REPORTAGE: Auf Streifzug durchs Geislinger Frühlingsfest

Hält das Geislinger Frühlingsfest das, was es verspricht? GZ-Jugendredakteur Tomas Cabanis nimmt die Fahrgeschäfte und die Atmosphäre des Festes unter die Lupe.

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    Tomas Cabanis checkt für die GZ das Geislinger Frühlingsfest. Foto: 
  • Nicht unbedungt etwas für den flauen Magen: das Fahrgeschäft „Flipper“, eine Karussellscheibe. 2/8
    Nicht unbedungt etwas für den flauen Magen: das Fahrgeschäft „Flipper“, eine Karussellscheibe. Foto: 
  • Der Weg zum Gewinn an der Dartbude führt nur über ein gutes Auge und ein ruhiges Händchen. 3/8
    Der Weg zum Gewinn an der Dartbude führt nur über ein gutes Auge und ein ruhiges Händchen. Foto: 
  • So schön kann Zuckerwatte sein.  4/8
    So schön kann Zuckerwatte sein. Foto: 
  • Daumen hoch für das Geislinger Frühlingsfest: Fotograf Michael Cabanis hat eine Fülle an Eindrücken gesammelt.  5/8
    Daumen hoch für das Geislinger Frühlingsfest: Fotograf Michael Cabanis hat eine Fülle an Eindrücken gesammelt.  Foto: 
  • Der Renner aus den USA: Fridget Spinner.  6/8
    Der Renner aus den USA: Fridget Spinner. Foto: 
  • Trotz harter Arbeit ein Lächeln für die Kamera.   7/8
    Trotz harter Arbeit ein Lächeln für die Kamera. Foto: 
  • Ein Ritt im Hupferl. 8/8
    Ein Ritt im Hupferl. Foto: 
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Wer fliegt extra nach London um mit einer besonderen Achterbahn zu fahren? Ich muss zugeben: Das bin ich. Da ist es doch klar, dass ich auch in Geislingen auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick bin. Endlich bin ich fündig geworden: das Geislinger Frühlingsfest.

Doch lohnt sich ein Besuch auf der eineinhalbwöchigen Kirmes? Oder sollten Adrenalin-Junkies wie ich das Fest meiden?

Erste Überraschung für einen Esslinger wie mich: Der Altenstädter Festplatz befindet sich inmitten eines Wohngebiets. Nein, nicht in irgendeinem Industriegebiet zwischen Schornsteinen, sondern neben der TVA-Halle ist der Rummelplatz zu finden. Angekommen, versuche ich mir als Erstes einen Überblick zu schaffen. Das geht einfacher als gedacht. Große Fahrgeschäfte wie Achterbahnen gibt es nicht. Wie auch? Das Gelände ist viel zu klein dafür. Kein Wunder, dass sich die Geislinger ein größeres Frühlingsfest wünschen. Im Gespräch mit den Besuchern der Veranstaltung fällt der Begriff „zu klein“ nicht selten.

Ganz anders sehen es einige Schausteller, die es in Geislingen besser als auf dem Cannstatter Wasen finden. „Dort sind mir zu viele betrunken, da ist es hier in Geislingen viel persönlicher”, erklärt mir Sylvia Klein, die seit mehr als 30 Jahren Süßigkeiten der Familie Wölfle verkauft. Bei ihr probiere ich einige Schoko­früchte, bevor es für mich auf die Fahrgeschäfte geht.

Ob das eine gute Idee war? Übel wird es mir nur dann, wenn die Geräte sich sehr schnell drehen, sonst nicht. Unter diesen Voraussetzungen macht es Sinn, mit dem Rundfahrgeschäft „Flipper” anzufangen, eine Karussellscheibe mit Gondeln. Die Fahrt beginnt ruhig, doch schon nach wenigen Drehrunden wird sie immer rasanter. Als dann die rotierende Scheibe sich neigt, ist auch bei mir der Nervenkitzel ausgebrochen. Ich schreie, jauchze. Meine Begleiter neben mir kreischen ebenfalls. Nebel und Lichteffekte verstärken das Gefühl, in Trance zu sein. Auch wenn das Fahrgeschäft für die ganze Familie bestimmt ist: An manchen Stellen meint man, gleich von der Scheibe katapultiert zu werden. Die Wucht, die Zentrifugalkraft ist so stark, dass ich in der freischwingenden Gondel hin- und hergeschubst werde. Nach turbulenten vier Minuten landet der „Flipper” wieder. Ich lebe. Und mir ist noch nicht übel.

