Verzicht auf Gewohntes

Noch läuft die 40-tägige Fastenzeit, in der sich viele in Genussverzicht üben. Die Fünft- und Sechstklässler der Göppinger Ursenwangschule betreiben modernes Fasten und entsagen eher ungewöhnlichen Dingen.

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Modernes Fasten an der Ursenwangschule: Enthaltsamkeit kann man auch bei Facebook und Fernsehkonsum einüben. Das haben die Fünft- und Sechstklässler probiert. Foto: Elke Berger

Eine Woche ohne Computer hat Jonas Kauderer hinter sich, Lukas Graipel hält es schon seit zwei Wochen ohne Playstation aus, eine Mitschülerin hatte eine Woche lang den Fernseher ignoriert. "Anlass für diesen Versuch war ein Artikel, der vom Fasten handelte", erklärt Marietta Winter, katholische Religionslehrerin an der Ursenwangschule. "Wir haben ihn zusammen gelesen und uns Gedanken gemacht, wie wir so etwas gemeinsam umsetzen und uns damit die Fastenzeit bewusst machen könnten." Ideen wurden gesammelt.

Das Ergebnis waren kleine Vorhaben, die sich die Schüler jede Woche selbst stellten und auf einem gebastelten Blütenblatt festhielten. Zusammengefaltet und geheim. "Es soll kein öffentlicher Druck aufgebaut werden", verteidigt Winter die Geheimniskrämerei. Wer seine Ziele am Ende der Woche freiwillig preisgeben möchte, dürfe das aber gerne tun.

Jeder hat dabei seine eigenen Ideen, welche Bürde er oder sie sich in der jeweils anstehenden Woche auferlegen will. Dabei stehen nicht nur materielle Dinge wie der Verzicht auf süße Getränke, Gummibärchen oder Schokolade im Vordergrund. "Ich habe eine Nacht ohne Decke auf dem Boden geschlafen", berichtet Dario Petrovic euphorisch. "So viele Kinder auf anderen Kontinenten haben auch kein Bett, kein Kissen und keine Decke." Ein Vergnügen sei es allerdings nicht gewesen. "Es war kalt und sehr hart, ich konnte kaum schlafen in der Nacht." Auch Marietta Winter erinnert sich an einen übernächtigten Dario, der stolz seinen Selbstversuch beschrieb. Für den Schüler war es mehr als eine lehrreiche Erfahrung: "Ich habe jetzt größten Respekt vor den Kindern, die jede Nacht so schlafen müssen."

Schlafen war auch das Thema von Manuel Osswald: "Eine Woche lang bin ich regelmäßig früher Schlafen gegangen als sonst. Und es ist sehr angenehm, in der Schule nicht mehr so müde zu sein." Schwerer gefallen sei ihm hingegen die Reduzierung von Süßigkeiten.

Christian Fuchs war einer von mehreren Schülern, die fleißig und lückenlos ihre Hausaufgaben erledigten. "Man ist immer schnell verführt, etwas wegzulassen oder ganz zu ,vergessen. Und man hat sich schnell an die zusätzliche Freizeit gewöhnt, die einem übrig bleibt, wenn man die Hausaufgaben verkürzt oder gar nicht macht." Seine Rolle als Klassenclown hat Alessio Tedesco eine Woche lang aufgegeben: "Es war schwer, ich mache doch so gerne Quatsch."

Manche Vorhaben sind einfach durchzuhalten. Die meisten, die auf elektronisches Spielzeug und Medien verzichten, haben keine Entzugserscheinungen. Lediglich Dario Petrovic litt etwas unter seinem selbst auferlegten, zehntägigen Facebook-Verbot, währenddessen er sich "ausgegrenzt fühlte". Etwas schwieriger wird es da schon beim Verzicht auf Zucker. "Ich war zwei Wochen bei meiner Oma. Dort ist es mir etwas leichter gefallen, auf Süßigkeiten zu verzichten", meint Luca Cesario. Wiederholen möchte er den Versuch allerdings nicht so schnell. Gesünderes Essen und mehr Obst waren in den zuckerfreien Wochen für alle Süßigkeitenfaster der Stoff zum Durchhalten.

Marietta Winter freut sich über so viel Engagement in ihrer Klasse: "Die Schüler erfahren eine neue Lebensqualität. Außerdem bringen sie diese Erlebnisse auch persönlich weiter." Auch die Resonanz unter den Schülern ist durchweg positiv. Dass es "interessante Erfahrungen" sind, darüber sind sich alle Schüler einig. Allerdings auch darüber, dass nicht unbedingt alles davon nach Wiederholung schreit.

Die Blütenblätter für nächste Woche sind derweil schon wieder in Arbeit. Was drauf steht wird aber noch nicht verraten.

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