Theaterstück: Ein Zimmermann mit Herz und Hand

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Im Theaterstück „Mit Herz und Hand“ baut Zimmermann Richard Betz alias Paul Ballmer auf der Bühne eine Brücke nach dem Vorbild von Leo­nardo Da Vinci.  Foto: Markus Sontheimer  Foto: 

Mit dem Theaterstück „Mit Herz und Hand“ gastierte Richard Betz am Mittwoch in der Geislinger Daniel-Straub-Realschule. 18 Monate arbeitete Richard Betz mit drei Schulen, einer Regisseurin und einer Autorin aus dem Jugendtheaterbereich an ,,Mit Herz und Hand‘‘. In diesem Ein-Mann-Theaterstück geht es um den von Richard Betz gespielten Paul Ballmer, der zunächst durch Betrug und Körperverletzung im Gefängnis landet, doch sich ausgerechnet dort viele Gedanken macht und schließlich seinen Traumberuf findet: Zimmerer.

Als Paul sich den Traum erfüllt und seine eigene Zimmerei aufmacht, kam die Frage, ob er sich denn vorstellen könnte, einen Vortrag vor Schülern zu halten. Das lehnt er zuerst ab. Dann entschied er sich aber doch dazu, Jugendlichen den handwerklichen Beruf näherzubringen – nicht in trockenen Vorträgen, sondern in Aktion.

Paul schwärmt von Leonardo Da Vinci und möchte deswegen eine Brücke bauen, die der italienische Künstler einst auf einem Blatt Papier entworfen hatte. Positiv wirkte sich auf das Publikum aus, dass es zuschauen konnte, wie Paul am Holz arbeitet. Dies machte Richard Betz aber nur zur Veranschaulichung, die Brücke hatte er komplett ohne Nägel und Schrauben zusammengebaut, stattdessen stecke er das Holz einfach zusammen.  Am Ende durfte jeder Schüler, wenn er wollte, über die Brücke laufen oder die Brücke mit anderen Schülern auseinanderbauen und wieder zusammenstecken.

Auf die Frage, was Betz mit diesem  Theaterstück bei den Schülern erreichen wolle, antwortet er: „Ich möchte den Schülern einen Einblick in einen Beruf geben, welcher einem nicht gleich in den Sinn kommt, wenn man an seine Zukunft denkt. Ich möchte den Jugendlichen auch den handwerklichen Beruf näherbringen, denn man hat schließlich nach der Lehre noch weitere Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel studieren, den Meister machen oder die Initiative ergreifen und sich selbstständig machen. Wobei ich studieren nicht unbedingt notwendig finde, denn eine Lehre ist mindestens genauso gut.‘‘

Wenn Richard Betz Schüler fragt, ob sie wissen, was ein Zimmerer in seinem Beruf macht, haben die meisten keine Ahnung oder verwechseln die Tätigkeiten mit anderen Berufen wie zum Beispiel Schreiner.

Betz’ Theaterstück beruht teils aus Illusionen, teils aus wahren Begebenheiten. So berichtet er von seiner Jugendliebe Anna, mit der auch im echten Leben verheiratet ist und zwei gemeinsame Töchter hat.

Zunächst hatte Richard Betz Architektur studiert, sich danach aber für eine handwerkliche Lehre entschieden. Zusammen mit einem Freund kaufte er eine alte Mühle und restaurierte sie. Seit vielen Jahren hat er nun eine eigene Zimmerei und über zwanzig Lehrlinge ausgebildet.

,,Finde dich heraus und du erfindest dich selbst‘‘, war ein Satz, über den jeder Schüler nachdenken sollte. In seinem Jugendalter wusste Richard wie viele andere Jugendliche nicht, wie es nach der Schule weitergehen sollte und rät jedem Jugendlichen Erfahrungen zu sammeln und nicht bei einem kleinen Hindernis sofort aufzugeben.

Man solle nicht erst danach schauen, wie viel Geld man verdient, sondern darauf achten, dass es einem Spaß macht. Er fragte die Schüler, ob sie überhaupt einen Traumberuf hätten, und die wenigsten hatten einen.

In seinem Stück erzählt er von einem sogenannten Wanderbuch: es funktioniert wie ein Poesie­album. Nach dem Abschluss geht man eine Weile weiter weg – Richard Betz war damals in Kanada – und Menschen, die man auf dieser Reise trifft, schreiben in das Buch hinein. Laut Betz sind diese Sprüche und Texte die beste Aufmunterung die es gibt, wenn man traurig ist. Jedes mal, wenn Richard eine Aufführung vor Schülern hatte, durfte jeder der wollte, etwas hineinschreiben, und inzwischen hat er drei Wanderbücher voll.

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