WIR FÜR SIE: Warum wir keinen Namen nennen

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Amtliche Lebensmittelkontrolleure entdecken bei einer Routineüberprüfung ekelerregnde Zustände in einem Döner-Imbiss in Geislingen und schließen ihn - und informieren die GEISLINGER ZEITUNG. Die berichtet darüber, aber ohne Lesern, Kunden und Verbrauchern zu sagen, um welchen Imbiss es sich handelt. Warum nennt die GZ nicht Ross und Reiter? Diese Frage haben uns etliche Leser nach Veröffentlichung der Imbiss-Meldung gestellt. Stellvertretend sei aus der E-Mail von Ernst Rothleitner und Irmgard Suldinger aus Geislingen zitiert:

"Es ist uns unverständlich, dass in ihrem Bericht keinerlei Hinweis auf den Standort vorkommt!!!!! Wie soll sich der Verbraucher vor solchen Zuständen schützen, wenn er nicht l ü c k e n l o s informiert wird???? Falls der Imbiss demnächst wieder eröffnet wird, ist der Betreiber bestimmt von Grund auf geläutert. Zumindest bis zum nächsten Mal ... Guten Appetit." Das Anliegen scheint völlig berechtigt zu sein - zumindest auf den ersten Blick.

Zunächst: Die amtlichen Kontrolleure teilen in solchen Fällen nie Name und Adresse eines Ekel-Imbisses mit, einer Gastätte, einer Bäckerei oder eines Lebensmittelbetriebs, der sich etwas hat zuschulden kommen lassen. Es sei denn, man kann durch eine Rückrufaktion zum Beispiel von verunreinigten Lebensmitteln noch Schaden abwenden. In ähnlicher weise schützt zum Beispiel die Polizei die Identität eines mjutmaßlichen Straftäters, es sei denn es wird nach ihm gefahndet.

In einigen angloamerikanischen verfahren Polizei und Medien ganz anders: Da wird jeder ertappte Dieb mit Namen in der Zeitung genannt. Erst recht ein Lokal, in dem unhygienische Zustände herrschen.

Bei uns werden das Informationsinteresse der Öffentlichkeit und der Persönlichkeitsschutz des Einzelnen anders gewichtet, weshalb hierzulande andere juristische und presserechtlich verbindliche Bestimmungen gelten: Auch wenn wirs wüssten, welcher Döner-Imbiss dicht gemacht wurde, dürften wir es nicht schreiben.

So ist die Rechtsauffassung: Es gibt Behörden, deren Aufgabe es ist, Gaststätten zu überprüfen und einzuschreiten, wenn gegen Hygienevorschriften verstoßen wird. Diese Behörde trifft dann kraft Amtes die im Einzelfall nötigen Anordnungen: Schließung bis nach einer Generalreinigung, Wiedereröffnung nach erneuter Kontrolle, Bußgeld, womöglich dauerhafte Schließung, Entzug der Konzession, Anzeige und Gerichtsverhandlung.

Das soll es dann mit der Strafe gewesen sein. Die Justiz straft, nicht Presse und Öffentlichkeit. Es darf nicht eine weitere, schlimmere Strafe hinzukommen, dass jemand - namentlich bekannt gemacht - auf Dauer keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt und in seiner wirtschaftlichen Existenz ruiniert wird.

Roderich Schmauz, Redaktionsleiter der GEISLINGER ZEITUNG

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