Workshop macht Studenten fit für Fahrzeugtechnik

Damit das Auto kein Mysterium bleibt und ein Reifenwechsel selbst größten Laien locker von der Hand geht, gibt’s beim Geislinger Automobilsommer den Workshop „Do it yourself“.

|
Ohne Praxis ist alle Theorie nichts: Beim Workshop müssen die Studenten unter anderem den Ölstand messen, Matthias Pfeifle vom TÜV erklärt ihnen, wie es geht.  Foto: 

Hochsommerliche Temperaturen, laute Motorengeräusche und der Geruch von Öl: Der Geislinger TÜV ist am Dienstagabend Schauplatz für den sechsten Automobiltechnik-Workshop der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), zugleich Teil der laufenden Veranstaltungsreihe „Geislinger Automobilsommer“. Motto des Workshops: „Do it yourself“.

Auf den Weg in die wunderbare und vor allem für Laien unverständliche Welt des Automobils und seiner Technik machen sich 18 Studenten und Studentinnen. Im ersten Teil des Abends bekommen sie Einblicke in die Theorie der Automobiltechnik. „Ein Pkw besteht immer aus einer Karosserie und einem Antriebsstrang“, erklärt Manuel Adam, der im dritten Semester Automobilwirtschaft studiert. Eine Karosserie ist der Mantel des Autos. Dazu gehören zum Beispiel die Türen und das Dach. Der Antriebsstrang besteht aus einem Motor, dem Getriebe, einer Antriebswelle, einem Hinterachsdifferential, den Reifen und Stoßdämpfern. In diesem Antriebsstrang werden Luft und Kraftstoff in Bewegungsenergie, Wärme und Abgase, wie Kohlenstoffdioxid, umgewandelt. „Die Drehbewegung des Motors setzt sich in die Bewegung der Reifen um, sodass sich das Auto bewegt“, erklärt Adam.

Damit der Motor überhaupt anspringt, dafür braucht es den sogenannten Starter. Der setzt die Verbrennung des Kraftstoffes in Gang, damit sich der Motor dann von selbst weiterdrehen kann. „Man sagt ja immer, dass ein Motor läuft“, sagt Adam, „dabei hilft der Starter. Ohne ihn kann ein Auto nicht losfahren“.

Um die Leistung eines Autos zu steigern, sprich: damit es schneller fährt, wird oftmals ein Abgas-Turbolader in den Motorblock eingebaut. Dieser Turbo – vereinfacht gesagt eine mit den Motorabgasen angetriebene Turbine, die einen Verdichter anttreibt – dient dazu, die Außenluft in verdichteter Form in den Verbrennungsmotor zu befördern. Das bedeutet mehr Sauerstoff für die Verbrennung und damit mehr Leistung. „Die Aussage, dass ein Auto mit Turbogeschwindigkeit fährt, stimmt also“, erklärt Adam. Manche Motoren schaffen mit dem Abgas-Turbolader bis zu 200 000 Umdrehungen pro Minute, diese kosten dabei allerdings 3000 Euro oder mehr.

Damit der Pkw rund läuft, gibt Adam seinen Eleven einige Basics mit: Das Wichtigste sei, den richtigen Kraftstoff im Tank zu haben – und davon in ausreichender Menge. Ob Benzin, Diesel, Erdgas oder Autogas verwendet werden muss, kann man auf dem Tank­deckel ablesen. Außerdem muss auf den richtigen Motorölstand und die Dickflüssigkeit des Öls geachtet werden. Das Motoröl dient zur Schmierung, Reinigung, Kühlung, Korrosionsschutz und zur Geräuschdämpfung.

Wichtig ist zudem, dass immer genug Kühlmittel vorhanden ist, weil sich der Motor während dem Fahren erhitzt und gekühlt werden muss. „Benutzt nie nur pures Wasser als Kühlmittel, denn das schadet dem Motor und er rostet schnell“, mahnt Adam.

Er erklärt zudem, dass die Reifen eines Wagens immer eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern haben müssen und der Luftdruck im Reifen besser zu hoch als zu niedrig sein sollte, damit sich der Reifen gleichmäßiger abnutzt.

Wer diese Dinge beachtet, sagt Adam, der sollte  bei der alle zwei Jahre erfolgenden Hauptuntersuchung beim TÜV keine Probleme bekommen. „Dort werden die Teile untersucht, die zur Verkehrssicherheit des Fahrzeugs beitragen“, erklärt Adam abschließend.

Nach der trockenen Theorie dürfen die Studenten ihr soeben erlerntes Wissen in die Praxis umsetzen.

Diesen Praxistest begleiten die beiden TÜV-Mitarbeiter Heiko Frey und Matthias Pfeifle. Die Aufgabe: Den Ölstand sowie den Stand der Kühlflüssigkeit prüfen. „Wenn wir diesen Behälter jetzt öffnen, müssten wir ein Zischen hören, weil die Kühlflüssigkeit direkt nach dem Fahren unter großem Druck steht“, erklärt Pfeifle. Der rät, nach dem Fahren erstmal einige Minuten zu warten, um Ölstand und Kühlflüssigkeit zu prüfen, um – ganz pragmatisch – Verbrennungen zu vermeiden, außer dem um kein verfälschtes Ergebnis zu bekommen.

„Macht es einen Unterschied, ob man Markenöl oder ein No-Name-Produkt kauft?“, fragt einer der Studenten. Pfeifle rät grundsätzlich von den unbekannten Billigprodukten ab, da man mit dem Markenprodukt das Risiko vermeide, sich am Auto einen Motorschaden einzuhandeln, „damit ist man auf der sicheren Seite“.

Beim anschließenden Reifenwechsel müssen alle zwölf Studentinnen und sechs Studenten Hand anlegen. Jeder darf einmal die Radschrauben anziehen und lösen.

Zum Abschluss bekommt die Gruppe noch einen Eindruck, wie sich das Bremsen anfühlt, wenn die Bremsen kaputt sind. „Seht ihr, da tritt man richtig ins Leere“, sagt Pfeifle.

Der Workshop hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck bei den Teilnehmern: „Ich fand es richtig hilfreich“, sagt eine der Studentinnen: „Ich habe an dem Workshop teilgenommen, weil man ja nie wissen kann, was auf der Straße passiert. Und da ist es doch sinnvoll zu wissen, wie man einen Reifen richtig wechselt.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Jugendredaktion

Die jungen Journalisten der Geislinger Zeitung schauen aus verschiedenen Blickwinkeln auf unsere Kultur und Gesellschaft.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ein guter Ort für Kinder mit Behinderungen

Der Schulkindergarten der Lebenshilfe unterstützt Kinder mit Behinderung durch gezielte Förderung beim Start ins Leben. weiter lesen