Vorerst keine „Gafferbox“ in Geislingen

Mit einer „Gafferbox“ will die Mainzer Feuerwehr Menschen das Gaffen abgewöhnen. Wäre das auch eine Idee für Geislingen?

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Eine Gafferbox, wie hier in Mainz, wird es in Geislingen wohl nicht geben.  Foto: 

Eine junge Frau reist ihren Mund auf, ihre Augen sind vor Schreck weit geöffnet. Ein Mann hält sich eine Kamera vor sein Gesicht und filmt eine Notsituation: Die beiden Schaulustigen sind auf Bildern zu sehen, die in einer drei mal drei Meter großen Gafferbox hängen. Wer sie betritt, kann sich vorstellen wie Schaulustige auf Opfer in Notsituationen wirken müssen. Das Ziel der Aktion der Mainzer Feuerwehr ist es, den Menschen das Gaffen abzugewöhnen.

Wäre das auch eine Idee für Geislingen?

„Grundsätzlich ist solche Aufklärung nicht schlecht“, meint Jörg Wagner, Kommandant der Geislinger Feuerwehr, „doch ich finde es sehr traurig, dass man solche Projekte überhaupt machen muss.“

Die Menschen aufzuklären, was Gaffer anrichten können, ist dem Polizeipräsidium ebenfalls wichtig, jedoch sei keine Kampagne wie in Mainz geplant. „Erste Hilfe und genug Freiraum für die Einsatzhelfer steht vor dem Informationsbedürfnis der Augenzeugen“, stellt Wolfgang Jürgens, Pressesprecher der Polizei Ulm, klar. Des Weiteren werden Augenzeugen, die die Arbeit der Polizei stark behindern, strafrechtlich verfolgt. ....

...Geislinger Feuerwehrleute haben mit Gaffern, die Wege blockieren und Unfälle filmen, immer mehr zu kämpfen. „Einige Menschen laufen auf die Straße, helfen nicht und halten mit der Kamera auf das Geschehen“, so Wagner, der schon öfters Schaulustige wegschicken musste. Zuzuschauen sei kein Problem, betont Wagner, jedoch müsse man den Einsatzkräften ihren Platz lassen und die Privatsphäre der Opfer berücksichtigen.

Die Feuerwehr fühle sich zudem von den filmenden Gaffern beobachtet. „Unter den Feuerwehrleuten ist die Anspannung spürbar, wenn wir während den Einsätzen fotografiert und aufgenommen werden“, erklärt Wagner, der seit 21 Jahren Feuerwehrmann ist. Er hat das Gefühl, dass es immer weniger Menschen gibt, die helfen. Viele hätten Angst etwas falsch zu machen, jedoch sei ihnen nicht klar, dass man helfen müsse (siehe Infokasten). Auch den Respekt vor den Unfallopfern vermisst Wagner. „Erst kürzlich hat mich während eines Notfalls ein vorbeilaufender Junge gefragt, ‚ob die Alte jetzt stirbt?‘“

Auf Autobahnen ist das Gaffen ein noch größeres Problem, sagt Wolfgang Jürgens. „Heute zückt man halt das Handy, wenn man etwas sieht.“ Einige Autofahrer hätten zudem Schwierigkeiten, eine Rettungsgasse zu bilden. „Manche passen nicht auf, doch viele vergessen, dass es um Sekunden und im schlimmsten Fall um Leben und Tod geht“, so Jürgens.

Jörg Wagner habe sich selber schon einmal auf Gaffer-Bildern in „Facebook“ gefunden. In dem sozialen Netzwerk hätten die User falsche Behauptungen geschrieben und der Feuerwehr „Verbesserungstipps“ gegeben. „In so einem Fall fühlen wir uns gezwungen, die Dinge richtig zu stellen“, erklärt der gebürtige Stuttgarter.

Auf die Frage was Wagner den Gaffern sagen würde, antwortet er: „Lasst es einfach.“

In Notsituationen wegzuschauen, ist keine gute Idee. Denn wer nicht hilft, macht sich durch die „unterlassene Hilfeleistung“ strafbar. „Man kann nichts falsch machen“, betont Jörg Wagner von der Feuerwehr Geislingen. Warndreieck auf der Straße aufstellen, Notruf absetzen, Blut stillen oder einfach für die Unfallopfer da sein, sei eine angemessene Hilfeleistung. „Überlegen Sie einfach, was Sie von den anderen erwarten würden, wenn sie in einer Notsituation wären“, so Wagner.

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