz Zumdick ist Thomas Schönbucher in dieser Woche in Amstetten unterwegs, um mit dem "Sky-Eye" Luftaufnahmen zu machen, die den Versiegelungsgrad der Grundstücke dokumentieren. Diese Erhebung ist für die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr erforderlich (wir berichteten). Beauftragt worden hierfür sind die beiden Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart vom Institut für innovatives Bauen aus Schwetzingen.

Um möglichst effizient zu arbeiten, unterteilen Zumdick und Schönbucher ihr Zielgebiet in Sektoren. In Amstetten-Dorf sind es deren 16. Hierfür haben sich die beiden Studenten entsprechendes Kartenmaterial besorgt - etwa bei Google Earth. Anhand der Aufnahmen wählt Moritz Zumdick am Laptop einzelne Punkte (Grundstücke) aus, die der Mikrokopter in 90 Metern Höhe computergesteuert selbstständig anfliegt. Selbst Winde mit einer Stärke bis zu acht Knoten bringen den "Sky-Eye" nicht aus der Bahn. Wie von Geisterhand gelenkt, findet das "Himmelsauge" das vorgegebene Objekt. Dann löst Thomas Schönbucher mit einem Schalter an der Fernsteuerung die Kamera in der Drohne aus, die ein gestochen scharfes Bild schießt. Pro Grundstück werden im Schnitt drei Fotos benötigt, um aussagekräftige Daten zu erhalten.

Nach fünf Minuten hat das "Sky-Eye" den ihm zugewiesenen Sektor abgeflogen und dabei rund 50 Bilder gemacht. Dann geht dem Mikrokopter die Puste aus - oder besser gesagt dem 5000 Milliampere-Akku. Thomas Schönbucher bringt das Fluggerät wieder auf den Boden. Den Akku schließt er sofort an eines der Ladegeräte an, die auf der Rückbank des Autos liegen und die von einer großen Lkw-Batterie gespeist werden. Insgesamt sieben Akkus haben die beiden Modellflieger dabei. Das reicht, um das "Sky-Eye" ohne größere Ladepausen in die Lüfte zu schicken.

Die Befliegung sorgt für Interesse in der Bevölkerung. Wo auch immer Moritz Zumdick und Thomas Schönbucher mit ihrem ungewöhnlichen Flieger aufkreuzen, sind ihnen die neugierigen Blicke der Amstetter sicher. "Die meisten wissen schon Bescheid, was wir machen", sagt Zumdick und verweist auf die umfassende Berichterstattung in unserer Zeitung im Vorfeld der Aktion. Das war nicht immer so: Vor Amstetten haben die beiden Studenten schon die Gemeinde Schönberg beflogen. Doch dort sind die Studenten eher misstrauisch empfangen worden. Ein Bürger habe die Polizei gerufen, andere befürchteten gar, dass sie mit ihrem Fluggerät lohnende Objekte für Einbrüche ausspionieren wollten.

Was auf ihren Luftbildern im Detail zu sehen ist, interessiert Schönbucher und Zumdick kaum. Wichtig sei nur, dass die Fotos scharf seien und somit für die Erhebung taugen. "Wir schauen sie uns nicht am Abend noch einmal an, ob irgendwo jemand zu sehen ist", erstickt Thomas Schönbucher jegliche voyeuristische Absicht im Keim. Dafür haben die beiden auch schlichtweg keine Zeit. Schließlich produzieren sie rund 1500 Bilder am Tag. Mit den Flügen über Amstetten samt aller Teilorte wollen die Studenten noch in dieser Woche fertig werden, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Dann haben sie etwa 8000 aktuelle Luftaufnahmen im Kasten, die für die Auswertung der Versiegelungsflächen herangezogen werden können.


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Autor: RALF HEISELE | 29.07.2010

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