Vielfältige Ausdrucksformen

Zu einem Orgelkonzert ihres früheren Kantors Gerhard Klumpp hatte am Samstag die Stadtkirchengemeinde Geislingen eingeladen, und die Besucher erlebten interessante und gekonnte Darbietungen.

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Gerhard Klumpp gab an seiner früheren Wirkungsstätte erstmals ein abendfüllendes Programm.  Foto: 

Nach langer Pause stellte sich Kirchenmusikdirektor Gerhard Klumpp am Samstagabend wieder einmal an seiner früheren Wirkungsstätte, der Geislinger Stadtkirche, solistisch vor. Die zahlreichen Zuhörer, die zu seinem Konzert unter dem Titel "Toccata" gekommen waren, sahen ihre Erwartungen sicherlich erfüllt, denn Klumpp beherrscht sein Instrument nach wie vor meisterlich. Dazuhin hatte er eine Werkfolge zusammengestellt, die durchweg interessante und wirkungsvolle Vorträge enthielt.

Zudem verhieß das gewählte Motto eine große Vielfalt an Ausdrucksformen, denn der Begriff Toccata steht für Stücke von freier musikalischer Struktur im Charakter etwa einer ausgeschriebenen Improvisation. Dass diese zum Teil mit Fugen gekoppelt waren oder hymnische Gesänge zur Basis hatten, erweiterte noch die Bandbreite des Gehörten.

Mit ihrer prächtigen Intrada bildete die "Toccata septima" von Georg Muffat einen geeigneten Konzertbeginn. War hier schon beeindruckende Orgelkunst zu vernehmen, so wurde der Hörgenuss noch gesteigert durch den 30 Jahre jüngeren Johann Sebastian Bach und dessen "Toccata und Fuge" F-Dur BWV 540. Kompositorisch höchst einfallsreich, mit einem mehrfach variierten Kanon und überraschenden Modulationen, bot die ausgedehnte Toccata viel Spielfreude und Virtuosität, zum Beispiel zwei Pedalsoli mit langen Sechzehntelketten, die der Organist mit Bravour und überzeugend meisterte. Und die Hervorhebung des Pedals setzte sich fort, indem diesem bereits der zweite Auftritt des recht langen Fugenthemas anvertraut wurde, wonach Klumpp die Doppelfuge zu einem unglaublich dicht verschlungenen Geflecht ausbaute.

Die Toccata "Schlafes Bruder" wurde vom 1950 geborenen Enjott Schneider für den gleichnamigen Film geschrieben. Der Komponist, bekannt für Vertonungen anspruchsvoller Sujets, führt sein Stück in einen Komplex aus filmischem Leitmotiv und dem Choral "Komm, o Tod, du Schlafes Bruder" von Johann Franck, den Klumpp mit Urgewalt im Pedal rumoren ließ.

"Ave Maris Stella - Meerstern, sei gegrüßt", eine Kirchenhymne von Franz Liszt, nutzte Klumpp zu reicher romantischer Ausdeutung. Echostellen sowie Einsatz des Schwellers und Rubatos ließen den Gruß an Maria sehr fasslich werden bis hin zu einem zarten Abschiedswinken.

Mit großer Pranke hob Max Regers Toccata und Fuge d-Moll aus op. 59 an, führte dann überraschend zart in die Fuge ein, um in Reger-typischen harmonischen Reibungen und in allmählicher Steigerung bis zum Schluss-Fortissimo zu eilen.

Seinem Titel entsprechend begann "Cantabile" von César Franck mit einem sanglichen Thema, das zwar ruhig, fast meditativ, jedoch mit großer harmonischer Kühnheit durchgeführt wurde. Und im Wechsel zwischen Ruhe und flirrender Betriebsamkeit bewegte sich die Toccata F-Dur des Franzosen Jules Grison, die dem Konzert einen triumphalen Abschluss verlieh.

Gut passend zu den vorangegangenen Franzosen gabs nach herzlichem, lang anhaltendem Beifall als Zugabe die "Toccata in Seven" vom Engländer John Rutter, deren Motorik durch den titelgebenden Siebener-Takt erzeugt wurde.

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