Verdi kritisiert Sparpläne der Klinik

Die Gründung einer Servicegesellschaft an den kreiseigenen Kliniken stößt vor allem bei der Gewerkschaft Verdi auf Protest. Der Betriebsrat ist auch nicht glücklich, kann aber mit dem Kompromiss leben.

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Künftig werden Reinigungskräfte nicht mehr bei der Klinik, sondern in einer Service GmbH beschäftigt. Unser Bild zeigt das Krankenhaus in Bietigheim-Bissingen, wo dieses Modell schon lange Realität ist. Foto: Archiv

"Wir haben uns schwergetan mit dieser Entscheidung. Aber es ist ein Kompromiss, mit dem man durchaus leben kann." Max Radloff, Betriebsratsvorsitzender der Kliniken des Landkreises, ist hin- und hergerissen. Am liebsten hätte er die Gründung einer Servicegesellschaft natürlich abgewendet. Aber wohlwissend, dass der wirtschaftliche Druck enorm sei und die Kliniken sparen müssen, spricht er von einem "vertretbaren Ergebnis". Wie berichtet, werden künftige Mitarbeiter der Dienstleistungsbereiche - beispielsweise aus der Wäscherei oder Reinigungspersonal - in einer Service GmbH beschäftigt. Für sie wird der Tarifvertrag der Zeitarbeitsbranche gelten, bisher lagen die Konditionen des öffentlichen Dienstes zugrunde. Ziel ist es, mittelfristig die Lohnkosten zu senken. Alle Beschäftigten mit einem unbefristeten Vertrag hätten jedoch 100 Prozent Bestandsschutz, versicherte der kaufmännische Direktor der Kliniken, Wolfgang Schmid, am Freitag im Verwaltungsausschuss des Kreistags.

Der Betriebsratsvorsitzende ist froh, dass ein komplettes Outsourcing der Dienstleistungsbereiche abgewendet werden konnte. So werde neues Personal in einer 100-prozentigen Tochter der Kliniken und nicht in einem Fremdunternehmen angestellt. "Für die jetzigen Mitarbeiter ist das sicher die bessere Lösung", unterstreicht Radloff. Und seitdem dies klar ist, sei auch etwas Ruhe in der Belegschaft eingekehrt. Insgesamt sei der Schritt aber "ein schmerzlicher Einschnitt", räumt Radloff ein. Und er ist überzeugt, dass es in der etwa zehn Jahre dauernden Übergangsphase "Reibungsflächen" geben werde, weil Mitarbeiter für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden.

Genau diese Tatsache ist der Knackpunkt für die zuständige Gewerkschaftssekretärin Heidi Pfeiffer: "Wir sind gegen die Gründung der Servicegesellschaft, weil dadurch Beschäftigte zweiter Klasse geschaffen werden." Pfeiffer weist darauf hin, dass andere Krankenhäuser - zum Beispiel in Essen und in Bayreuth - wegen massiver Qualitätsmängel und fehlender Einsparung vom Modell der Servicegesellschaften wieder Abstand nähmen. Zudem warnt die Gewerkschafterin davor, ein Fass aufzumachen: "Jetzt sind es nur bestimmte Bereiche. Aber wir wissen ja nicht, was in ein oder zwei Jahren sein wird. Ganz schnell kann dann auch ein Labor dabei sein." Kein gutes Haar lässt Heidi Pfeiffer an der geplanten Bezahlung der Mitarbeiter in der Service GmbH: "Der Tarifvertrag ist für uns nicht akzeptabel." Im Zuschuss zur individuellen Altersversicherung sieht sie auch "kein Bonbon", weil viele Beschäftigte so wenig verdienten, dass sie sich das gar nicht leisten könnten, kritisiert sie.

Der Stundenlohn für die Neueingestellten in der Service GmbH soll nach dem Tarif der Zeitarbeitsbranche bei 8,94 Euro liegen - geringfügig mehr als im öffentlichen Dienst. Abstriche müssen die Beschäftigten jedoch bei Zusatzleistungen wie beispielsweise Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Lohnsteigerungen machen. Daraus ergeben sich dann auch die Einspareffekte für die Kliniken. Der Zuschuss zu einer Direktversicherung soll dieses Minus etwas ausgleichen. "Neun Euro sind nicht der schlechteste Lohn in der Zeitarbeitsbranche", meint der Betriebsratschef. "Das ist keinesfalls untere Kante." Im Gegenteil: Max Radloff spricht von einer "milden Variante", wenn man alle denkbaren Möglichkeiten betrachte. Auch Klinikenchef Professor Jörg Martin war es wichtig, trotz des Spardrucks eine verträgliche Lösung zu finden: "Es ist unsere Verantwortung als Arbeitgeber, keine Altersarmut zu produzieren", hatte er am Freitag unterstrichen.

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