Wer unschlüssig ist, ob so etwas für ihn das Richtige ist oder doch eher für angehende Astronauten, der sollte mittags fahren. Denn abends, wenn mehr Jugendliche den Ritt auf der Scheibe wagen, ist die Fahrt wilder. „Die Maschine wird manuell gesteuert, wir passen sie den Fahrgästen an”, erklärt Tatjana Meeß, die unter anderem am Steuer der Maschine sitzt. So sind die Fahrten auch länger, wenn der Andrang gering ist.

In Geislingen kann ich mich glücklich schätzen. Auch weil der „Hupferl“ von Andre Roder angereist ist. Das Fahrgeschäft des Karlsruhers besteht aus einer wippenden Scheibe, auf der Sitze ohne Bügel angebracht sind. Das heißt, wer sich nicht festhält, fällt vom Platz. Ich halte mich fest. Es geht aber auch anders. Meine Mitfahrer lassen sich absichtlich vom Sitz fallen, weil es ihnen offensichtlich Spaß macht. Von außen sieht das Ganze schmerzhaft aus, ist es aber nicht. Auch wenn die Fahrt meinen Magen durchschüttelt, fühle ich mich als hätte ich sechs Richtige im Lotto. Glücksgefühl pur.

Nach ein paar Minuten bin ich wieder auf festem Boden und entdecke sofort einen Verkaufsstand mit einem Trend aus Amerika: Fridget Spinner, hierzulande als Handkreisel bekannt, bei dem in der gängigen Ausführung drei Flügel um ein mittiges Kugellager rotieren. Die wahren Könner jonglieren sogar mit diesem kleinen Gerät, lassen es auf den Fingerkuppen tanzen. „Der Verkaufsschlager schlechthin”, sagt Okcuoglu Murat, Verkäufer aus Geislingen. Nicht nur Kinder seien an dem Trendspielzeug interessiert, auch Erwachsene würden zugreifen.

Für mich geht es nun weiter zum Autofahren ohne Regeln, dem Autoscooter der Veranstalterfamilie Kritz. Chip ins Auto und los geht’s. Autoscooter ist kinderleicht. Gas geben, auf ein anderes Auto zuhalten und wegboxen. Das Ganze macht so Spaß, dass ich die Zeit vergesse und in gefühlten zehn Sekunden die Fahrt bereits wieder vorbei ist. Da ich schon mit unterschiedlichen Autoscootern gefahren bin, fällt mir sofort auf, dass der Superscooter von Thomas Kritz zu denen gehört, die nicht dreckig, holprig oder veraltet sind.

Langsam ist mir schlecht, der Magen sagt: Schalte einen Gang runter. Gut, dass es keine weiteren großen Fahrgeschäfte gibt. Außer einer Trampolinanlage, zwei Kinderkarussells und diversen Ständen ist auch der angrenzende Biergarten einen Besuch wert. Dort treffe ich auf Sina Huber, Kim Köhler und Celine Marie Feitz. Die Geislingerinnen schauen wie jedes Jahr auf dem Frühlingsfest vorbei. „Wir kommen aus Langeweile“, erklären mir die Mädchen, die die Veranstaltung als Treffpunkt ihrer Freunde nutzen.

Positiv überrascht bin ich, dass das Fest zehn Tage lang veranstaltet wird. Andere Kirmessen dieser Größe finden nur ein Wochenende statt.

● Schauen Sie abends vorbei. Wenn die Schausteller ihre Lichter anmachen, ist die Atmosphäre auf dem Altenstädter Festplatz noch besser.

● Adrenalinjunkies kommen bei Dunkelheit ein bisschen mehr auf ihre Kosten. Es zeigt sich, dass die Fahrgeschäfte abends turbulenter und wilder gesteuert werden.

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