Zerstörung der Hiltenburg war „Unfall“

Vor genau 500 Jahren erlebte die Hiltenburg ihren letzten Sommer. Dann fiel sie der „Wutherey“ des Herzogs Ulrich von Württemberg zum Opfer.

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Herzog Ulrich von Württemberg habe sich auf einem „privaten und politischen Amoklauf“ durch die württembergische Geschichte befunden, erklärte Kreisarchivar Dr. Stefan Lang bei der Eröffnung zur Ausstellung über die Zerstörung der Hiltenburg im Bad Ditzenbacher Haus des Gastes. Zu den „Highlights“ des Württembergers gehören zum Beispiel die Niederschlagung eines Bauernaufstands, der unter anderem durch die von dem verschwenderisch lebenden Ulrich angeordnete Steuererhöhungen angefacht wurde; die Erschlagung des Rittmeisters Hans von Hutten, dem Geliebten seiner Ehefrau Katharina, die schließlich vor ihrem Gatten nach Bayern flüchtete und die Hinrichtung der Vögte von Tübingen und Cannstatt wegen Hochverrats, weil sie sich nach der Ermordung von Huttens angeblich an den Kaiser gewandt hatten.

Am 11. Oktober 1516 verhängte Kaiser Maximilian die Reichsacht über den Herzog, die allerdings nicht rechtskräftig wurde. Denn am 22. Oktober einigten sich Abgesandte des Kaisers und der Herzog einvernehmlich mit dem sogenannten Blaubeurer Vertrag. Die Ächtung wurde aufgehoben  Herzog Ulrich konnte also weiterhin sein Unwesen treiben. Für die Hiltenburg, die sich damals im Besitz von Graf Ulrich von Helfenstein und seiner Gattin Katharina befand, sollte dieser Umstand bald fatale Folgen haben.

Auf dem Weg zu den Verhandlungen in Blaubeuren zog der Herzog mit seinem Heer durch das Obere Filstal, berichtete dann Kreisarchäologe Reinhard Rademacher. Dabei sollen die Württemberger die Besatzung der Hiltenburg verbal provoziert haben. Auf dem Rückweg aus Blaubeuren lagerten die Truppen des Herzogs  schließlich über Nacht in  Gosbach. Plötzlich wurden aus der Hiltenburg  Kanonen abgefeuert. Einer dieser „Ehrenschüsse“ schlug in ein Gosbacher Wirtshaus ein, wo sich Männer des Herzogs  aufhielten. Herzog Ulrich wertete das provokante Verhalten der Burgwächter als Aggression und befahl seinen Truppen die Einnahme der Hiltenburg. Gräfin Katharina übergab die Burg nach Gesprächen mit dem Herzog ohne Widerstand der Helfensteiner. Dieses Zugeständnis reichte dem Herzog von Württemberg jedoch nicht aus. Er verlangte das Öffnungsrecht der Burg für Württemberg, welches es ihm unter anderem erlaubt hätte, auf der Hiltenburg auf Kosten der Helfensteiner einen militärischen Stützpunkt einzurichten.

Damit war Graf Ulrich, der nicht persönlich anwesend war, sondern sich in Lindau befand, um einen Beinbruch auszukurieren, jedoch nicht einverstanden. Daraufhin drohte der Herzog damit, die Hiltenburg als „verdächtiges und feindseliges Gebilde“ anzünden zu lassen. Katharina versuchte ihn mit Unterstützung anderer einflussreicher Adliger umzustimmen. Alle Bemühungen blieben erfolglos. Herzog Ulrich betonte  mehrfach, „der von Helfenstein habe ihm etwas angetan, was ihm noch leid tun würde.“ In der Nacht zum 10. Dezember ließ der Herzog die Hiltenburg niederbrennen. Aus  finanziellen Gründen wurde sie nie wieder aufgebaut. Stattdessen errichteten die Helfensteiner ein neues, zeitgemäßes Schloss in Wiesensteig.

Eine Entschädigung erhielten die Helfensteiner nicht – obwohl Kaiser Maximilian die Vernichtung der Hiltenburg als schweren Landfriedensbruch einstufte. Selbst als Herzog Ulrich den Bogen 1520 durch die Eroberung der Freien Reichsstadt Reutlingen endgültig überspannt hatte und wirklich geächtet wurde, änderte sich daran nichts. Es kam später sogar noch schlimmer: 1534 gelang es dem Herzog, seine Ländereien von den Habsburgern zurückzuerobern und Graf Urich musste erneut seine Loyalität zum Herzog bekunden. Die Zerstörung der Hiltenburg wurde fortan offiziell als „Unfall“ behandelt.

Info Die Ausstellung „Wutherey – Die Zerstörung der Hiltenburg“ ist noch bis zum 16. Oktober im Bad Ditzenbacher Haus des Gastes zu sehen. Am 19. und 20. August gibt’s Nachtführungen auf der Hiltenburg.

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