Willi Weid hat keine Zeit für Abschiedstränen

Nach 37 Jahren als Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Geislingen verabschiedet sich ­ Ernst-Wilhelm Weid am 30. Juli in den Ruhestand.

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Der scheidende Geschäftsführer Willi Weid (Zweiter von links) mit Ehrenamtlichen im Diakonieladen.  Foto: 

Ernst-Wilhelm Weid freut sich auf seinen Ruhestand. „Ich habe meinen Beruf gerne ausgeübt. Aber ich werde ihn nicht vermissen. Alles hat seine Zeit“, sagt er.

37 Jahre lang war der 65-Jährige, den die meisten Willi nennen, als Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Ansprechpartner für Menschen in Not. Zufrieden zählt er auf, welche Hilfe ihnen zuteil wird: „Wir können Menschen sowohl bei psychischen Problemen helfen als auch, wenn sie in materieller Not sind. Etwa weil sie durchs soziale Netz gefallen sind.“

Diese unbürokratische Hilfe ermöglicht der Diakonieladen. Den hat Willi Weid vor 18 Jahren auf Anregung von Dekanin Gerlinde Hühn aufgebaut. 35 engagierte Ehrenamtliche verkaufen dort gespendete Kleidung und Waren für Bedürftige zu sehr günstigen Preisen – und trotzdem bleibt am Ende genug Geld übrig, um zu helfen. Einzelnen Menschen genauso wie speziellen Zielgruppen mit Hilfe diverser Projekte. Beispiele sind  „Aktion Rückenwind“  oder „Schulstart ohne Not“, die Kindern aus finanziell schwächer gestellten Familien helfen.

Der Erfolg des Diakonieladens liegt im unermüdlichen Engagement und der langjährigen Erfahrung der Ehrenamtlichen. Ein Großteil von ihnen gehört zum Team, seit es den Diakonieladen gibt – ebenfalls ein Verdienst von Willi Weid.

Der gebürtige Franke hat im Kirchenbezirk die sogenannte Ehrenamtskultur etabliert und mit Hingabe gepflegt: „Ich muss als Hauptamtlicher Engagement für die Ehrenamtlichen zeigen, wenn sie das ganze Jahr Engagement für uns zeigen.“

Für ihn bedeutet das, gute Rahmenbedingungen für die Helfer zu schaffen. Etwa, dass sie eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten oder, dass er so oft wie möglich anwesend ist, um bei Problemen helfen zu können. Es bedeutet für ihn aber auch, für die Helfer jedes Jahr ein Sommerfest in seinem Garten auszurichten, zum Geburtstag an kleine Geschenke zu denken, Ausflüge und Weihnachtsfeiern zu veranstalten.

Direkt neben dem Diakonieladen befindet sich seit etwa 16 Jahren das Kaffeehaus der Diakonie. Ebenfalls eine Idee des scheidenden Geschäftsführers, die 25 Ehrenamtliche unterstützen. Dass solche Begegnungsstätten „enorm wichtig sind“, hat der Sozialpäda­goge schon früh begriffen. Das Kaffeehaus ist Anlaufstelle für eine bunte Klientel, die dort niederschwellig Ansprechpartner findet. Diese können, wenn nötig, Hilfe in der Bezirksstelle vermitteln. 2015 war es der richtige Ort, um für die vielen Flüchtlinge das „Café Welcome“ einzurichten, und das „Trauercafé“ findet dort statt.

Willi Weid wird am 30. Juli bei einem Gottesdienst in der Stadtkirche verabschiedet. Jetzt, zwei Wochen davor, scheint das noch lange hin zu sein: „Ich bin beruflich zurzeit derart eingespannt. Ich habe gar keine Zeit für Abschied.“ Freie Zeit: Das ist ein Grund, warum er sich auf seinen Ruhestand freut. „Der steht wie ein weißes Blatt Papier vor mir“, schildert er das Gefühl.

Doch Willi Weid wäre nicht Willi Weid, hätte er nicht schon viele Ideen, wie er dieses weiße Blatt bunt bekommt: Auf jeden Fall will er mit seiner Frau Birgit so oft wie möglich im Wohnmobil verreisen. „Und dafür will ich mir mehr Zeit lassen als bisher“, sagt er schmunzelnd. Er will seinen Garten genießen, den er „mein kleines Paradies“ nennt. Im neuen Glas-Gartenhäuschen  wird er probieren, „ob ich noch malen kann. In der Schule war ich gut in Kunst“.

Fotografieren gehört zu einer weiteren Leidenschaften, der er frönen will. Und – wie schon sein ganzes Leben – wird er Radfahren. Allerdings nicht mehr die Alb-Extrem, die er mit dem von ihm gegründeten „Diakonie Fund Racing Team“ dreimal mitgefahren ist. Auch wird er es langsamer angehen lassen. „Ich habe seit einem Jahr ein E-Bike“, bekennt er lachend.

Willi Weids Ideenreichtum wird im evangelischen Kirchenbezirk fehlen. Seiner  Nach­folgerin Simone Zwicker, der bisherigen Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle in Leonberg, hinterlässt er große Fußabdrücke.

Info Die Verabschiedung von Willi Weid beginnt am Sonntag, 30. Juli, um 9.30 Uhr in der Geislinger Stadtkirche.

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