Wege aus der Krise der Städtepartnerschaft

Am Wochenende feierten Vertreter aus Montceau-les-Mines und Geislingen 20 Jahre Städtepartnerschaft - im Zeichen der Krise. Doch beide Seiten suchten gemeinsam Ansatzpunkte, die Probleme zu überwinden.

|

Seit 20 Jahren besteht die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Montceau-les-Mines und Geislingen - doch derzeit ist sie kaum mehr mit Leben gefüllt. Der Schüleraustausch, der die Basis der Städtepartnerschaft bildete, kam zum Erliegen. Diesen Problemen stellte sich am Samstag der Partnerschaftsausschuss. In der nichtöffentlichen Sitzung wurden mehrere konstruktive Vorschläge gemacht und Ansatzpunkte diskutiert, wie es in Zukunft wieder besser weitergehen könnte. Die Sitzung sei in einer überaus freundschaftlichen und offenen Atmosphäre verlaufen, berichtet Barbara Baumhauer, die bei der Geislinger Stadtverwaltung zusammen mit Fachbereichsleiterin Margit Schrag für die Städtepartnerschaft zuständig ist.

Beide Seiten gehen davon aus, dass der Schüleraustausch, an dem in Geislingen Michelberg-Gymnasium und Schubart-Realschule beteiligt sind, im kommenden Jahr wieder zustande kommt. Das Problem in Frankreich und eben auch in Montceau ist, dass immer weniger Schüler Deutsch lernen. Englisch und Spanisch dominieren stark als Hauptfremdsprachen. Womöglich kommt in der Schule in Montceau, in der Marie-Claude Valabrègue bis zu ihrer Pensionierung jahrzehntelang Deutsch unterrichtet hat, kein Deutschkurs mehr zustande.

Hinzukommt, dass die Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Montceau mittlerweile "eigene" deutsche Partnerstädte haben und mit ihnen den Austausch pflegen. Laut Barbara Baumhauer kündigte im Partnerschaftsausschuss Montceaus Oberbürgermeister Didier Mathus eine Initiative an: Er will alle Bürgermeister und Schulleiter aus dem Kohlebecken von Montceau einladen und mit ihnen beraten, ob wieder genügend deutsch-lernende Schüler für einen Austausch interessiert werden können. Bisweilen waren auch schon die Kosten eines Austauschs ein Hemmnis.

Mathus brachte einen weiteren Gedanken ein: Beim Schüleraustausch komme es doch nicht ausschließlich auf das Sprachelernen an, sondern auch auf den kulturellen Austausch. Könnte da nicht Englisch als Verständigungsbrücke dienen? Montceau pflegt seit Jahren auch eine Städtepartnerschaft mit einer Stadt in Polen (aus Polen kamen einst viele Grubenarbeiter nach Montceau). Kaum jemand in Montceau spreche aber polnisch - und umgekehrt, doch die Verständigung klappt trotzdem, gab Mathus zu bedenken.

Mathus hat generell den Eindruck, dass nach der Euphorie Ende der 60er Jahre und den vielen damals geschlossenen Städtepartnerschaften die Dynamik abgeflaut ist. Nun müsse man nach neuen Wegen suchen, wie der "Austausch der Herzen", die Begegnung zwischen den Menschen, gefördert werden könne.

Auf deutscher Seite will GAL-Stadtrat Holger Schrag für den Stadtjugendring über eine Liste der Vereine in Montceau abklären, welche Partner sich dort speziell für junge Leute zur Kontaktaufnahme anbieten. Der Geislinger Stadtseniorenrat will ebenfalls seine Fühler nach Burgund ausstrecken.

Von Geislinger Seite ist geplant, auf 21. Juni 2014 einen Bus nach Montceau zu chartern und so Geislingern zu günstigen Konditionen die Möglichkeit zu bieten, in der Partnerstadt die "Lange Nacht der Musik" zu erleben.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Umweltbundesamt fordert klare Regeln für Müllofen

Darf in Göppingen mehr Müll verbrannt werden, als in der Genehmigung steht? Bundesamt schätzt die Rechtslage anders ein als das Regierungspräsidium. weiter lesen