Wer hält es mit Amann, wer mit Dehmer?

Sie seien mit Wolfgang Amann als OB recht zufrieden, sagten vor einem halben Jahr Fraktionssprecher im Geislinger Gemeinderat der GZ. Sehen sie das noch heute so? Und was halten sie von Frank Dehmer?

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Roland Funk, Fraktionschef der Freien Wähler im Geislinger Gemeinderat, bleibt bei seiner - persönlichen - Meinung: OB Wolfgang Amann mache einen guten Job. "Wir haben keinen Anlass, nach einem Gegenkandidaten zu suchen", hatte er seinerzeit zu Protokoll gegeben. Nun findet er es aber allemal gut, dass es bei der OB-Wahl am 29. Juni einen Herausforderer - Frank Dehmer - gibt. Und Funk zollt ihm Respekt. In einem fast zweistündigen interessanten Gespräch habe er sich den Freien Wählern vorgestellt. Für Amann sprechen aus Funks Warte aber folgende drei Gründe: Als Amtsinhaber kenne er den Verwaltungsapparat im Rathaus; er mache "im Vorwärtsgehen einen entschiedeneren Eindruck" als Dehmer; und drittens würden sich beide Bewerber inhaltlich durchaus ähneln - ein Wechsel würde nur "alter Wein in neuen Schläuchen" bedeuten, gibt Funk zu bedenken und fragt: "Warum das bekannte Risiko gegen ein unbekanntes eintauschen?"

Auf eine Prognose zum Wahlausgang will sich Funk nicht einlassen - er ist ein gebranntes Kind. Bei einer früheren Gemeinderatswahl lag er mit seiner Vorhersage bei einer Wette derart daneben, erzählt er lachend, dass er bei der nächsten Zusammenkunft die komplette Getränkerechnung der Freien Wähler übernehmen musste.

"Was man in dieser Stadt erreichen kann, verfolgt Oberbürgermeister Amann auch, sei es bei der Bürgerbeteiligung oder nun mit der Barrierefreiheit des Bahnhofs", hebt SPD-Fraktionschef Dr. Hansjürgen Gölz lobend hervor. Aus seiner Sicht lautet die entscheidende Frage bei der OB-Wahl: "Was kann ein anderer Kandidat anderes erreichen?" Dehmer sei noch nicht bei der SPD gewesen, deswegen habe er sich noch keinen persönlichen Eindruck von ihm verschafft, was er nun aber nachholen werde, gibt Gölz zu bedenken. Die SPD werde ziemlich sicher keine Wahlempfehlung aussprechen: "Das ist nicht unsere Aufgabe."

Auch der erfahrene SPD-Kommunalpolitiker scheut eine Prognose: "Ein Wahlkampf kann schon mal was bewegen." Und den OB-Wahlkampf findet Gölz allemal "reizvoll". Nicht zuletzt aus diesem Grund: "Jetzt geht es denen mal so wie zuletzt uns", sagt er mit Blick auf die gerade absolvierte Kommunalwahl.

Kein Hehl macht GAL-Fraktionschef Bernhard Lehle, dass er Frank Dehmer aktiv unterstützt. Er kenne und schätze Dehmer, mit dem er über ein paar Ecken verwandt sei, seit vielen Jahren und wisse seit Langem von seiner Kandidatur. "Beide Bewerber können den Job sehr wohl machen", ist Lehle überzeugt, aber eben auch, dass es "Dehmer gut macht". Bei der Umfrage der GZ vor einem halben Jahr hatte Lehle - offenbar ausweichend - geantwortet, als er sagte, er und seine Parteifreunde würden sich voll auf die Kommunalwahl konzentrieren; die OB-Wahl komme da zu schnell hinterher, um aktiv einzugreifen. Bei Themen wie Schulsozialarbeit und barrierefreier Bahnhof sieht sich Lehle in Opposition zu Amann. Eine Empfehlung der GAL pro Dehmer wird es nicht geben, weil "wir uns als Fraktion nicht einig sind", gibt Lehle unumwunden zu.

Und wie beurteilt er Dehmers Wahlaussichten? "Anfangs hielt ich ihn für chancenlos. Doch mit je mehr Leuten ich spreche, desto ungewisser scheint mir der Ausgang. Das kann ganz knapp ausgehen", schätzt Lehle.

Holger Scheible, Fraktionschef der CDU, gibt sich zugeknöpft - aus einem einleuchtenden Grund: Er ist Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses und in dieser Funktion zu größtmöglicher Neutralität verpflichtet. "Diese Neutralitätspflicht gilt im Übrigen für alle Gremien, also für den Gemeinderat im Ganzen oder für die offiziellen Gliederungen - dazu gehören die Fraktionen - sowie für die Mitglieder des Wahlausschusses im Besonderen", betont Scheible. Unabhängig davon bleibe es "jedem einzelnen Gemeinderat unbenommen, seine persönliche Meinung zu einem Bewerber offen kundzutun".

Die Meinung der CDU fiel bei der GZ-Umfrage vor einem halben Jahr eindeutig aus: "Das Amt des OB ist in guten Händen." An dieser Aussage habe sich bis heute nichts geändert, sagt CDU-Fraktionsvize Eberhard Rapp. "Denn wir kennen Herrn Dehmer noch nicht, er hat sich bei uns nicht vorgestellt."

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