Üble Drohungen gegen Richter und Polizei

Seine Drohungen klingen gemeingefährlich: Jetzt wird ein 26-Jähriger für sechs Wochen zur Begutachtung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

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. Vor dem Geislinger Amtsgericht wärs jetzt "nur" um Beleidigung und Missbrauch von Notrufen gegangen. Doch der Angeklagte - ein junger Mann aus dem Kreisgebiet - erschien "erwartungsgemäß nicht", wie Richter Reinhard Wenger feststellte. Denn darauf ließ ein wirrer und mit üblen Beleidigungen und Drohungen gespickter Brief schließen, den Wenger vorige Woche von ihm erhalten hatte. Der Richter "und seine korrupten Kollegen", so ließ der Angeklagte wissen, "könnten ihn mal alle ..." Und falls "Ihr Pack" - womit die Polizei gemeint gewesen sein dürfte - "hier bei mir vor der Tür steht, fliegen die Flaschen.". Ende der Zitate, derer es noch mehrere gäbe, vor allem mit noch üblerem Inhalt. Beigefügt waren dem Schreiben die in kleine Fetzen zerrissene Einladung zum Gerichtstermin. Er habe sie ins Kuvert mit reingesteckt und "dann in den Brief gespuckt", hatte der Mann offenbar wutentbrannt niedergeschrieben.

Auch sein Pflichtverteidiger kam nicht ungeschoren davon und wurde mit dem geballten Zorn des Mandanten konfrontiert - allerdings weniger förmlich: kurz und knapp per SMS.

Für Staatsanwalt Peter Staudenmaier war damit das Maß des Erträglichen überschritten. Er regte an, den Mann in einer psychiatrischen Klinik untersuchen zu lassen.

Dass der Angeklagte bereits jüngst eine entsprechende Therapie absolviert hat, war Amtsrichter Wenger erst zu Ohren gekommen, nachdem der ursprünglich auf Mitte Mai festgesetzte Verhandlungstermin deshalb hatte verschoben werden müssen.

Im Anschluss an diese Therapie wäre möglicherweise eine medikamentöse Behandlung notwendig gewesen. Doch dagegen, so lässt es der Mann in seinem "Wutschreiben" anklingen, werde er sich wehren.

Welche Vorgeschichte dieser Therapie zugrunde lag, soll nun geklärt werden. Seine fünf Vorstrafen, bei denen es um Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Unfallflucht und Verleumdung gegangen war, ließen jedenfalls keine Rückschlüsse auf sein Seelenleben zu. Allerdings war er zwischendurch einem Betreuer unterstellt gewesen.

Außerdem scheint im familiären Umfeld nicht gerade eitel Sonnenschein zu herrschen. Im Dezember hatte es einen Vorfall gegeben, der die Eltern veranlasste, gegen ihren Sohn Strafanzeige wegen Körperverletzung zu erstatten. Inzwischen jedoch, so gab Wenger bekannt, hätten sie den Strafantrag wieder zurückgenommen. Dieser Punkt wäre demnach bei der jetzigen Verhandlung gar nicht mehr zur Sprache gekommen. Kraft seines Amtes kann Richter Reinhard Wenger eine Untersuchung des Mannes in einer Psychiatrischen Klinik anordnen. Sollte der 26-Jährige nicht freiwillig bereit sein, nach Bad Schussenried zu gehen, wird Wenger einen sogenannten "Unterbringungsbefehl" erlassen - für die Dauer von maximal sechs Wochen.

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