Unkonventionelles Konzert mit außergewöhnlichem Klang

Ein in mehrerer Hinsicht unkonventionelles Konzert, dem rund 30 Zuhörer lauschten, brachte am Samstag das Ensemble BassoContinuo-Project in der evangelischen Christuskirche im Täle zu Gehör.

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Felix Thiedemann aus München am Cello und Marthe Perl aus Hamburg an der Viola da Gamba konzertierten am Samstag zusammen mit der Cembalistin Evelyn Laib aus Stuttgart an der Truhenorgel, die bei dem Auftritt im Täle für den verhinderten Johannes Berger eingesprungen war. Das Ensemble war der Einladung des Kirchengemeinderats Friedhelm Wilms gefolgt, der mit dem Cellisten verwandt ist. Thiedemann errang beim letztjährigen Deutschen Musikwettbewerb mit seinem zweiten Ensemble, Gradus ad Parnassum, einen zweiten Platz im Finale; Marthe Perl ist die Tochter der weltbekannten Gambistin Hille Perl und Evelyn Laib ist unter anderem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart tätig.

Die Altistin Livia Kretschmann war kurzfristig erkrankt und das Ensemble hatte sein Programm von einem Tag auf den andern völlig umstellen müssen; statt der Gesangsstücke von Schemelli, um die herum das Konzert aufgebaut gewesen war, erklangen nun musikalische Kleinodien, die man sonst nur selten oder gar nicht zu hören bekommt, etwa zeitgenössische Kompositionen für Gambe Solo. Durchs Programm, das nur zwei der ursprünglich für das Konzert geplanten Stücke beinhaltete, führte der Cellist.

Mit einem Präludium von Bach begann Laib an der Truhenorgel; es passte hervorragend in den schlichten, warmen Kirchenraum und öffnete in seiner Einfachheit die Ohren der Zuhörer für das Weitere: etwa für die Sonate Nr. 6 für Cello und Basso continuo des von Bach sehr verehrten Vivaldi mit den Sätzen Largo-Allegro-Largo-Allegro. Hier und in der später erklingenden Cellosonate Nr. 1 für Cello und Basso Continuo mit derselben Satzfolge glänzte das Ensemble vor allem in den langsamen, weichen Sätzen, die mit viel Wärme erklangen. Anrührend war das zweite Largo, das Gambe und Cello in einem sich gegenseitig spiegelnden Wechselspiel vortrugen, und in dem die unterschiedlichen Klangwelten der Instrumente zur Geltung kamen. Die Gambe ertönte unter Perls freilassendem Strich mit großem, weichen, einladenden Klang.

Ein Höhepunkt waren vier Stücke für Gambe solo: zunächst "Le ombre segrete" der 1975 geborenen, italienischen Komponistin Carlotta Ferrari. Die schlichte Melodie entwickelte sich in fragenden, nachdenklichen Bögen und Echos. Darauf folgten drei kurze Stücke aus der Feder von Perls Vater, des 1959 in Florida geborenen und seit den 1980ern in Deutschland lebenden Lautenisten Lee Santana aus dem Zyklus "The Invention of Solitude". Sie basieren auf dem gleichnamigen Prosaband des New Yorker Schriftstellers Paul Auster.

Die Stücke warfen in ihrer narrativen Struktur beim Zuhören die Frage auf, von was hier erzählt wird. So gab es Doppelgriffe und eigenartige Verzierungen, zunächst in "A Thick Orange Root", das in seinen vielen melodischen Wendungen die Wurzel (Root) aus dem Titel fast greifbar machte; dann in "The Object of a Dead Man", in dem es ganz sachlich darum geht, wie sich Dinge nach dem Tod ihres Besitzers verändern; und zuletzt das herausragende "Anything about Anyone", in dem Marthe Perl zu den auf der Gambe erklingenden abenteuerlichen Intervallsprüngen sang. Marthe Perls musikalisch und technisch, vor allem aber klanglich ausgezeichnetes Spiel, das die Ideen in der Musik klar aufsteigen ließ, entlockte dem Publikum spontan einen Sonderapplaus.

Mit "Greensleaves" erklang ein Gassenhauer aus dem 18. Jahrhundert in 15 Variationen, in dem erneut die Gambe voll zur Geltung kam und Perl glänzte. Gerade bei diesem volkstümlichen, einfacheren Stück fand sich das Ensemble in besonders harmonischem Zusammenspiel. Das Publikum war begeistert. Am Schluss sprang es bei "Der Mond ist aufgegangen" für die erkrankte Altistin ein.

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