Zeitloses Lehrstück zum Pazifismus

Die Schauspielerin Lisa Wildmann hat am Donnerstag bei der Geislinger Rätsche Berta von Suttners Antikriegsroman "Die Waffen nieder" als Schauspiel gezeigt. Ein zeitloses Stück Pazifismus.

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Tolle Darstellung: Lisa Wildmann als Martha im Theaterstück "Die Waffen nieder" bei der Rätsche in Geislingen.  Foto: 

"Oh, Jeanne d'Arc - du himmelsbegnadete Heldenjungfrau, könnt' ich sein wie du! Die Oriflamme schwingen, meinen König krönen und dann, sterben - für das Vaterland, das teure". Die 17-jährige Martha Althaus, Tochter eines Generals, hat die Werte ihrer vom Militarismus im Österreich Mitte des 19. Jahrhunderts geprägten Welt und Erziehung verinnerlicht. Das Einzige, was die verwöhnte Adelige bedauert, ist, nicht als Knabe geboren zu sein, nicht mitmischen zu dürfen bei Krieg, Eroberung, Siegen, Heldentum.

Der Regisseur Nikolaus Büchel und die Schauspielerin Lisa Wildmann haben Berta von Suttners 400-seitigen Roman "Die Waffen nieder" in ein intensives 80-Minuten-Stück gepackt. Am Donnerstag war es in der Reihe "Geislinger Kulturherbst" in der Rätsche zu sehen - vor vollem Haus. Drei Schulklassen haben sich das Einpersonenstück nach dem 1889 erschienenen Roman, für den Berta Suttner 1905 den Friedensnobelpreis erhielt, angesehen.

Die Aufmerksamkeit der Schüler während der Aufführung und ihr begeisterter Applaus an deren Ende zeigten, dass es trotz seiner angestaubten Sprache und der veränderten gesellschaftlichen Umstände ein zeitloses Stück gegen den Irrsinn des Krieges geblieben ist.

Daran hat Lisa Wildmanns überzeugende Präsenz großen Anteil, und auch die kurzweilige, konzentrierte Inszenierung, die doch Raum für Gefühle lässt. Die Bühne in der Mitte des Raumes, bei der die Zuschauer das Gefühl haben, mitten im Zimmer zu stehen, im Ballsaal, auf dem Schlachtfeld.

Lisa Wildmann zeigt die Entwicklungsgeschichte Marthas eindringlich, sensibel und selbstbewusst. Die junge, kluge, interessierte Frau heiratet standesgemäß, bekommt einen Sohn und verliert, 19-jährig, ihren Mann, den Husaren Graf Arno Dotzky, während der Schlacht von Solferino.

In den folgenden Jahren erlebt sie - und die Zuschauer in den inneren Monologen und vorgetragenen Tagebuchaufzeichnungen mit ihr - einen inneren Bruch mit den Normen ihrer Zeit, dem allgegenwärtigen Kriegsrausch.

Sie liest Bücher, die den herrschenden Kriegsbegriff hinterfragen. Sie nimmt ihrem Sohn die Bleisoldaten weg. Sie widerspricht ihrem Vater, dem General, der sich einen "frischen, fröhlichen Krieg" wünscht. Und sich vor dem "drohenden Frieden" fürchtet. Sie lernt den sensiblen Offizier Friedrich Tilling kennen, der sie versteht und unterstützt. Doch auch ihn verliert sie. Er wird der Spionage angeklagt und erschossen.

Lisa Wildmann nimmt das Publikum entschlossen mit auf diese Entwicklungsreise. Sie setzt sich zu den Zuschauern in die Stuhlreihe, spricht sie mitunter an, erzählt mit Überzeugung ihre Geschichte. Nur einen Kostümwechsel - das weiße Kleid gegen ein lilafarbenes - gibt es, symbolträchtig wie die wenigen Requisiten: Bleisoldaten, ein Buch, eine Landkarte, die ihr als Dartscheibe dient. Ein Pferd - das Sportgerät - auf dem, unter anderem, geritten wird.

Großer Applaus für ein gelungenes Lehrstück, zeitlos und wunderbar in Szene gesetzt.

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